Michael Ehnert bei "Gute Leude - Das Hamburg Gespräch"

Shownotes

In „Gute Leude – Das Hamburg Gespräch“ mit Lars Meier erzählt Michael Ehnert, wie ihn seine Kindheit in Hamburg zwischen Mümmelmannsberg, Karolinenviertel und Reeperbahn geprägt hat und wie er früh seinen eigenen Weg zwischen Punkszene, Theater und Schreiben gefunden hat. Er spricht darüber, warum Kreativität für ihn immer auch Mut bedeutet, wie er sich als Künstler immer wieder neu erfindet und weshalb Scheitern für ihn Teil jeder künstlerischen Arbeit ist. Außerdem gibt er Einblicke in die Entstehung seines neuen Romans „Hamburg, Wache 16“, erzählt von den wilden Jahren auf St. Pauli und erklärt, warum Hamburg für ihn bis heute Inspiration und Zuhause zugleich ist.

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00:00:02: Grundsätzlich ist bei jeder Kreativen, bei jeder künstlerischen Arbeit ja das Scheitern immer eine Option.

00:00:08: Das heißt, bei jedem Theaterstück selbst wenn ich seit fünfundundreißig Jahren Theater mache kann es sein dass nächstes Theaterstuck der totale Rohrkribire wird.

00:00:16: da muss man sich als Künstler darauf einstellen und die Angst vor dem Scheittern Die darf nicht da sein oder sie darf einen Nicht überwinden sozusagen.

00:00:26: Und Ich habe's einfach gemacht und hab dabei wahnsinnig viel Freude gehabt.

00:00:34: Ja, ich finde das immer ein bisschen schwierig so den alten Zeiten hinterher zu weinen.

00:00:38: Weil also im Karo Viertel oder in der Schanze gab es echt auch jahrelang noch Wohnungen mit Holzofen und Toilette auf dem Flur und so... Also auch schlimme Sachen wo ich gar nicht traurig bin dass diese Sachen modernisiert werden.

00:00:53: ja man auch Leute die links sind oder was auch immer haben ja Bock auf eine geile Wohnung Und ich glaube, dass sich diese Subkultur, die es immer noch gibt im Karofiertel und im Schanzenviertel, dass sie sich halten wird.

00:01:08: Egal was dazukommt!

00:01:13: Also erstmal habe ich als Wohnort jede düstere Ecke in Hamburg mitgenommen.

00:01:17: Ich bin geboren in Harburg und dann bin ich aufgewachsen erst die ersten fünf Jahre, glaub' ich, in Horm... ...in der Böcklerstraße und dann sind wir nach Mümmelmannsberg gezogen bis ich so siebzehn war, dann eben Karo Viertel, Reeperbahn und dann habe ich mich irgendwann in den Westen Hamburgs vorgekämpft.

00:01:34: Dann wurde ich besser dituiert und älter und seriöser und plötzlich wohnte ich dann in Eimsbüttel oder später in Ordnensein und jetzt wohne ich in Isarbrog wo man als Ältere her wohnt.

00:01:46: Und ja Bergedorf natürlich auch!

00:01:49: Ich bin in meiner Jugend sehr viel unterwegs gewesen.

00:01:52: Bergedorff war ein wichtiges Pflaster Bis heute für mich eine der Hochburgen unserer Theaterkunst.

00:01:58: Da haben wir zum Beispiel als Bader-Ehnhardt-Kommando im Jugendzentrum Korachstraße vor krassen Punks gespielt, die normalerweise mit Theater überhaupt nichts am Hut hatten und die haben wir voll abgeholt.

00:02:09: Und gleichzeitig war Bergedorf eben auch immer Hochburg der Rechten.

00:02:13: also man konnte dann am Busbahnhof echt auch auf die Fresse kriegen von Skinheads und so.

00:02:17: das war schon ... Das war schon ne harte Zeit!

00:02:41: Das Hamburg-Gespräch mit Lars Meier.

00:02:47: Heute zu Gast ist Michael Enert, Schauspieler, Drehbuchautor und Autoreigner Theater & Kabarettprogramme.

00:02:52: Moin moin!

00:02:53: Hi Geboren in Hamburg und aufgewachsen in Mümmelmannsberg, stehst du seit den neunziger Jahren regelmäßig vor der Kamera.

00:03:02: Und hast außerdem gemeinsam mit deiner Frau Jennifer Maria Enard erfolgreiche Bühnenprogramme realisiert.

00:03:07: Dein Debüro-Mann Hamburg Wache sechzehn ist dein persönlichstes Projekt unter einem Vater gewöpnet!

00:03:13: Du lebst in Hamburg oder bist Vater von zwei erwachsenen Söhnen?

00:03:18: Barbara Schöneberger hat mir ein Album aufgenommen, das hieß jetzt singt sie auch noch.

00:03:23: Nachdem ich ja schon deine vielen Berufe aufgezählt habe ist mir so eingefallen... Jetzt schreibt er auch noch einen Buch!

00:03:30: Warum?

00:03:31: Aus Notwehr sozusagen.

00:03:34: Nee, ich schreib' schon sehr, sehr lange.

00:03:35: Ich schreib genau genommen meine erste Geschichte hab ich geschrieben als ich acht Jahre alt war.

00:03:39: Mein Bruder lag im Krankenhaus und ich wollte dass er was zu lesen hat und hab eben eine Geschichte geschrieben Und seitdem schreibe ich in unterschiedlichen Darreichungsformen.

00:03:47: Also sei es eine Kurzgeschichte, womit ich angefangen habe oder später dann Theaterstücke, dann Drehbücher und mein ersten Roman hab' ich tatsächlich deshalb geschrieben weil ich an diesem Projekt so wahnsinnig lange gearbeitet habe sehr sehr lange recherchiert habe genau genommen zwölf Jahre lang.

00:04:05: ursprünglich sollte das ne Streaming Serie für Sky werden und Sky ist irgendwann aus der Produktion von deutschen Fernsehenhalten ausgestiegen.

00:04:15: Und dann habe ich entschieden, ich hab dieses Riesenmaterial liegen – jetzt muss diese Geschichte erzählt werden in welcher Form auch immer!

00:04:22: Dann habe ich zum ersten Mal einen Roman geschrieben.

00:04:24: Das war ganz spannend weil ich eigentlich ziemlich gut bin im Schreiben von Theaterstücken und Drehbüchern, weil die sehr stark auf Dialogen basieren.

00:04:34: Und das ist im Roman eben ganz anders Und deshalb war es für mich ganz spannend, ob ich das überhaupt hinkriege.

00:04:39: Aber ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und ich freue mich, dass sich ein Verlag gefunden hat.

00:04:45: Ein Hamburger Verlag der das jetzt rausbringt.

00:04:48: Wie viel Selbstbewusstsein muss man denn haben oder Mut?

00:04:51: Dass man sagt naja ... Der andere Krams ist mir auch geglückt.

00:04:55: Jetzt schreibe ich noch einen Buch.

00:04:56: weil also ich kenn ja, weil ich ja selber als Journalist gearbeitet habe, jeder Journalist will eigentlich ein Buch schreiben die wenigsten schreiben dann eins können dann vielleicht mal im Selbstverlag was rausbringen, aber du hast einen tollen Verlag hier aus Hamburg.

00:05:12: Den Junius-Verlag den kann man hier mal nennen weil ich selber großer Fan davon bin von den Büchern.

00:05:18: die haben unter anderem auch dieses herrliche Buch zu Daniela Bar gemacht und über die Punkmusik in Hamburg usw.

00:05:25: Aber wie ist es bei dir?

00:05:27: Also fängt man einfach an und denkt so ja läuft oder Googelt man den ganzen Tag und guckt so, wie geht das jetzt?

00:05:36: Und was muss ich jetzt machen?

00:05:38: Also das bringt sich ja nicht alle selber bei.

00:05:40: Ich hab ChatGPT gefragt, wie schreibt man Roman?

00:05:43: Was braucht man dafür?

00:05:44: Das gab's vor zwölf

00:05:46: Jahren noch nicht!

00:05:47: Nee aber den Roman habe ich später angefangen.

00:05:48: also das Material habe ich früh angefangen zu erarbeiten und den Roman hab' ich dann geschrieben.

00:05:53: nach Ansage von ChatGPP braucht man um einen Roman schreiben zu können ein Computer eine Tastatur dachte ich Mensch Und dann habe ich das geschrieben.

00:06:03: und ob das jetzt tatsächlich ein guter Roman geworden ist oder ob ich das im Vorfeld habe wissen können, sei mal dahingestellt.

00:06:11: Grundsätzlich ist bei jeder kreativen, bei jeder Künstlerischen Arbeit ja das scheitern immer eine Option.

00:06:17: Das heißt bei jedem Theaterstück selbst wenn ich seit thirty-fünf Jahren Theater mache kann es sein dass nächstes Theaterstuck der totale Rohrkrepierer wird.

00:06:25: Da muss man sich als Künstler darauf einstellen.

00:06:27: Und die Angst vor dem Scheitern, die darf nicht da sein oder sie darf einen nicht überwinden sozusagen und ich habe es einfach gemacht und hab dabei wahnsinnig viel Freude gehabt.

00:06:42: Die Wache XVI nachdem der Rumania betitelt ist, da ist heute kein Polizeirevier mehr sondern das Hotel Commodore gegenüber dem Milantorstadion.

00:06:53: Dein Vater war Polizist und du selbst in der Pank Szene unterwegs.

00:06:57: Seid ihr euch da mal nicht nur am Frühstückstisch verbal aufeinander getroffen, sondern vielleicht auch ... Du auf der Demo und er quasi in der Polizistenreihe die irgendwas geschützt oder begleitet haben?

00:07:11: Nee also in Einsätzen direkt sind wir uns nicht begegnet aber wir sind uns tatsächlich im Viertel oft begegnete weil ich hab im Carolineviertel gewohnt.

00:07:17: das war quasi ein Teil des Reviers meines Vaters in der sechzehn Und insofern konnte das schon passieren, dass ich mit meinen Punk-Kumpels über die Straße marodiert bin und er mit den Streifenwagen vorbeigekommen ist.

00:07:30: Wir uns dann gegrüßt haben und wir hatten ein gutes Verhältnis zueinander.

00:07:34: Das war manchmal ein bisschen irritierend für meine Freunde und seine Kollegen aber ja ... War so ein bisschen Romeo und Julia zwischen Vater und Sohn.

00:07:44: Wenn

00:07:44: man auf der Straße gelebt hat damals, dann hat man sich wahrscheinlich nicht ... gänzlich korrekt verhalten immer im gesetzlichen Sinne.

00:07:53: Hast du das Gefühl gehabt, dass du da eine Sonderbehandlung hattest und keine Ahnung Kollegen von deinem Vana mal zur Seite geguckt haben?

00:08:00: oder bist du tatsächlich nie mit der Polizei in Berührung geraten?

00:08:05: Doch ich habe natürlich immer mal wieder Polizeigeschichten gehabt, selber auf irgendwelchen Demonstrationen wo ich auch keine besonders guten Erfahrungen mit Polizisten gemacht habe.

00:08:12: Aber ich hab eben auch sehr tolle Erfahrung gemacht!

00:08:14: Ich erinnere mich an eine Situation wo ich zwei Musiker beauftragte auf dem Geburtstag meines Vaters eine Musiknummer zu spielen und damals hatten die ihre Instrumente noch im Auto und die Türen zugemacht und der Wagen war zu und sie kam dann nicht mehr ran.

00:08:30: Und dann habe ich in der Wache Sechzehn angerufen und hab den Kollegen gesagt, ja, Walter hat heute Abend eine große Party.

00:08:36: Die Musiker kommen nicht an ihre Instrumente.

00:08:38: Könnt ihr mal kommen?

00:08:38: Könntet ihr da irgendwas

00:08:39: machen?".

00:08:41: Dann kamen Streifenwagen zu uns und sagten so das ist euer Auto, es war wirklich eures!

00:08:45: Ja, er ist unser.

00:08:46: Er sagte, dreht euch mal um.

00:08:48: Dann haben wir uns umgedreht und machte das Klack am Wachen vor Offen.

00:08:52: Wir wussten nicht wie er's gemacht hatte.

00:08:54: Das war ganz toll.

00:08:55: Ich fand die irgendwie cool.

00:08:58: Herrlich... Gibt es denn Dinge, die du in deiner Jugend gemacht hast, die deine Eltern bis heute nicht erfahren haben?

00:09:05: Du könntest jetzt mal... Ich bin ja auch hier so ein Weichtstuhl quasi.

00:09:09: Also sagen wir mal so ich habe schon sehr wilde Sachen gemacht und vieles davon war auch nicht zwingend legal.

00:09:16: Das

00:09:16: ist jetzt sehr ungefähr.

00:09:18: Ja also Eine Geschichte kann ich erzählen.

00:09:21: Also Mord verjährt ja nicht, das solltest du nicht erzählen aber alles andere ist glaube schon vorbei?

00:09:26: Nein wir hatten zum Beispiel einen Biolärer an der Schule, der Versuche gemacht hat mit Meusen also Verhaltensforschung.

00:09:33: und was passiert wenn man einer Mäusemutter die Kinder wegnimmt und sie auf die andere Seite eines Labyurins legt?

00:09:39: wie lange braucht die Mutter die Kinder zurückzuholen und wie oft macht sie das wenn man das ständig wiederholt?

00:09:45: Und wir saßen im Unterricht und dachten hatte irgendwie ein Schuss was los mit dem Typen.

00:09:49: Und dann sind wir nachts in der Schule eingebrochen und haben diese Mäuse befreit.

00:09:53: Haben quasi fünf Käfige mit Mäusen aus diesem Bioraum rausgeholt, das ist mittlerweile verjährt, deshalb darf ich das sagen.

00:10:00: Es war auch sofort klar dass wir das waren also meine Kumpels und ich.

00:10:03: Wir sind dann sofort zum Direktor berufen worden und haben aber alles geleugnet Und wir sind in derselben Nacht noch mit diesen Mäusekäfigen ins Schanzenviertel gegangen und haben uns damals noch im Stairways, glaube ich, junge Frauen gesucht den wir diese Mäise geschenkt haben.

00:10:18: Die fanden das total toll!

00:10:19: Den haben wir die mitgegeben... Also

00:10:20: statt Blumen?

00:10:22: Ja, wir konnten ja nicht behalten weil wenn die Polizei zu uns gekommen wäre, wären natürlich doof, wenn sie die Mäuser gefunden hätten.

00:10:27: aber wir haben denen die Geschichte erzählt, die fanden es super und solche Sachen sind öfter mal passiert.

00:10:33: Wir kommen ins Hier und Jetzt von Hamburg, nämlich zu deinen Lieblingen.

00:10:36: Und das ist unsere Schnellfrage-Runde?

00:10:38: Also bitte ich um kurze Antworten!

00:10:41: Welches ist dein Lieblingsflohmarkt in Hamburg?

00:10:44: Flohmarkt Simrockstraße – weil ich wohne an der Simrockstrasse und es ist super.

00:10:47: Man kann sein Zeug direkt vor die Tür stellen, muss nicht lange aufbauen und hat keinen langen Anreiseweg.

00:10:53: Welches is deine Lieblinkskneipe?

00:10:56: Hab' ich nicht mehr….

00:10:57: Das war früher die Marktstube im Karolinviertel.

00:10:59: Mittlerweile ist meine Lieblinskneipe McFitt-Oatmarschen

00:11:03: Wow.

00:11:04: Welches ist dein Lieblingsmuseum in Hamburg?

00:11:08: Aber ich würde sagen das Auswanderer Museum, das fand ich jetzt richtig cool!

00:11:12: Das hat mir gut gefallen.

00:11:13: Ha ha!

00:11:14: Welches is dein Lieblingsviertel in Hamburg und welches ist ein Lieblingskino in Hamburg?

00:11:20: ?

00:11:21: Das Elbekino.

00:11:22: Das habe ich mal gemietet und hab da zu meinem Geburtstag mit all meinen Freunden mein Lieblinsfilm Magnolia geschaut.

00:11:28: Das war super

00:11:30: wo die Frösche vom Himmel

00:11:31: fallen

00:11:32: Mehr weiß ich ehrlich gesagt

00:11:33: nicht mehr.

00:11:34: Ist von Paul Thomas Andersen, der jetzt gerade den Oscar gekriegt.

00:11:37: Ich weiß nicht für Magnolia vielleicht auch aber Wahnsinnsfilm, Wahnsinskino!

00:11:44: Bevor es gleich weitergeht mache ich kurz Werbung für unseren Kooperationspartner die Zeit.

00:11:49: In meinem Morgen starte ich gern mit der Elbvertiefung, dem kostenlosen Newsletter von Zeit Hamburg.

00:11:54: Der kommt ab jetzt im neuen Look zu euch!

00:11:56: Von Montag bis Freitag morgens um sechs Uhr direkt ins E-Mailpostfach.

00:12:01: Alle Infos findet ihr auf zeit.de.

00:12:03: slash elbvertieffunk.

00:12:05: Und

00:12:05: noch mehr Zeit Hamburg bekommt Ihr im Hamburg-Ressort auf zeitpunkt.de.

00:12:09: Slash Hamburg.

00:12:11: Rheinschaun lohnt sich.

00:12:13: Das war Werbung.

00:12:14: Herzlichen Dank.

00:12:18: Ich bin ja kein Hamburger und bin schon über das Wort Mümmelmannsberg gestolpert.

00:12:25: Wenn man da aufwächst, weiß man was das eigentlich bedeutet?

00:12:29: Ich glaube ich wusste es damals nicht!

00:12:30: Lustigerweise ist das ja so ein Synonym für einen Hamburger Hochhausgetto... ...und in München heißt das Hasenberge.

00:12:37: Und das passt ja irgendwie ganz gut.

00:12:38: Also es wird wohl immer nach Hasen benannt keine Ahnung.

00:12:44: Also man romantisiert natürlich immer Kindheit und Jugend sehr schnell.

00:12:50: Findest du da auch schon jetzt Abgründe irgendwie in deiner Jugend- und deiner Kindheit, wenn man das in den Hochhochschluchten aufwächst?

00:12:58: Das war ja damals schon ein sehr vernachlässigter Stadtteil.

00:13:02: Absolut

00:13:02: und das waren mir aber auch damals als Jugendlicher schon klar, also ich habe mich wirklich gefragt wie kann man Achtzigtausend Leute auf einen Haufen werfen in einem Wohngebiet wo es überhaupt keine Infrastruktur gibt?

00:13:12: Also es gab keine Jugendtreffs oder erst viel später Es gibt kaum Läden.

00:13:17: da gab damals natürlich noch keine U-Bahn Und das war sehr vernachtlässigt worden dieses Viertel und dementsprechend hart war der Umgang auf der Straße.

00:13:28: Hat dich das?

00:13:29: Ja, natürlich hat dich das geprägt.

00:13:31: Aber wo kommt das vielleicht heute noch durch?

00:13:33: Hast du ein bisschen mehr Ellenbogen-Einsatz als andere Schauspielerkollegen?

00:13:39: Joa!

00:13:40: Ich glaube wenn mir jemand dumm kommt kann ich sagen... Du, ich komme aus Müllemannsberg.

00:13:43: Pass mal ein bisschen auf ne?

00:13:44: Ja!

00:13:45: Ruckzuck fresse dick!

00:13:50: Wo war denn so der Punkt wo du gesagt hast okay ich werde genauso spießig wie meinen Vater Und wer hat jetzt Schauspieler?

00:13:56: Also, ergreife ein Lehrberuch.

00:13:59: Weil ich fürchte viele deiner Zeitgenossen und Zeitgenossinnen haben wahrscheinlich nicht mal eine Lehre geschafft ne?

00:14:07: Du meinst aus der Punk-Szene oder wie?

00:14:10: Ah da trennt sich ja die Spreu vom Weizen sozusagen.

00:14:13: also wir waren ja viel in der Marktstube im Karolinviertel und das war eine wilde Zeit Anfang Mitte der achtziger Jahre inklusive Drogen aller Art.

00:14:23: Manche Leute kommen da gut raus und schaffen es eine Ausbildung zu machen, ihr Leben zu leben.

00:14:28: Und manche fallen dann leider so an den Seiten runter.

00:14:31: Das gibt's ja immer.

00:14:32: Ich glaube das ist sehr individuell wie man mit seinen Lebensumständen und seiner Herkunft umgeht und was man draus macht.

00:14:40: Jetzt warst du ja mehr auf dem Karofittel oder im Karofittel unterwegs aber wir haste den Kiez also auch das ganze Gebiet Schanze Reeperbahn usw.

00:14:48: damals erlebt.

00:14:51: Es gibt ja mittlerweile auch einige Verfilmungen darüber, die sich aber vor allen Dingen auf die Themen Zuhälter Prostitutionen und Mord- und Totschlag konzentrieren.

00:15:00: Wie hast du das erlebt?

00:15:01: War das für dich auch irgendwie so eine Art Gefahrengebiet oder...

00:15:05: Das ist es natürlich!

00:15:06: Das ist bis heute.

00:15:08: Sankt Pauli ist nicht so ganz ohne.

00:15:09: Ich habe damals nicht nur im Karolinviertel gelebt sondern später dann noch in der Heienheuer Straße also quasi direkt bei der Reeperbahn.

00:15:17: Und das war ne wilde Zeit, das waren wildes Viertel.

00:15:20: Und da gab es zum Beispiel die Situation, dass ich im ersten Stock wohnte und hatte nur eine Matratze auf dem Fußboden liegen.

00:15:27: Unter unserer Wohnung war ein Waschcenter, die hatten die Boxen in der Decke... ...und ich wurde jeden Morgen um sechs geweckt mit Radio Hamburg!

00:15:35: Dann bin ich runtergegangen und der Besitzer des Waschcenters hatte nebenan auch noch einen Hundefutterladen.

00:15:42: Da habe ich immer Futter für meinen Hund gekauft.

00:15:44: und dann bin ich zu ihm gegangen und hab gesagt du die Boxe in der Decke das ist keine gute Lösung.

00:15:49: Und das habe ich ihm glaube ich dreimal gesagt.

00:15:51: und beim vierten Mal, beim vierte Morgen wo ich um sechs aufgewacht bin wegen dieser scheiß Radiusstimme in meinem Ohr unter meiner Matratze.

00:15:59: Bin ich runtergegangen hab die Boxen aus der Decke gezogen und die Kabel durchgeschnitten.

00:16:03: Und just in dem Moment wo ich fertig war kam er in seinen Waschzentren und sagte guten morgen nicht so ohrgutenmorgen!

00:16:09: Und am Nachmittag als sich dann wieder Hundefutter bei ihm kaufte sagt er dass was du mit den Boxen na?

00:16:14: Und hab' ich gesagt ja das war ich.

00:16:16: Und hat dann gesagt okay alles klar Und das war echt Kiez, weil man dachte jetzt gibt es richtig auf die Fresse.

00:16:23: Aber er hat das eingesehen dass ich ihm das ja schon dreimal gesagt habe und dann halt gesagt... Es wurde

00:16:28: auch nicht ausdiskutiert?

00:16:29: Nein!

00:16:30: Das war

00:16:30: völlig klar, dass ich irgendwann reagieren muss, weil ich sonst mich zum Kaspar mache.

00:16:34: Und das ist glaube ich Kiez in gewisser Weise noch immer.

00:16:38: Jetzt wird ja immer darüber gesprochen wie sehr sich vor allen Dingen.

00:16:41: also wir erleben das hier in der Chance, wie sehr sie sich die Chance geändert hat.

00:16:45: Welche Veränderungen sind denn für dich so am krassesten, außer dass es deine geliebte Marktstube nicht mehr gibt?

00:16:53: Ja also ich finde das immer ein bisschen schwierig so den alten Zeiten hinterher zu weinen.

00:16:57: Weil im Karo Viertel oder in der Schanze gab's echt auch jahrelang noch Wohnung mit Holzofen und... Toilette auf dem Flur und so.

00:17:08: Auch schlimme Sachen, wo ich gar nicht traurig bin, dass diese Sachen modernisiert werden.

00:17:12: Ja auch Leute die links sind oder was auch immer haben ja Bock auf eine geile Wohnung und Schamann zu leben.

00:17:21: Und ich glaube das sich diese Subkultur, die es immer noch gibt im Karofittel, im Chancenviertel, dass sie sich halten wird egal was dazukommt... Aber

00:17:29: sie wird ja schon kleiner ne?

00:17:34: Ich weiß noch, als hier ein großer Burgerbräter aus Amerika in der Sterneschanze aufgemacht hat.

00:17:40: Da war an der Schanzenbrücke ein großes Plakat-Hupen gegen McDonalds und ich habe mit großer Leidenschaft wahlweise geklingelt oder auf dem Fahrrad gehupt und heute interessiert es gar keinen mehr dass ja wahnsinnig viele Kettenbetriebe hier in der SchANZE drin sind originellen und original irgendwie schade.

00:18:03: Aber offenbar scheint ja die Bewohner Bock zu haben auf McDonalds Burger, sonst würde der Laden hier nicht laufen!

00:18:09: Ich glaube da gehen nur Touristen hin?

00:18:11: Ja ich bin mir dann nicht so sicher.

00:18:14: Also sicher gibt es da Gentrifizierung, die manchmal auch zu kritisieren ist aber echte Kreativität und echtes anderes Leben sucht sich seinen Platz.

00:18:28: Jetzt musst du auf die Marktstube verzichten.

00:18:29: Worauf könntest du denn nicht verzichten?

00:18:32: Wo bist du froh, dass es das noch so gibt aus der alten Zeit?

00:18:38: Das Karolinviertel geht mir immer noch das Herz auf.

00:18:40: Aber das liegt möglicherweise auch daran ... wo irgendwie alles wild und neu ist, ja so von siebzehn bis Mitte zwanzig glaube ich.

00:18:50: Also da sind ganz, ganz viele Erlebnisse die ich mit diesem Viertel verbinde und wo viele Dinge zum ersten Mal in meinem Leben passiert sind... Zum Beispiel?

00:19:03: Den schmutzigen

00:19:03: Gedanken hast du jetzt!

00:19:05: Ja, also man kann sich hervorstellen was man als Jugendlicher in der Zeit so erlebt sei es in Liebesdingen, sei es was Feiern am Belangt.

00:19:13: Wir haben zum Beispiel eine geile Sache gemacht als Bader-Ehnhardt-Kommando.

00:19:17: Haben wir der Stadt Hamburg mal sieben Vorstellungen geschenkt, weil wie gesagt haben wir machen Theater nicht um Geld zu verdienen sondern nur um damit anzugeben.

00:19:25: und dann hatten wir eine Produktion die hieß Penetrant Arroganth Gottgesandt.

00:19:29: und die letzte Vorstellung haben wir in der Marktstube gespielt Knapp hundert Leute in einem Laden, wo sonst vielleicht fünfzig reinpassen.

00:19:38: Und das war eine Wahnsinnsveranstaltung und ich glaube alle die dabei waren haben es nicht vergessen.

00:19:44: Und diese Dinge sind natürlich in meiner DNS abgespeichert und deshalb geht bei mir sofort das Herz auch wenn ich ins Karo Viertel komme.

00:19:51: Als ich Mitte der neunziger nach Hamburg gekommen bin habe Ich immer wieder über das Baader Inhat Kommando gehört.

00:19:56: gesehen hab ich sie nicht.

00:19:58: Wie gut kannst du denn abschließen?

00:20:00: Ich meine Oasis ist letztes Jahr auch wiedergekommen.

00:20:03: Gibt es da noch mal eine Chance?

00:20:04: Ich sag mal, in abgewandeter Form habt ihr ja nochmal zusammen auf der Bühne gestanden.

00:20:08: Das kannst du ja gleich selber nochmal erzählen!

00:20:10: Naja also wir haben als Baader-Enerdkommando schon während der Schauspielschulzeit angefangen.

00:20:15: Also Ende der achtziger Jahre Anfang der neunziger... Und wir haben am Anfang sehr intensiv, sehr viel bundesweit gespielt.

00:20:22: Haben diverse Kabarettpreise bekommen und haben uns auch in sehr, sehr kurzer Zeit in Hamburg einen großen Namen machen können unter anderem deshalb weil wir sehr viel an Schulen gespielt haben.

00:20:32: Wir haben ein Stück gehabt zum Thema Klimakatastrophe Anfang der Neunziger.

00:20:36: da war das noch nicht so richtig ein Thema Und wir haben was sehr Wildes erzählt.

00:20:40: Ich habe so eine Art Terminator-Figur auf der Bühne gespielt mit groß kalibrieren Schusswaffen und wir waren unwesentlich älter als die jungen Leute im Publikum, wir haben vor Schülern der zehnten bis dreizehnten Klasse oder so gespielt und da haben wir ne Zeit lang jeden Vormittag vier bis acht hundert Jugendliche bespielt Und das führte dazu, dass in den Monaten danach unsere Abendvorstellungen auch immer total voll waren.

00:21:06: Das heißt jedes Theater war heiß aufs Bader-Inertkommando weil die sagten, die bringen junge Leute mit und das war eine coole wilde Zeit.

00:21:15: wir haben auch viel auf Demonstrationen gespielt sind verhaftet worden uns wurden Schläge angedroht auf der Straße was auch immer und trotzdem war nach anderthalb Jahrzehnten einfach die Luft raus.

00:21:25: da gab es auch viel Stress weil wenn man zu zweit unterwegs ist Gerade am Anfang haben wir uns noch Hotelzimmer geteilt, dann reist man zusammen.

00:21:33: Dann sitzt man zusammen in der Garderobe und man hat quasi nur den anderen und deshalb ist der andere auch immer die Projektionsfläche für jeden Ärger, den man so mit sich rumschleppt.

00:21:42: Und da haben wir nach anderthalb Jahrzehnten Schluss gemacht, haben uns aufgelöst als Bader-Ehnhardt-Kommando Einige Jahre später in dieser leicht gekürzt Variante nochmals zusammengespielt.

00:21:54: Das waren Stücke, die wir mit Jan-Christoph Scheibe zusammengemacht haben am Altona Theater.

00:21:59: Schillers sämtliche Werke, Goethe Sämtlichen Werke und Grimmssämtlicher Werke leicht gekurzt jeweils.

00:22:06: Und da habe ich mit dem Bader wieder zusammengearbeitet und dann haben wir später auch als Bader Ehnerdkommando nochmal den Duo Programm wieder aufgenommen der Weihnachtshasser Und insofern gibt es immer wieder neue Möglichkeiten, neu in neuen Konstellationen zusammenzuarbeiten.

00:22:21: Also ist nicht ausgeschlossen dass das Bad-Einhard-Kommando irgendwann im hohen Seniorenalter nochmal auf die Vergangenheit zurückblickt oder was auch immer macht.

00:22:30: Bist du denn eigentlich so ein... also ich glaube fast nur in Hamburg spricht man immer über die einzelnen Stadtteile.

00:22:36: da gibt's eine ganz komischen Patriotismus für bestimmte Stadtteilen.

00:22:42: Bist du da auch so ein richtiger Hamburger, der im Grunde gar nicht aus seinem Dorf rausgekommen ist?

00:22:46: Oder hat es dich irgendwann auch mal nach Raal steht oder keiner an einer Bergedorf verschlagen in deiner Jugend.

00:22:53: Also erstmal habe ich als Wohnort jede düstere Ecke in Hamburg mitgenommen.

00:22:57: Ich bin geboren in Harburg und dann bin ich aufgewachsen erst die ersten fünf Jahre glaube ich in Horm in der Böcklerstraße und dann sind wir nach Mümmelmannsberg gezogen, bis ich so siebzehn war.

00:23:09: Dann eben Karo Viertel, Reeperbahn... Und dann habe ich mich irgendwann in den Westen Hamburgs vorgekämpft.

00:23:14: Dann wurde ich besser dituiert und älter und seriöser und plötzlich wohnte ich dann in Eimsbüttel oder später in Ordnensein und jetzt wohne ich in Isarbrog wo man als Ältere her wohnt.

00:23:28: Ja, Bergedorf natürlich auch.

00:23:29: Also ich bin in meiner Jugend sehr viel unterwegs gewesen.

00:23:32: Bergedorff war ein wichtiges Pflaster bis heute für mich eine der Hochburgen unserer Theaterkunst.

00:23:38: da haben wir zum Beispiel als Bader-Enatkommando im Jugendzentrum Korachstraße vor krassen Punks gespielt die normalerweise mit Theater überhaupt nichts am Hut hatten und die haben wir voll abgeholt.

00:23:50: Und gleichzeitig war Bergedorf eben auch immer Hochburg der Rechten.

00:23:53: Also man konnte dann am Busbahnhof echt auch auf die Fresse kriegen von Skinheads und so, das war schon eine harte Zeit.

00:24:01: Verrückt!

00:24:02: Du hast gerade so ein bisschen.

00:24:04: ja bist du einmal durch die Stadt gekommen in deinen Stationen?

00:24:08: Wo würdest du denn gerne beerdigt werden?

00:24:11: Machst du hier schon mal Gedanken übers

00:24:12: Ende?!

00:24:13: Ich möchte den Ottensinn beerdigen... ich habe immer noch nicht den Friedhof mir angeguckt, das wollte ich die ganze Zeit schon aber mein Traum wäre Ottensin.

00:24:21: Also ich hab da so eine zwiespaltige Erhaltung zum Beerdigt werden.

00:24:25: Erst mal habe ich überhaupt keine Lust, beerdigt zu werden das ganz klar.

00:24:28: aber Ich finde auch So ein Grabmal zu haben an dem Friedhof wo denn alle immer hin müssen und sich dahin stellen müssen sagen Schade dass er nicht mehr Da ist und so das finde ich irgendwie auch ein bisschen viel verlangt.

00:24:39: Ja und deshalb habe ich mir gewünscht wenn ich begraben werde dann möchte ich kein Grabschneiden Haben Sondern so einen Holzbrett wo mein Name drauf steht.

00:24:46: Und Wenn Das weggerottet Ist Dann Muss Man Es Auch Nicht Erneuern.

00:24:50: Zeit vergangen, um es auch gehen zu lassen.

00:24:52: Und dann muss man nicht mehr zu irgendeinem Friedhof, um den Ehemann oder den Vater oder den Opa oder was auch immer ich sein werde, zu besuchen.

00:25:01: Irgendwann

00:25:02: ist mal gut!

00:25:03: Aber wo wir schon über solche Dinge sprechen hast du so etwas wie ein Testament?

00:25:08: Ja ja tatsächlich.

00:25:09: Ich habe nämlich selber die Not gehabt jetzt beispielsweise die Wohnung meiner Mutter ausräumen zu müssen.

00:25:15: Die ist noch nicht gestorben aber sie ist schwer dement und in dem Pflegeheim.

00:25:19: Und plötzlich stehst du ja vor den Dingen eines Lebens, die so ein Mensch hat und was denen wirklich wichtig gewesen ist.

00:25:26: Du kannst nichts damit anfangen.

00:25:27: Du weißt auch, du kriegst es bei eBay nicht verkaufen als will niemand haben aber für diese Person war das mal ganz wichtig Und dann selber entscheiden zu müssen, dass du diese Dinge entweder dem Sozialkaufhaus übermittelst oder wegwürfst zum Recyclinghof bringst.

00:25:41: Das ist schon nicht so ganz ohne und deshalb habe ich mir gedacht Ich würde gerne das meinen Söhnen ersparen.

00:25:46: Ich würde gern alles was ich nicht brauche sowieso schon mal wegtun Dass die wirklich nur noch einen Ordner haben wo ein Testament drin ist und Alles was sie brauchen um möglichst nervfrei durch diese Situation zu kommen.

00:25:59: und das hab ich im letzten Jahr sehr ausführlich einmal installiert sozusagen.

00:26:04: Ich habe einen Testament geschrieben, das muss man ja mal handschriftlich schreiben und ich hab eine Patienten-Befühlung und so... Also das Handschreiben?

00:26:12: Nein, man will sich auch gar nicht damit beschäftigen!

00:26:14: Das ist ja auch irgendwie blöd.

00:26:15: aber es ist so hilfreich für die Nachfolgenden, die sich mit diesem ganzen Murks und dem ganzen Auflösen einer Existenz beschäftigen müssen wenn man den da im Vorfeld ein bisschen zur Hand geht, das glaube ich ganz nett.

00:26:29: Ja wir kommen mal zu einer weiteren Rubrik und das sind die Fragen der anderen Leute.

00:26:36: Da wollen wir mal reinhören!

00:26:38: Hallo, Michael Ehnert hier ist Miss Alli.

00:26:40: ich bin Singer Songwriterin aus Hamburg und mich würde mir interessieren wann das letzte Mal jemand für dich gesungen hat?

00:26:48: Oh... Das ist.. Für mich persönlich gesungen weiß ich gar nicht.

00:26:54: Es ist ewig her.

00:26:56: Singt deine Frau nicht zum Geburtstag wenigstens?

00:26:59: Nein, wir singen ja zusammen auf der Bühne.

00:27:01: Also Jennifer und ich ... Meine Frau und ich haben diese Duo-Programme in unserem aktuellsten Programm.

00:27:07: Wir müssen reden.

00:27:08: Da haben wir tatsächlich ein Song, den wir schon immer mal performen wollten Anything I can do You Can Do I Can Do Better Und wir singt ihn auf Deutsch.

00:27:18: Das ist eben so der Rausschmeißer für die Pause.

00:27:21: Das ist irgendwie ganz witzig Obwohl ich gar nicht singe kann.

00:27:24: Jennifer kann deutlich besser singen als ich Also insofern singt sie es für mich, also vielleicht war das die Situation.

00:27:31: Hallo lieber Herr Enert!

00:27:32: Ich bin Julia Westleck, Moderatorin und ich würde gerne von Ihnen wissen welche Frage hören Sie am häufigsten?

00:27:40: Und welche vermissen Sie?

00:27:42: Wie lange ist du denn schon kein Fleisch?

00:27:45: Hör ich glaube ich sehe sie ja auch häufig... Was fehlt dir denn am meisten so?

00:27:55: Welche Frage wäre interessanter?

00:27:56: keine Ahnung vielleicht.

00:27:58: warum Ist du kein Fleisch.

00:28:00: Ich hab ja im Karolinviertel neben dem Schlachthof gewohnt und ich habe mir irgendwann mal live eine Schweinesschlachtung angeguckt, danach war einfach Schluss.

00:28:09: Und seitdem bin ich... Abrupt

00:28:10: Schluss quasi?

00:28:12: Ja also genau genommen war es so dass ich schon vorher Vegetarier war und wir haben dann quasi ne Projektwoche an der Schule gehabt und haben uns beim Schlachthof angemeldet als Haupt- und Realschüler auf der Suche nach einer Lehrstelle Und wir kamen zwar vom Gymnasium und hatten gar nicht vor, irgendwo eine Lehre zu machen.

00:28:30: Aber wir wollten in diesen Schlachthof rein und uns das mal anschauen.

00:28:34: Dann haben wir das gesehen und ich glaube wenn man das sieht dann erübrigt sich die Frage ob man das noch essen möchte oder nicht.

00:28:47: Wir wollen mal zu deinen Anfängen kommen als Schauspieler.

00:28:51: Wann merkt man denn als Punk, was ja in erster Linie jetzt kein Beruf ist und dann eine politische Haltung ein Lebensgefühl?

00:28:59: Dass man auch ein guter Schauspieler sein könnte.

00:29:02: Also gab's irgendwo so einen Schlüsselerlebnis wahrscheinlich Schultheater oder ähnliche Dinge.

00:29:08: naja punk muss ich dazu sagen.

00:29:11: Meine Freundin Susi hat mich immer als Ottoversand-Punk beschrieben, weil ich genau genommen sehr ordentlich und akkurat war.

00:29:18: Aber zwischendurch hatte ich dann ein Irogesenschnitt und Old Corpse Abastards auf meiner veganen Lederjacke stehen.

00:29:23: aber es gibt ja auch Punks die so Richtung Penner gehen und irgendwo so rumliegen und voll gekotzt sind und das war irgendwie nicht Mainz, irgendwie war ich Punk auch nicht, weiß ich nicht.

00:29:36: Was die Schauspielerei anbelangt natürlich habe in der Schule schon viel Theater gemacht, schon meine ersten Theaterstücke geschrieben, die ich dann da produziert habe mit Mitschülern.

00:29:45: aber ich glaube ein wichtiger Aspekt ist dass ich das Jüngste von vier Kindern bin.

00:29:54: also ich hab drei ältere Geschwister die alle sich so ihren Platz ihren Raum in der Familie erkämpft haben eine bestimmte Funktion hatten Und als Kleinstar ist man eben schon mal gar nicht der Stärkste, sondern man muss irgendwie eine andere Qualität entwickeln um mithalten zu können.

00:30:08: Ich glaube ich bin sehr schnell jemand gewesen der sich mit Worten bewaffnet hat und auch wenn meine Brüder stärker waren als ich konnte ihn immer noch einen Satz hinterher schieben der ihnen richtig weh getan hat.

00:30:20: Diese Lust an der Sprache die habe ich dann glaube ich in meinen Beruf mitgenommen.

00:30:25: Und jetzt lebst du das ja in alle Richtungen aus?

00:30:28: Wie kriegst du da Ordnung rein wann welches Talent wieder dran ist?

00:30:34: Das ist etwas, was man tatsächlich sehr lernen muss gerade als selbständiger Künstler.

00:30:39: Dass man eben nicht in die Situation kommt und sagt ja ich lass jetzt den Tag mal so auf mich zukommen und wenn mir danach ist dann mache ich irgendwie Kunst.

00:30:46: Insbesondere dann wenn man Kinder großzieht.

00:30:49: Als meine Kinder noch sehr klein waren da war klar Ich kann nur arbeiten von vier Uhr morgens bis sieben Uhr morgens.

00:30:56: Danach ist Schluss Und das ist eine harte Zeit gewesen.

00:31:00: Wenn man also Kinder großziehen möchte, nebenbei noch irgendwie ein Geld verdienten Job hat und dann noch Kunst machen möchte, da muss man sich sehr, sehr disziplinieren.

00:31:10: Und irgendwann konnte ich auch arbeiten wenn die Kinder in der Schule sind.

00:31:13: aber dann muss man eben ganz konkret kreativ sein zwischen acht und drei zehn Uhr.

00:31:19: Das ist etwas was man als Künstler so erstmal nicht lernt.

00:31:22: Aber das muss man an trainieren.

00:31:24: Warum eigentlich von vier bis sieben Uhr?

00:31:26: Warum konntest du denn nicht warten, bis die Kinder im Kindergarten sind.

00:31:29: Also vier Uhr wär für mich ja die Hölle!

00:31:31: Ja ist es auch absolut... Nein ich erinnere das nur dass wir ein Urlaub zusammen hatten.

00:31:36: und dann geht's natürlich darum eigentlich soll man einen Urlaub machen und professionelle Künstler haben alle Arbeiten erledigt.

00:31:42: Ich hatte das oft nicht.

00:31:43: Ich war mit meiner Familie im Urlaub Und musste noch irgendwelche Stücke schreiben als Auftragsarbeit fürs Düsseldorfer Kommötchen oder für die Lach-und Schießgesellschaft in München.

00:31:53: Und dann war klar, um sieben Uhr sind die Kinder wach und dann gehört der Tag denen.

00:31:57: Und der Mutter.

00:31:59: Das heißt ich muss dann auch voll da sein und dann war irgendwie klar die einzige Zeit, die es gibt weil wenn du den ganzen Tag mit Kindern unterwegs bist, die um einundzwanzig Uhr schlafen, dann bist du auch komplett am Ende.

00:32:09: Das heisst abends zu arbeiten war keine Optionen und deshalb blieb nur um vier Uhr aufstehen und bis sieben arbeiten.

00:32:17: War's eigentlich ... früher viel einfacher mit seinen Multitalenten auch erfolgt zu haben.

00:32:21: Also einfach Theaterstück, das hört sich alles so einfach an bei dir!

00:32:26: Ich sitze hier und kriege Feißausbrüche wenn ich denke, ich sollte fünf gerade Sätze für einen Theaterstuck schreiben.

00:32:32: Das ist eine große Leichtigkeit, so ist es ja aber doch nicht gewesen.

00:32:36: Ist es trotzdem damals einfacher gewesen als heute?

00:32:39: Also kannst du Leuten Mut machen die auch mit siebzehn und gefärbten Haaren und in einer Seite wegrasiert sagen So jetzt würde ich ein Theaterstuk schreiben.

00:32:48: Es gibt ein Buchbriefe von Rainer Maria Rilke an einen jungen Dichter und der stellt ihm die Frage oder sagt ihm, stell du dir die Frage ob du wirklich schreiben musst.

00:33:02: Und wenn du diese Frage mit Ja beantwortest dann schreib ansonsten schreib nicht.

00:33:07: Und ich hab wirklich den Eindruck, ich muss schreiben.

00:33:10: Man kann mich mit meinem Laptop und einem Tasse Kaffee über ... oder noch länger und mich irgendwo für drei Wochen in der Berghütte absetzen.

00:33:19: Mir wird nicht langweilig, mir wird nicht einsamen.

00:33:22: Ich schreibe ... Wilhelm Grimm hat immer gesagt, ich geh in meinem Kopf spazieren.

00:33:26: Der hatte es verweigert, spazierend zu gehen mit seiner Schwägerin.

00:33:30: Der wollte das nicht und sagte, ich brauche das alles nicht.

00:33:34: Und schwer ist dieser Job.

00:33:39: Ich glaube, das hat nicht so sehr mit der Zeit zu tun sondern auch mit Deutschland.

00:33:45: also ich glaube dass es andere Nationen gibt wo Künstler in ihrer Vielseitigkeit eher geschätzt werden und in Deutschland habe ich den Eindruck geht es sehr stark um.

00:33:55: hast du denn dafür auch eine Ausbildung gemacht?

00:33:57: Hast Du denn ein Diplom?

00:33:59: darfst du das denn überhaupt machen?

00:34:01: und jetzt entscheide dich doch mal wieso bist du denn Drehbuchautor und Schauspieler?

00:34:05: offenbar Ist dir das ja nicht ganz klar, was du bist?

00:34:09: Und ein Künstler in seiner Gesamtpersönlichkeit zu erkennen.

00:34:12: In seinen unterschiedlichen Spielarten... Das ist glaube ich viel spielerischer in Amerika oder in Frankreich.

00:34:18: In Deutschland ist es eben entscheidend dich und ansonsten können wir dich nicht einordnen.

00:34:24: Wir wissen gar nicht, in welche Schublade wir die stecken sollen!

00:34:27: Wie waren denn so die Gespräche mit deinen Eltern?

00:34:29: Ich könnte mir vorstellen, dein Vater hat eher das Gefühl gehabt vom Regen in die Traufe.

00:34:33: Also von der Straße im irgendeine Kulturtempel.

00:34:36: Das war doch wahrscheinlich eher befremdlich damals auch so vom Verständnis eines ordentlichen Jobs.

00:34:43: Nee tatsächlich nicht!

00:34:45: Könnte man erwarten dass das ein großer Konflikt gewesen sei zwischen ihm und mir?

00:34:50: aber er hatte sehr unterstützt.

00:34:52: also er hatte selber keine Ahnung davon Von Kultur wusste wirklich nichts damit anzufangen.

00:34:58: Und ich erinnere noch, dass er ... Er ist aufgewachsen in der Washington Allee im Horn und da hat er Fußball gespielt vor der Tür mit Helmut Griem, den bekannten Schauspieler, der später ganz bekannt wurde und Cabery gemacht hat.

00:35:12: Immer wenn ich meinem Vater irgendetwas erzählte als junger Mann und sagte, ich geh jetzt auf eine Schauspielschule, dann sagte der erst mal ja das ist toll!

00:35:18: Ich hab ja mal mit Helmut Griem Fußball gespielt.

00:35:20: Und dann sagt er, ich habe mein erstes Theater-Engagement in Dortmund zwei Jahres vertragen.

00:35:25: Ja das ist ja super toll!

00:35:27: Der Helmut Griem hat ja auch viel Theater gemacht und es war immer Helmut griemen, Helmutgriemen... und ich kam schon nicht mehr vorbei und ich hatte mir so sehr gewünscht dass ich eines Tages mal Dreharbeiten mit Helmut Greem gehabt hätte um quasi einem Film aufzutauchen neben dem damit meinen Vater mich endlich als vollwirtigen Künstler akzeptiert.

00:35:48: Aber mein Vater ist gestorben und Helmut Grimm ist gestorsen.

00:35:51: Zu einer Zusammenarbeit ist es leider nie gekommen.

00:35:54: Jetzt muss man ja einfach noch mal ein paar Jahre zurückgehen, denn Kultur ist auch heute überall verfügbar!

00:36:00: Also du kannst dir auf dein Handy, kannst zu dir Übertragungen aus der Metropolitan Opera in New York holen.

00:36:07: wie auch immer... Wie kommt man denn überhaupt mit Kultur in Berührung?

00:36:10: Wenn man im Miriamans Berg aufwächst weil im Grunde also das muss man einfach nachvollziehen, dass war in den Siebziger-Achzigern doch nochmal eine ganz andere Nummer.

00:36:18: Also ich weiß gar nicht, gab es ein Theater?

00:36:21: Gab's da einen Stadtteilzentrum, wo möglicherweise ne Bühne war?

00:36:24: Nee das gabs da alles nicht!

00:36:25: Das wäre schön gewesen.

00:36:27: Nein, als kleines Kind, als Junge sobald ich lesen konnte wahnsinnig viel gelesen also angefangen mit Michael Ende und Astrik Lindgren unsere Sachen die man einfach liest als kind und super findet Und dann ging das immer, immer weiter.

00:36:42: Ich hab von Theater genau genommen überhaupt keine Check-On gehabt.

00:36:46: Ich war eigentlich eher in Filmfreak.

00:36:47: Ich habe viel Fern gesehen und hab da natürlich auch alte Filme gesehen wie zwölf Uhr Mittags oder irgendwelche anderen Klassiker.

00:36:57: Als ich an die Schauspielschule gekommen bin, waren meine einzigen Theatererlebnisse, die bis zu dem Zeitpunkt gehabt haben, dass Onsorgtheater im Fernsehen, was ich ab uns schon mal gesehen hab ... was uns vorgespielt wurde und mehr Ahnung von Theater hatte ich nicht.

00:37:13: Und das führte dazu, dass mein gesamtes schauspielerisches künstlerisches Leben eigentlich auf Film ausgerichtet war.

00:37:20: Jetzt war ich plötzlich an der Schauspielschule die ganz viel Wert auf Theater liegte auf die Bühne gestellt hab, waren die Leute echt verwirrt und haben gesagt was ist denn das?

00:37:32: Was ihr da macht.

00:37:33: Weil das war nicht klassisches Theater, das war auch nicht Kabarett, das War auch nicht Comedy!

00:37:38: Wir haben immer gesagt es is ne Mischung aus Theater-Kabarett-Comedy und Schusswaffenverkaufsmesse weil wir eben auch viel geschossen haben auf der Bühnen, weil der Erfolg eines Stückes hängt davon ab ob und wieviel auf der bühne geschossen wird.

00:37:49: Das war uns damals schon klar Und es war eine sehr eigene Art.

00:37:53: und bis heute ist meine Art Theater zu machen etwas wo Leute kommen und sagen ich habe so was noch nicht gesehen.

00:38:00: Und das liegt daran, dass ich quasi angefangen hab Theater zu machen zu einem Zeitpunkt wo ich noch keine Ahnung von Theater hatte.

00:38:08: mittlerweile kann ich Theater sehr viel genauer analysieren und deschiffrieren.

00:38:12: aber ich liebe es immer noch bestimmte Momente zu haben wo ich sage Da lass ich meinem nicht-wissenfreien Lauf, einem Dilettantismus.

00:38:20: Also eine gewisse Form zu lassen, wo man eine Lücke lässt und sagt das weiß ich nicht genau wie man das macht keine Ahnung Ich fange jetzt mal an zu singen kann ich eigentlich gar nicht Und Tanz wollten wir auch noch machen kann ich auch nicht.

00:38:31: aber mache ich und dass ist irgendwie für mich immer ein großer Reiz.

00:38:36: Jetzt müssen wir eine Lücke noch schließen wo du gerade von Lücke sprichst der normale Ablauf einer Schauspielerkarriere is.

00:38:43: Man schafft eine dieser vielen Prüfungen und kommt dann an einer Schauspielschule.

00:38:48: Man wird dort drei Jahre gebrochen, wieder zusammengesetzt sozusagen.

00:38:54: Klischeehaft weiß man ihr könnt euch bewegen wie Affen irgendwie vom Tisch bringen usw.

00:39:00: Und so fort.

00:39:01: Dann geht man irgendwo an einen Stadttheater was natürlich immer in der Sage nach etwas ganz Besonderes ist egal ob es Kassel Göttingen oder was auch immer ist.

00:39:12: In der Bio sieht das dann später, wird es dann immer nochmals hervorgehoben wie toll und wichtig diese Jahre waren.

00:39:20: Bei dir hört sich das gerade so an?

00:39:22: Ja ich habe dann einfach selber Theaterstücke geschrieben.

00:39:24: hat man die jemals auf einer?

00:39:26: Also in der Ausbildung ja schon, aber hat man dich jemals auf einer Publikumsbühne im zerbrochenen Krug gesehen oder Hamlet?

00:39:34: Ja vergleichbar.

00:39:36: Mein erstes Stadttheater-Engagement waren Weihnachtsmärchen in Bremen.

00:39:40: das war für mich damals schon ein Riesenritt zu sagen oh von Hamburg nach Bremen und so.

00:39:44: und ich verlass meine Stadt Wahnsinn!

00:39:46: Und dann war ich da glaube ich vier Monate... Das ist heute natürlich alles nicht mehr.

00:39:52: Und dann habe ich mein erstes Engagement gehabt am Theater Dortmund und da hab' ich dann Brecht gespielt.

00:39:58: Und Goethe, später bin ich ans Residenztheater nach München gegangen, hab' da Marivoh gespielt ... verschiedene Sachen mit sehr großen Regisseuren und Regisseurinnen zusammengearbeitet.

00:40:11: Und gerade das Resi in München ist ja auch eine Riesensprungbühne eigentlich!

00:40:16: Aber Ich hab mich da nicht wiedergefunden.

00:40:18: Ich hatte einen Zweijahrsvertrag in München und bin nach einem Jahr zum Intendanten gegangen, habe gesagt ... ich kann das nicht mehr!

00:40:25: Ich guck nur noch auf's schwarze Brett was ich als nächstes spiele und keiner fragt mich ob ich das toll finde und wie ich es eigentlich machen möchte sondern ich bin hier sehr stark Kanonfuttererfüllungsgehilfe gesichtsseltener und ich würde gerne selber mehr kreativ sein.

00:40:42: Und dann hat er gesagt ja verstehe ich was machst du stattdessen?

00:40:44: Dann habe ich gesagt Ich hab'n Auftritt mit meinem Kumpel Bader im Jugendzentrum Korachstraße.

00:40:50: Und da hat er sich natürlich einen Kopf gefasst.

00:40:52: und so, ja ... Okay, wenn du meinst, du musst das so machen!

00:40:56: Jetzt würde ich als älterer Schauspieler im Nachhinein sagen, Mann, wenn Du am Resi geblieben wärst all die Leute, die damals in dem Ensemble waren haben dann riesig groß gespielt – am Burgtheater oder große Dreharbeiten gemacht.

00:41:11: Trotzdem war's Auch im Nachhinein total richtig das zu machen und meine eigene Kunst zu schaffen.

00:41:18: Und genau genommen lebe ich jetzt seit thirty-fünf Jahren von den Sachen, die ich mir ausdenke... ...und dass ist der größtmögliche Erfolg, den ich mir eigentlich nicht vorstellen kann!

00:41:29: Von meiner Kunst, von all dem was mich richtig Spaß macht, was mich antreibt Leben zu können.

00:41:36: Wo

00:41:37: bist du in das erste Mal Chris Hambar oder wenn wir gelaufen eigentlich?

00:41:40: An der Schauspielschule?

00:41:41: Der war vorher an der Stage School of Dance and Drama, also mehr so eine Musical-Bühne.

00:41:46: Der wollte mehr Richtung Schauspiel, kam dann zu uns und ich hab zu dem Zeitpunkt schon Straßenteater gemacht zum Beispiel für die Umweltbehörde damals weil sie gesagt haben Sie verteilen es Flyer zum Thema Klima ist interessiert aber niemanden und sie bräuchten jetzt mal jemand der sich so richtig zum Affen macht und dafür sorgt dass Leute stehen bleiben.

00:42:04: das habe ich gemacht und der Bader hat das gesehen Straßenmusik gemacht und dann haben wir entschieden, hey!

00:42:11: Wir wollen sowas zusammen machen.

00:42:13: Wir wollen politisch aktiv sein, wir wollen Spaß haben, wir wollten Kunst zusammenmachen und wir machen bewaffneten Humor, war der

00:42:20: Innertkommando.".

00:42:23: Mit Humor haben unsere Fragen jetzt erst mal nix zu tun in der nächsten Rubrik, Wissenswert ist und jetzt kommst du.

00:42:28: Ich verkünde ein paar Fakten über Hamburg und dann finden wir eine persönliche Frage für dich dazu!

00:42:33: Die Hamburger Speicherstadt ist der weltweit größte historische Lagerhauskomplex.

00:42:38: Seit Juli Zwei-Tausendfünfzehn gehört sie zusammen mit dem benachbarten Kontorhausviertel zum UNESCO Welterbe.

00:42:44: Wann hast Du das letzte Mal eine Bakassenfahrt

00:42:46: gemacht?

00:42:49: Das weiß ich nicht mehr, ich glaube einen Freund hat meine Bakasse gemietet um sein Geburtstag zu feiern

00:42:55: Und dieser Freund hat das vor zwanzig Jahren gemacht, so hört sich das fast an?

00:42:58: Ja

00:42:59: ungefähr.

00:43:01: Dann wissen wir ja was wir dir jetzt

00:43:03: mal schenken.

00:43:04: Ich bin tatsächlich mit Freunden aus der Schweiz haben mir das einmal gemacht weil man macht ja lustigerweise bestimmte touristische Sachen in Hamburg nur dann wenn Leute von außerhalb kommen Und dann das war ganz spannend, so eine Bekassentour durch den Hafen insgesamt zu machen.

00:43:20: Durch eben diesen Containerhafen und wirklich so große Containerschiffe mal aus nächster Nähe zu sehen, dass es halt immer wieder toll selbst wenn man's schon mal gesehen hatte.

00:43:29: Hamburg gilt als Deutschland-Skifahrerstatt Nummer eins da hier gemessen am Bevölkerungsanteil prozentual die meisten aktiven Wintersportler leben.

00:43:36: rund fünfzehn Prozent der Hamburger betreiben aktiv Skisport.

00:43:40: Wann warst du denn zuletzt skifahren?

00:43:42: Ich war noch nie Skifahren Ich kann das gar nicht.

00:43:46: Schön!

00:43:46: Komm aus Mürmelmannsberg.

00:43:48: Endlich

00:43:48: finden wir was, was du nicht kannst?

00:43:49: Das finde ich gut ...

00:43:53: Der Höhepunkt

00:43:54: in diesem Kontrast.

00:43:54: Man nennt ja die Frühjahrsferien hier auch Skiferien und das ist er bei einigen Familien so'n Ritual, so'nen Standard den sie machen.

00:44:06: Meine Eltern hatten nicht viel Kohle und wir waren vier Kinder.

00:44:08: da war's klar dass wir keinen Ski-Urlaub in St.

00:44:11: Moritz oder sonstwo machen Und ich hab das bis heute auch nicht vermisst.

00:44:15: Ich bin ein paar Mal Schlittschuh laufen gewesen hier in Hamburg, aber das kann ich auch nicht

00:44:19: gut.".

00:44:20: Hohe Singlequote!

00:44:21: Hamburg ist eine Stadt der Singles – fifty-fünfzig Komma eins Prozent aller Haushalte sind Einpersonenhaushalte.

00:44:28: Welche Tätigkeit im Haushalt liebst du am meisten?

00:44:33: Ja langweilig koch einfach gern.

00:44:36: Meine Frau ist immer sehr viel bei ihrem Pferd Die ist den ganzen Tag nicht

00:44:40: da.

00:44:40: Und

00:44:40: doch die isst das dann, wenn diese Sachen erledigt sind, wenn sie nach Hause kommt und so kann ich dann zwischendurch immer von meinem Schreibtisch aufstehen schnell mal was kochen und dann freuen sich alle Beteiligten.

00:44:52: Herlich!

00:44:54: Jetzt hast du vorhin am Anfang des Podcasts gesagt dass Scheitern immer eine Option ist Wenn man einen anderen Beruf nachgeht als Schauspielerin oder Schauspieler ins Büro geht, wie auch immer.

00:45:09: Dann erledigt man Sachen, dann gehört der Scheiter da aber gar nicht zu!

00:45:12: Also natürlich löst man vielleicht mal eine Aufgabe nicht... Aber dein Job ist voll mit Absagen und Wagen.

00:45:21: Muss man ja sagen weil ich sage mal, neunzig Prozent der Castings die man macht oder auch der Anfragen lösen sich auf und manchmal kriegt man nicht mal Bescheid dass man gar nicht mehr eine Rolle spielen könnte.

00:45:32: Ja das ist etwas was... Wie gehst

00:45:33: du damit um?

00:45:34: Das ist etwas, was ich als Schauspieler schon gar nicht mehr so formulieren würde.

00:45:38: Weil das einfach Teil meines Lebens seit eben thirty-fünf Jahren ist, seitdem ich als Showspieler arbeite.

00:45:44: Man wird bewertet und man wird abgelehnt.

00:45:47: Man kriegt Absagen – das ist Teil des Berufs!

00:45:49: Das kratzen mich nicht mehr.

00:45:50: Auch schlechte Kritiken in der Zeitung kratzten mich nichtmehr.

00:45:53: Der eine findet's gut, der andere findet es

00:45:55: nichtgut.".

00:45:56: Ich glaube, was mich wirklich nervt und was ich als Drehbuchautor immer wieder erlebe.

00:46:02: Dass sowohl auf Produktionsseite also auch auf Redaktionseite immer wieder vermeintlich gesucht wird nach den großen interessanten Themen und dem ganz anderen Ansatz Und ich hätte durchaus Möglichkeiten das zu leisten.

00:46:17: Ich biete so etwas an und ich weiß es nicht nur von mir sondern auch von befreundeten Drehbuchautoren dass genau das eben nicht gesucht werden.

00:46:24: Deutschland ist nicht eine Filmnation, wo man wirklich das schräge, abgefahrene Ungewöhnliche sucht.

00:46:30: Sondern wo man sagt genau das was wir schon mal hatten.

00:46:33: Meistens wir hatten ja diesen Tatort, in der ich bin.

00:46:38: Und das ist wahnsinnig ermüdend wenn man einen künstlerischen Anspruch hat.

00:46:41: Wenn man Auftragsschreiber ist es relativ easy weil man bestimmte Gesetzmäßigkeiten einfach nur erfüllen muss und dann so, ja gut kann man machen.

00:46:49: Dann raucht der Schornstein, verdient damit Geld ist alles okay.

00:46:52: das macht vielleicht zwischendurch auch tatsächlich Spaß aber es hat nichts mit Kunst zu tun.

00:46:58: Jetzt haben wir ja vorhin schon gehört dieses Projekt des Buches also nicht dass sie eigentlich hier schreiben ging.

00:47:02: jetzt so zwölf Jahre bist du jemanden sehr schnell dann arbeitet?

00:47:06: Also du schreibst ja auch Drehbücher für Notrufhafenkante unter anderem wie lange braucht man für so ein Drehbuch?

00:47:13: Also offiziell Das muss ja immer noch viel Arbeit aussehen als freier Mitarbeiter.

00:47:18: Ja,

00:47:18: also tatsächlich ist es so beim Schreiben jetzt mal unabhängig davon wie lange es braucht.

00:47:23: So ein Drehbuch Notrufhafenkante dauert vielleicht drei Monate.

00:47:27: das heißt aber nicht dass man drei Monate durchschreibt sondern es gibt zur bestimmte Entwicklungstufen vom Pitch über Exposé über Treatment.

00:47:33: Zwischendurch gibt's immer wieder Rückmeldung von der Produktion und der Redaktion.

00:47:38: Das Entscheidende beim Freien schreiben wenn man jetzt nicht einen Auftrag hat herauszufinden was ich schreiben will.

00:47:47: Das ist ein Großteil der Arbeit, deshalb hilft auch ChatGPT zum Beispiel überhaupt nicht weil ChatGPP sagt er okay schreibt ihr hier mal was dann ist es.

00:47:57: ob jetzt gut ist oder nicht weiß ich gar nicht zu beurteilen.

00:48:00: meistens natürlich totaler Murks aber es hilft mir nicht weil chatgpt mir nicht die frage beantworten kann das ich schreiben möchte.

00:48:08: und manchmal sitze ich und das klingt echt ein bisschen crazy Stundenlang am Schreibtisch und guck gegen die Hand und überlege, bis ich herausgefunden habe was ich konkret sagen will.

00:48:22: Was eigentlich mein Thema ist?

00:48:23: Und wenn ich das gefunden hab dann kann ich sehr schnell schreiben.

00:48:28: Wie ist es denn jetzt mit dem Buch gewesen?

00:48:31: Ist dein erster Roman hast du das quasi als Reminiscence an die damalige Zeit auch zwischen vier Uhr und sieben Uhr morgens geschrieben oder gibt's eine Taktung in irgendeiner Form?

00:48:44: Mittlerweile bin ich ja frei in Anführungsstrichen, weil meine Kinder sind groß.

00:48:48: Sie sind aus dem Haus.

00:48:49: Meine Frau hat ein Pferd die saugnünftig da nicht da.

00:48:52: Das heißt... Ich habe die Möglichkeit den ganzen Tag frei zu schreiben wie ich möchte also unheimlich luxuriös sozusagen und Durch die Theatereinnahmen, die Jennifer und ich generieren durch unsere Vorstellungen, die wir spielen.

00:49:06: Auch einen finanziellen Hintergrund das sich sagen kann – Ich bin safe!

00:49:09: Die Miete ist gedeckt.

00:49:10: Das heißt, ich bin auch gar nicht gezwungen, irgendetwas zu schreiben was jetzt dringend Geld bringen muss.

00:49:16: Sondern ich kann einfach genau das schreiben, was ich schreiben möchte.

00:49:19: Und dass es eine wahnsinnig aufregende Freiheit.

00:49:26: immer zwischen zwölf und drei.

00:49:28: Also, hat man so Rituale?

00:49:31: Hast du das immer am gleichen Schreibtisch geschrieben oder hast dich auch mal draußen auf der Parkbank gesetzt ...

00:49:35: Nee, draußen schreiben

00:49:37: gar nicht.

00:49:38: Ich musste tatsächlich lernen, weil wir so viel mit dem Theater unterwegs sind im Zug zu schreiben.

00:49:43: Weil ich dann oft Situationen habe, wo ich sechs, sieben Stunden in einem ICE-Sitze von Hamburg nach Stuttgart oder wohin auch immer... Und es ist so vertane Zeit wenn man nur aus dem Fenster schaut in Anführungsstrichen, Ich hab das dann genutzt zum Schreiben und das kann ich mittlerweile immer noch ganz gut.

00:50:02: Also entweder schreibe ich im Zug oder an meinem Schreibtisch.

00:50:06: Hamburgwache-Sechzehn ist ein Vatergewitt mit, der als Polizist dort gearbeitet hat.

00:50:11: Worum geht's denn jetzt eigentlich in dem Buch?

00:50:13: Es ist ja keine Biografie eines Vaters aber schon auch Teile davon.

00:50:19: Ja es ist so... Wie sagt man, autofiktiv.

00:50:22: Es hat biografische Aspekte zwischen durchsittenen paar Sachen dabei ausgedacht.

00:50:28: Obwohl das Ganze ein Roman ist, der im Blaulicht-Milieu spielt, ist das kein Krimi.

00:50:34: Also es gibt da keinen Fall.

00:50:35: Da gibt's nicht irgendein Polizisten oder einen Kommissar, der rausfindet, wer was und warum gemacht hat.

00:50:40: Weil Krimis ist etwas, wo ich gar nicht mehr andocken kann.

00:50:44: Krimies sind glaube ich etwas, was sich ... in den letzten zwanzig Jahren als Drehbuchauto am meisten bedienen musste, weil es das meiste ist was Deutsche eben im Fernsehen schauen.

00:50:55: Krimiserien, Krimi-Reihen, was auch immer.

00:50:58: und ich wollte keinen Krimis schreiben, weil das genau genommen wahnsinnig langweilig ist.

00:51:02: da wird eine ermordelt und irgendeiner hat's gemacht und am Ende findet man raus wer es war.

00:51:07: Das habe ich einfach schon viel zu häufig gesehen, auch gut gesehen und es interessiert mich nicht mehr.

00:51:12: Und das Interessante an der Schutzpolizei ist ja dass die genau genommen auch gar nicht ermitteln.

00:51:17: Die schreiben nur Sachen auf und geben das dann weiter und das ist eine große Belastung wenn man immer wieder mit Kriminalfällen konfrontiert wird und quasi ein Bericht schreibt der denn in die Kriminalpolizeie geht und man selber erfährt gar nicht was aus dieser ganzen Sache dann wird.

00:51:31: In dem Roman geht es eben unter anderem darum wie hält Es aus, über Jahrzehnte so einen Job zu machen ohne dass sich grundsätzlich was ändert.

00:51:42: Weil die Reperbahn egal was man macht ob man eine Null-Toleranzstrategie hat oder was auch immer... Man schafft es nicht den Keats zu domestizieren!

00:51:53: Ein Polizist hat mal so ein bisschen salopp gesagt am Ende brennt immer die Schanze.

00:51:57: Egal was du machst Und damit muss man ja umgehen können, wenn man seit zwanzig dreißig Jahren immer wieder dasselbe macht und wieder einer der Alkoholiker auf die Presse fällt.

00:52:06: Wieder Obdachlose, die fix und fertig sind.

00:52:08: Wieder junge Frau, die von irgendwelchen Zuhältern zusammengeschlagen wird, verkauft wird...und damit musst du irgendwie umgehen!

00:52:17: Das ist das eine Thema des Buches – wie schafft man das?

00:52:20: Und das andere ist, wie sehr hält man sich an

00:52:22: Regeln?!

00:52:23: Und da würde natürlich offiziell jeder Polizist sagen, wir arbeiten hier nur nach Regeln.

00:52:27: Wir arbeiten ja ganz strikt nach Vorschrift.

00:52:30: aber das hat sich Mitte der Siebziger.

00:52:33: wenn ich den Erzählungen Glauben schenken darf Der Polizisten mit denen ich gesprochen habe dann war das da manchmal ein bisschen anders.

00:52:40: Jetzt hast du ja vorhin gesagt dass Du einfach das schreibst was Du schreiben möchtest im Sinne von Drehbüchern und so weiter.

00:52:48: Jetzt musstest du ja aber quasi auch andere denken, an die Leserin und Leser.

00:52:52: Warum sollten denn die Leute dieses Buch lesen wollen?

00:52:57: Ich glaube es ist wirklich spannend!

00:52:59: Das ist ein spannendes Viertel, Reeperbahn, Siebziger, Achtziger Jahre.

00:53:03: das ist eine lang untergegangene Parallelwelt.

00:53:07: Das kann man erfahren.

00:53:09: und dass eben nicht nur aus der üblichen Perspektive des Rotlichts geschrieben.

00:53:15: Weil es gibt sehr häufiger mal, dass es irgendwelche Filme oder Serien gibt darüber wie lustig die Zuhälter in den Siebziger und Achtziger waren mit ihren blondierten Haaren und ihren Goldkettchen.

00:53:26: Und wenn man wirklich in das Thema eintaucht und weiß was Zuhälterei und Prostitution bedeutet dann ist das nicht witzig.

00:53:32: und ich hatte von Anfang an kein Bock irgendwelcher Zuhäter zu featuren.

00:53:37: Und trotzdem kann man die Geschichte der Wache sechzehn des Reviers der Sechzehnt mit besetzten Häusern, mit Rockern, Punks und Street Boys.

00:53:49: Das kann man aus einer anderen Perspektive unheimlich spannend erzählen.

00:53:55: Man ist zum Teil erstaunt wie sehr sich Dinge verändert haben, wie anders das damals war.

00:54:02: In anderer Situation ist man wahnsinnig erstaunend, wie viel sich überhaupt nicht geändert hat!

00:54:07: Das bietet das Buch.

00:54:11: Wie viel steckt denn von dir da drin in dem

00:54:13: Buch?

00:54:14: Also, das Buch ist tatsächlich insgeheim der erste Band von drei.

00:54:21: Also ich will eigentlich die Zeit von neunzehnundsechsundsiebzig bis sechsundachtzig erzählen.

00:54:24: Und sechsundachzig gipfelt das in den Mucki Pinzen ermorden und im Hamburger Kessel, hat ein sehr konkretes Ende auch.

00:54:34: Neunzehnt sechsunachtzig ist die Wache Sechzehn von der Budapester Straße wo sie früher war jetzt in die Lärchenstraße gezogen.

00:54:41: Ich erzähle aber nur so die ersten zwei Jahre dieser Zeit.

00:54:45: Da bin ich noch sehr klein da bin ich zwölf Und meine richtige Punk-Zeit, wo ich dann auch mit Bomberjackengruppen zu tun hatte oder in irgendwelchen besetzten Häusern war und die kommt dann später.

00:55:00: Also insofern hoffe ich sehr dass Hamburg Wache XVI was nicht Band I heißt aber insgeheim Band I ist das es so erfolgreich ist und die Leute so sehr interessiert dass sich die Geschichte weiterschreiben kann.

00:55:13: Jetzt haben wir immer wieder über Punk gesprochen.

00:55:15: Es gibt den Song Punks Not Dead.

00:55:17: Ist denn der Punk in dir noch lebendig?

00:55:20: Also wo kommt da nochmal hoch.

00:55:24: Ich glaube, Punk ist ja... also jetzt nicht im Sinne von.

00:55:27: ich habe ab und zu noch mal ein Irokesenschnitt oder so oder ich...

00:55:31: Man sichertsnade durch die Nase gezogen!

00:55:33: Nein

00:55:33: aber ich war letztens auf dem Konzert in einer großen Freiheit von Slime, die es glaub' ich seit neunzehnhundertneunundsebzig gibt die sie ja auch komplett erneuert haben, also sind glaube ich nur noch ein oder zwei Leute aus der Originalbesetzung da.

00:55:46: Aber das ist superheutig und das ist Super-Links und Punk pur!

00:55:53: Also richtig, richtig toll wie diese sich weiter entwickelt

00:55:56: haben.

00:55:56: Ja aber einen Titel gemacht, der hieß Bullenschweine.

00:55:59: Konntest du den zuhause hören?

00:56:01: Weil dein Vater Herr Polizist

00:56:03: Ja, das ist ja genau genommen auch immer so ein bisschen wie sagt man Folklore.

00:56:08: Also hängt die Bullen auf und röstet ihre Schwänze, Badogs solche Sachen.

00:56:16: dass grült man dann auf irgendwelchen Partys oder Konzerten oder so.

00:56:21: aber natürlich steht es in keinem Zusammenhang damit wie man wirklich mit weil ich hab Polizisten zum Teil wirklich als cool erlebt.

00:56:28: Ich bin als junger Mann, in der Wache sechzehn gewesen sitz mit meinem Vater und seinen jungen Kollegen zusammen und plötzlich kommt über Funk ein Notfall rein dass irgendwo eine Massenschlägerei ist Leute zusammen getreten werben Und diese Typen lassen quasi ihr Franz Brötchen fallen und springen aus dem Fenster rennen zu den Streifenwagen und fahren dahin an den Ort von dem alle weglaufen.

00:56:49: da fahren die hin und kümmern sich drum und kümmern sich um diese leute Und das ist etwas, dem muss man einfach Respekt zeugen so.

00:57:00: Da kann man auch Punk sein aber da kann man sich als fifteen-sechzehnjähriger junger Mann auch nicht von frei machen das Geil zu finden.

00:57:07: Was gar nicht geil ist.

00:57:09: lieber Michael ich muss jetzt aufhören mit Fragen stellen.

00:57:12: Ich habe nur noch zwei und die kriegt jeder.

00:57:14: wo siehst du dich in fünf Jahren?

00:57:20: Ja es langweilig.

00:57:20: aber da wo ich jetzt bin Also ich glaube, dass ich auch in fünf Jahren noch Bock drauf habe neue Theaterstücke, neue Drehbücher, neue Romane zu schreiben.

00:57:28: Und solange ich auf der Bühne spielen kann und zwischendurch schreiben kann bin ich happy!

00:57:34: Wo siehst du Hamburg in fünf jahren?

00:57:37: Leider auch nicht sehr woanders als heute.

00:57:40: Ich glaube das Teil von hamburg ist, dass sich wenig verändert.

00:57:44: Das hat manchmal was sehr unaufgeregtes und es auch ganz schön weil es so diese hanseatische coolness hat.

00:57:50: Dass alle irgendwie Ja, coole Hamburger, hanseatische Unaufgeregtheit mag ich auch.

00:57:58: Aber es passiert wenig in dieser Stadt!

00:58:01: Jetzt passiert auch nichts mehr.

00:58:02: wir sind am Ende.

00:58:03: lieber mich erinnert.

00:58:05: Ich bin sehr fasziniert von deiner Sichtweise auf dein beruf auf dein leben.

00:58:09: einfach dieses machen liegt mir ja auch sehr nah und ich finde das ganz toll und freue mich sehr Auf den zweiten und dritten teil dann von wache sechzehn.

00:58:18: In diesem sinne sage ich ahoy

00:58:20: Ahoy vielen dank.

00:58:23: Das war gute Leute!

00:58:25: Das Hamburg-Gespräch mit Lars Meier.

00:58:27: Von der Gute-Leude-Fabrik, der Szene Hamburg und dem Zeitverlag.

00:58:32: Folgt im Hamburg-gespräch als Podcast auf allen bekannten Streamingplattformen jeden zweiten Montag neu.

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