Victoria Trauttmansdorff bei "Gute Leude - Das Hamburg Gespräch"

Shownotes

Victoria Trautmannsdorf spricht in „Gute Leude – Das Hamburg Gespräch“ über ihre Wahlheimat Hamburg, ihre jahrzehntelange Arbeit am Thalia Theater und die kleinen wie großen Rituale, die sie bis heute begleiten. Die Schauspielerin erzählt, warum Aberglaube für sie eine große Rolle spielt und wie sie sich mit Mitte 60 mehr Struktur im Leben wünscht. Außerdem berichtet sie von den Unterschieden zwischen Wien und Hamburg sowie von ihrer Sorge um den Verlust historischer Bausubstanz in der Hansestadt. Darüber hinaus spricht sie über die Herausforderungen und Glücksmomente ihres Berufs, über Premierenfieber, Rollen, die sie emotional geprägt haben und die Veränderungen für Frauen in der Theaterwelt. Nicht zuletzt verrät sie, warum sie noch Kunstgeschichte studieren möchte, von welchen Reisen sie träumt und weshalb sie sich wünscht, dass Hamburg seine alten Häuser besser schützt und die Stadt noch lebenswerter gestaltet.

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00:00:02: Es ist ja mehr bei mir so, ich bin nicht schmutzig.

00:00:05: Sondern ich bin eher so ... Dann liegt die Tablette neben dem der Zahnseide, die ich da hab liegen lassen.

00:00:11: Neben dem Zwirren und der Nadel, weil ich da grad einen Knopf annehmen wollte.

00:00:17: Neben den Putzmittel, was ich nicht weggeräumt habe.

00:00:21: Also diese Art von So-unordnung.

00:00:25: Genau aus einer Unstrukturiertheit.

00:00:31: Die Männer haben einfach in viel nicht mehr die Rechte, die sie früher hatten.

00:00:37: Also ich muss ehrlich sagen als ich ans Theater kamen, hatten die Intendanten das war nicht immer so aber die hatten wirklich so ein bisschen was man wieder Kaiser Franz Josef eine Art Erstbeschlafungsrecht.

00:00:50: also die hatten richtig große Macht über Frauen im Theater und vor allem über die Schauspielerinnen.

00:00:59: Und wenn diese Schauspielerinnen nicht stark waren wurden sie vernascht, sage ich mal ganz banal.

00:01:08: Ich habe zum Beispiel gespielt einen langen Tagesreise in die Nacht das ist ein Stück von O'Neill über eine Familie wo Alkoholismus zu einer Riesenrolle spielt und die Mutter ist Morphynistin weil sie das alles nicht ausgehalten hat.

00:01:22: und diese Mutter hab ich gespielt Und ich hab auch in meiner Familie Alkohl war ein Problem mit meiner Familie.

00:01:31: Das hat mich z.B.

00:01:33: sehr mitgenommen.

00:01:33: Da war ich ja einfach fertig, weil das war fast wie eine Therapie im Grunde.

00:02:04: Heute zu Gast ist die Schauspielerin Victoria Trautmannsdorf.

00:02:07: Moin moin!

00:02:10: Geboren in Wien, lebst und arbeitest du seit vielen Jahren in Hamburg und bist seit deiner Zeit festes Ensemblemitglied am Taliertheater.

00:02:19: Bekannt bist du vor allem für intensive, psychologisch vielschichtige Rollen auf der Bühne und Leinwand.

00:02:24: Deinen Kino-Durchbruch hattest du in dem Jahr mit Gegenüber.

00:02:28: Außerdem kennt dich ein breiteres Publikum aus der ZDF-Serie Nord-Nord-Mord.

00:02:32: Heute lebst Du in Hamburg-Ulenhorst bis verheiratet und hast zwei Töchter.

00:02:37: Liebe Victoria!

00:02:38: Du bist am achten September neunzeits sechzig geboren, also Sternzeichen jungfrau.

00:02:43: Jungfrauen sagt man ja nach.

00:02:44: sie sein sehr genau diszipliniert und manchmal auch ein bisschen abergläubisch.

00:02:50: Glaubst du an Horoscope oder Aberglaube?

00:02:52: Horoscope glaube ich überhaupt nicht!

00:02:54: Das ist dir also neu was ich dir gerade gesagt habe?

00:02:57: Nee weil es nicht stimmt.

00:02:59: bei mir leider...

00:03:00: Du bist nicht diszipliniert, du warst pünktlich heute

00:03:03: Ja, aber das lag an Claudia Maxel und meiner Begleitung.

00:03:07: Nein ich bin unpünktlich!

00:03:08: Ich kam auch zum Treffen mit der Claudia schon zu spät.

00:03:12: Ich bin unpündlich und ich bin unordentlich und den jungen Frauen wird ja immer nachgesagt hier sein so pingelig.

00:03:19: Also vielleicht bin ich in anderen Sachen pingelich, aber ich bin aber gläubisch Ja?

00:03:24: Ja, ganz toll.

00:03:26: Hast du so Rituale wenn es auf die Bühne geht, linken Schuh an immer oder bestimmte Glückssocken an unterm Kostüm?

00:03:32: Ja und immer klopfen und dann nur durch diese Tür weil sie bringen Glück und dann den Weg gehen weil der bringt mehr Glück als der andere Weg und kleinen Umweg gehen, dann noch mal irgendwo hinklopfen.

00:03:47: Und verfolgt dich dieser Aberglaube nur im beruflichen oder auch im privaten?

00:03:51: Fängt das morgens schon an?

00:03:54: Wie ich die Kaffeetasse halte!

00:03:56: Oh Gott sie stand falsch!

00:03:57: Nein, ich war ... ja im Alter hab' ich so kleine Rituale aber vor allem sehr stark.

00:04:06: Aber, glaube ich, habe ich sehr stark im Beruf.

00:04:09: Auch wenn ich wegfahre oder auch komischerweise so im Alltag denke, jetzt muss ich nur auf diesem Straßenseite gehen und dann habe ich Glück.

00:04:20: Jetzt muss ich jeden dritten Stein mit dem Fuß berühren, dann bringt das Glück.

00:04:24: Und wenn eine Katze von links nach rechts geht und schwarz ist,

00:04:27: dann ist

00:04:27: alles durcheinander?

00:04:31: Und hoffentlich zerspricht kein Spiegel.

00:04:33: Du

00:04:33: wirst in diesem Jahr sechsundsechzig, ich liebe ja Schnapszahlen!

00:04:37: Ist es so dass du das groß feierst?

00:04:39: oder bist du eher jemand die sagt nö?

00:04:42: Ich verweck keiner weiß eigentlich wann ich Geburtstag habe.

00:04:44: jetzt wissen's alle irgendwie über den Podcast.

00:04:47: Ich fahre... Keine Ahnung vielleicht groß.

00:04:52: Eigentlich eine gute Idee.

00:04:54: Ja

00:04:54: ich finde schon aber so groß dass wir alle dann hier auch noch kommen können die zuhören.

00:05:03: Gibt es irgendwas, also viele Leute nehmen sich ja Ziele vor.

00:05:06: Also am Neujahrstag hören sie auf mit Rauchen oder wie auch immer ist dieser Sechsensechzig etwas wo du sagst okay das will ich anders machen mit irgendwas aufhören?

00:05:16: Mit irgendwas beginnen vielleicht?

00:05:18: Ich würde gerne ordentlicher werden und systematischer in meinem Leben.

00:05:25: Du willst jetzt noch ordentlicher werden?

00:05:27: Auf die letzten dreißig Jahre willst du ein aufgeräumtes Wohnzimmer und Schlafzimmer

00:05:32: haben.

00:05:32: Ja, vor allem in aufgereimten Schranken.

00:05:36: Nervt es dich denn selber oder ist das deine Umwelt?

00:05:38: Deine Töchter, dein Mann, die immer sagen, Frau räumen doch mal auf.

00:05:43: Beides!

00:05:46: Aber irgendwie sehe ich mich gerade so nach Struktur...

00:05:50: Aber als Schauspielerin muss man ja Struktur haben.

00:05:52: Also der ganze Lernprozess ist doch auch schon eine Struktur für so ein Stück, oder?

00:05:56: Oder fällt dir das

00:05:57: zu?

00:05:58: Liest du einen Text und dann ist er in der Rübe drin?

00:06:00: Nein,

00:06:01: Gott will nicht lernen es aber was... Das ist ja einfach nur ein Vorgang!

00:06:06: Es hat mit Struktur nicht so viel zu tun.

00:06:09: Ich dachte man würde sich da irgendwie bestimmte Systeme auch aneignen um dass zu lernen.

00:06:15: Ich habe so ein neues System seit ein paar Jahren, das hat einen jüngeren Kollegen mit beigebracht dass man neben den Text die Anfangsbuchstaben jedes Wortes schreibt und dann formt das Gehirn faktisch beim Durchlesen den Text.

00:06:30: also wenn ich sage ich mag dich schreibe ich IMD Und dann macht mein Gehirn, ich mag dich.

00:06:38: Es ist total interessant!

00:06:39: Das hilft ihr so nicht?

00:06:41: Das ist verrückt aber mir wäre die Arbeit schon zu viel die ganzen Buchstaben aufzuschreiben.

00:06:45: Lernen ist schon noch mehr Arbeit.

00:06:48: Ja okay wir kommen mal zu den Hamburg Lieblingen.

00:06:52: das ist unsere Schnellfrage Runde und da wollen wir ein bisschen was über Dich und Hamburg erfahren.

00:06:56: welches ist denn dein Lieblingslied über Hamburg?

00:06:59: Das von Yandelay über die Reparat?

00:07:02: Oh ja Welches ist dein Lieblingserholungsort in Hamburg?

00:07:08: Die Bobergadünen.

00:07:11: Dein Liebling Souvenir aus Hamburg?

00:07:16: Vielleicht so was aus dem Talier-Shop, die mache ja ganz lustige T-Shirts.

00:07:26: und dann hatte ich früher geliebte Gnächte und Megter.

00:07:30: hier ist das so ein Geschäft.

00:07:31: Ja, in der Feldstraße?

00:07:33: Ja, Feldstraß.

00:07:34: Sehr

00:07:34: gut!

00:07:34: Das liebe ich ja.

00:07:36: Welches ist dein Lieblingsmuseum?

00:07:38: Also eigentlich war mein Lieblungsmuseum immer das Museum der Stadt Hamburg da im Platten und Blumen.

00:07:43: Das hat aber jetzt zu.

00:07:44: Richtig

00:07:45: für hamburgische Geschichte.

00:07:46: Ja Hamburgische Geschichte

00:07:47: heißt das genau.

00:07:48: Es wird dabei irgendwann wieder aufmachen.

00:07:48: Das

00:07:49: macht sich ja wieder auf.

00:07:50: Dann lieb ich die Deichto-Heilen.

00:07:51: Da hat er auch eine geradezu.

00:07:54: Und dann liebe ich das für Kunst und Gewerbe.

00:07:56: Natürlich!

00:07:57: Das ist so schön, ja?

00:07:59: Die haben auch eine österreichische Direktorin.

00:08:01: Tulgar Bayalle.

00:08:02: Genau.

00:08:03: Liebe Grüße an Tulgar.

00:08:05: Danke.

00:08:05: Dein Lieblingspark in Hamburg.

00:08:08: Jener Spark.

00:08:10: Den habe schon häufiger hier gehört.

00:08:12: Ja der ist einfach wunderschön.

00:08:14: Den gibt es also so schön wie der.

00:08:17: Du bist in Wien geboren.

00:08:19: Wie kann man so eine schöne Stadt verlassen?

00:08:21: Jetzt sind einige Hamburgerinnen im Pörd, wenn ich das sage.

00:08:24: Weil alle halten Hamburg für die schönste Stadt der Welt!

00:08:27: Aber was hat dich hier hergezogen?

00:08:29: Also klar... Der Beruf

00:08:31: wahrscheinlich?!

00:08:33: Die Liebe...?

00:08:33: Ach, ich liebe die Stadt mittlerweile!

00:08:39: Ich bin so glücklich, gestern kam ich aus Berlin zurück und habe mich so gefreut.

00:08:44: Ja, das kann ich nachvollziehen.

00:08:46: Dass man sich freut wenn man aus Berlin wieder weg darf.

00:08:50: Gleis sieben!

00:08:52: Oder Acht?

00:08:54: Der schönste Ort Berlins.

00:08:58: Hamburg ist schon... Ich glaube Hamburg ist dann doch jetzt langsam meine Heimat weil wir so lange hier wohnen.

00:09:05: Ja gibt es denn trotzdem noch Wurzeln die du dann immer suchst?

00:09:09: musst du dann doch noch mal nach Wien, weil es das bessere Schnitzel dort gibt?

00:09:13: oder verwandschaftliche Beziehungen?

00:09:15: Ja sehr viel.

00:09:17: Ich bin in Wien natürlich sehr verwurzelt auch familiär und vor allem sprachlich auch.

00:09:24: Das ist ja dann doch irgendwie ... Die Heimat liegt ja in der Sprache also bei mir zumindest.

00:09:31: Und was mir wirklich fehlt sind diese Kaffeehäuser.

00:09:35: Das is einfach ein Lebens- Stil, der so mir entspricht oder mir gut tut dieses Rumsitzen und nichts tun.

00:09:43: Wo kommt ihr denn Österreich hier in Hamburg so entgegen?

00:09:46: Also wo sagst du ja das kann damit halten

00:09:50: vielleicht höchstens manchmal auf der Reeperbahn also nicht Reepern sondern Sankt Pauli in diesen kleinen Gassen manchmal bisschen auch groß Neumark da die Gegend ein bisschen städtischer ist in also älter und städTisch.

00:10:07: Weißt du noch, als du das Angebot bekommen hast zum Talia zu kommen?

00:10:10: Was ist da in deinem Kopf los gewesen?

00:10:13: also möglicherweise gab es schon den guten Ruf des Taliatheaters.

00:10:17: Denes heute ja auch genießt.

00:10:19: aber was ging da in deinen Kopf los?

00:10:25: Ich habe es als extrem praktisch empfunden weil mein Mann hier war Und ich dachte, das ist ja super.

00:10:31: Dann können die Kinder in derselben Stadt aufwachsen ... Ja!

00:10:34: Also wie die Eltern zusammenleben und die Kinder großziehen.

00:10:39: Da hatte ich natürlich schon Bombenrespekt und ein bisschen Angst, weil das Theater so einen guten Hof hat und extrem viele gute Schauspieler auch damals schon hatte.

00:10:50: Das war auch am Anfang eher Einschüchternd.

00:10:53: Da musste ich mich schon so durchbeißen Und das kam dann mit der Zeit, dass ich auch mehr Selbstbewusstsein hatte und gemerkt habe.

00:11:03: Ach, das kann ich ja auch oder ich hab viel von denen gelernt und konnte auf dem Niveau vielleicht

00:11:10: mithalten.".

00:11:15: Bevor es gleich weiter geht mache ich kurz Werbung für unseren Kooperationspartner die Zeit!

00:11:20: In meinem Morgen starte ich gern mit der Elbvertiefung, dem kostenlosen Newsletter von Zeit Hamburg.

00:11:25: Der kommt ab jetzt im neuen Look zu euch!

00:11:27: Von Montag bis Freitag morgens um sechs Uhr direkt ins E-Mailpostfach.

00:11:32: Alle Infos findet ihr auf zeit.de.

00:11:34: slash elbvertieffunk Und noch mehr.

00:11:37: Zeit Hamburg bekommt Ihr im Hamburg-Ressort auf zeitpunkt e. slash hamburg.

00:11:42: Rheinschaun lohnt sich Das war Werbung Herzlichen Dank.

00:11:49: Jetzt bist du Anfang der Neunziger hier nach Hamburg gekommen.

00:11:51: Da hatte Hamburg immer noch so ein bisschen den Ruf, dass das nicht unbedingt eine Willkommensstadt ist also wo man sofort mit Menschen in Kontakt kommt.

00:12:02: Anders jetzt als im Bayerischen Bierkeller oder in Köln im Brauhaus wo zehn Leute zusammen an einem Tisch sitzen und sich nicht kennen.

00:12:13: Sitzen hier zwei Leute an einem achter Tisch sich dazu setzen kann.

00:12:18: Das ist heute anders, weil es hier einfach auch viele Leute dazugekommen sind und den Hamburger beigebracht haben dass Geselligkeit auch verschönes ist.

00:12:28: Wie hast du das damals empfunden?

00:12:30: Überhaupt nicht so

00:12:31: wie du es beschreibst Weil du direkt in die Theater-Familie reingekommen

00:12:34: bist.

00:12:35: Ja aber ich fand die Leute auch extrem herzlich So.

00:12:38: in dem Haus wo ich wohne Haben sie mich sofort eingeladen Und dann ging mein Mann immer so eine Kneipe um die Ecke, das trotzdem ... und da war auch immer Halligalle.

00:12:50: Also es war jetzt gar nicht dieses Lebensgefühl, dass du beschreibst.

00:12:54: Wie hast Du den Hamburg empfunden?

00:12:56: Es ist sehr lebensfroh und kinderfreundlich.

00:13:01: Und überhaupt lebensfreundliche schon damals durch die Alster und dieses sportliche auch.

00:13:07: Sportlich!

00:13:07: Sehr sportlich.

00:13:11: So offen.

00:13:12: Ich hab sie erst sehr offen empfunden in Hamburg, ja?

00:13:15: Ja!

00:13:16: Also ich war ja vorher im Mitteldeutschland also dein Mannheim Stuttgart da war das nicht so wie hier.

00:13:24: Also ich fand das Klischee in Sprach keine Art und Weise der Realität.

00:13:28: Also wirklich gar nicht.

00:13:30: Mhm.

00:13:31: Gar nicht Und zwar auch so lustig altmodisch damals Hamburg noch.

00:13:35: Das mochte ich auch gerne.

00:13:37: Jetzt hast du ja gerade schon gesagt, irgendwie bist du angekommen.

00:13:40: Irgendwie ist Hamburg jetzt deine Heimat.

00:13:43: Woran merkst du das denn?

00:13:45: Ja, dass ich ja merke gefühlt

00:13:46: bin.

00:13:48: Gibt es auch da Rituale die jetzt so irgendwas mit Hamburg zu tun haben?

00:13:53: Ich bin der Alsterkind weil wir in der Nähe von der Alsta wohnen und das ist so mein Revier.

00:13:58: Da laufe ich rum und da kenne ich auch jeden Baum oder jeden Busch und sonst... hab ich Freunde hier und das Theater natürlich.

00:14:07: Und Altona wäre so mein Sehnsuchtsort, also da würde ich gerne wohnen aber...

00:14:12: Da warst du noch nicht?

00:14:13: Also da hast du noch nie gewohnt?

00:14:14: Nee nur gearbeitet!

00:14:15: Ja, Altonas ist auch meinen Sehensuchtsortsort.

00:14:18: Irgendwann will ich da mal zurückkehren.

00:14:19: Ich will da auch wohnet.

00:14:20: Ja gut dann flätt finden wir ja gemeinsam irgendwo ein Haus wo wir in verschiedenen Etagen wohnn können.

00:14:25: Das wär doch vielleicht davon träumig.

00:14:28: Dann gucken wir mal danach.

00:14:29: Es soll ganz einfach sein Wohnungen in Altonat zu kriegen

00:14:32: oder Selbst Ottmarschen wären wir recht.

00:14:36: Jetzt werden wir schon wieder zu weit raus, ich wäre theoretisch zu Fuß dann noch je nachdem wie fit man ist in die Innenstadt kommen.

00:14:45: Dann wäre hier... Wie heißt das wo dieser Park ist?

00:14:49: Wohlerspark!

00:14:51: Da hätten uns beide wahrscheinlich aber auch schon früher um Wohnungen oder Wohnmöglichkeiten bemühen müssen, um da irgendwie unterzukommen.

00:14:57: Ich glaube da ist alles weg.

00:15:00: Du hast gerade gesagt, an der Alza kennst du jeden Busch.

00:15:02: Was

00:15:02: ist dein Lieblingsbusch?

00:15:03: Also was ist deine Lieblungsstelle dort?

00:15:08: Ich liebe diese Stelle wo der Alsteranleger ist gegenüber von der Moschee.

00:15:13: Das finde ich einfach so wunderschön und er kommt leider nicht mehr auf dieser Alsterdampfer.

00:15:21: aber das fand ich auch so pittoresk da einzusteigen und rüber zu fahren nach Havestehude Und dann lebe ich genau die Stelle gegenüber in Harvestehude, wo die weißen Bank auf der Wiese stehen.

00:15:35: Aber dieser Schiffsanleger gegen mich von der Moschee ist schon mein Lieblingsort.

00:15:41: Da war ich mit den Kindern, wie sie klein waren und jetzt bin ich da immer noch bei meinem Vater, der nicht mehr lebt – meiner Mutter und Hunden, diversen Hunden!

00:15:52: Als ich vor dreißig Jahren nach Hamburg gekommen bin, hatte ich die Idee in ein Ruderklub zu gehen.

00:15:56: Weil ich so dachte das wäre irgendwie hanseatisch weil Segeln wiederum interessiert mich gar nicht.

00:16:00: Hast du auch sowas?

00:16:01: Also ich habe es nie gemacht muss ich dazu sagen.

00:16:03: Hast Du auch so eine hanseartische Idee gehabt?

00:16:06: Ja in die gleiche, aber ich hab's auch nie gemacht.

00:16:10: Deswegen wollen wir auch einen Raltunner.

00:16:11: da gibt´s keine Ruderklubs.

00:16:15: Elbe!

00:16:16: Aber in der elbe rudert man nicht nur in der Alster ne?

00:16:18: Nee ich

00:16:19: glaube dass wär zu gefährlich wenn

00:16:20: da die großen...

00:16:21: Töpfe vorbeifahren.

00:16:23: Aber was ist denn mit der Elbe?

00:16:26: Im Grunde muss man sich ja entscheiden zwischen Alze und Elbe, du hast jetzt sehr eindeutig die Alzer hervorgehoben.

00:16:32: Warum ist in die Elbe nicht so toll?

00:16:34: Ich muss komplett revidieren.

00:16:38: ich bin in die Alster Gezwungen worden, weil ich da wohne.

00:16:42: Aber meine Sehnsucht ist die Elbe!

00:16:45: Ich will immer schon an die Elben.

00:16:47: Ich will da wohnen und raus schauen, spazieren gehen.

00:16:51: Das mache ich auch oft aber es ist ein bisschen weit von mir entfernt.

00:16:55: Weil meine ganze Sehensucht geht zum großen Fluss.

00:16:59: Ja?

00:17:01: Jetzt bist du hier reingekommen hast dir erst mal sehr lange die Dinge so angeguckt wie ... Ist es denn jetzt hier so in Hamburg?

00:17:09: Also mal außerhalb des Talia, außerhalb der Alster.

00:17:13: Wie nimmst du die Kultur wahr?

00:17:15: Du hast gesagt, die Kaffeehäuser fehlen dir.

00:17:19: Aber wie nimmste das Leben hier so wahr?

00:17:22: Schon sehr ... geschäftig.

00:17:27: Wenig Stillstand.

00:17:30: und womit ich hadere ist der Umgang mit alten Häusern dass die so radikal einfach abgerissen werden, wenn sie nicht passend und nicht kapitalistisch verwertbar sind mehr.

00:17:46: Also in meiner Straße sind innerhalb von einem Jahr zwei Häuser abgerissen worden, die aus Achtundneunzig starben.

00:17:54: eine Stadtwiller und jetzt wird ein ganzes Wohnhaus abgerißen das in Achtunsebzig gebaut oder eines der ältesten Häuser in der Uhlenhorst wird abgerießen Weil deinem Krieg mal eine Beschädigung war und dadurch das nicht komplett unter Denkmalschutz wird.

00:18:10: Es ist aber wunderschön, wundeschön!

00:18:13: Und der einzige Haus in der Straße wo die Mieten noch halbwegs bezahlbar waren jetzt hat er seinen Investor gekauft.

00:18:20: uns wird abgerissen.

00:18:21: ich verstehe nicht wie da es möglich ist.

00:18:24: Das bricht mir das Herz wirklich weil sie machen ihre Stadt kaputt.

00:18:29: Ja.

00:18:30: Ist

00:18:31: fischterlich.

00:18:32: Wie nimmst du denn die Politik wahr?

00:18:35: Interessierst du dich für Politik?

00:18:37: Ja

00:18:37: klar.

00:18:39: Wie nennst du das hier so wahr?

00:18:42: Ich sag mal, wenn du nach Wien guckst dann stauntest wahrscheinlich häufiger weil hier doch alles viel ruhiger ist oder?

00:18:50: Naja, Wien ist ja seit ich weiß nicht hundert Jahren sozialistisch geführt und Hamburg auch schon sehr lang in sozialdemokratischer Hand.

00:19:01: Nicht so unähnlich geführt nur, dass Wien ein Tick sozialer noch ist.

00:19:07: Weil wir diese Gemeindebauten haben.

00:19:10: Also ich glaube, der Häuser in Wien gehören der Stadt, also der Wohnmöglichkeiten.

00:19:17: Und dadurch gibt es diese extreme Wohnungsnot nicht.

00:19:20: Also, es wird langsam auch immer mehr.

00:19:22: der Kapitalismus frisst sich so durch die Stadt und entsteht so ein Parallelleben.

00:19:27: einerseits der Gemeindebau wo man normal leben kann und normale Mieten zahlt also eher niedrige Mieten aber dafür muss natürlich eine soziale Berechtigung haben etc.

00:19:36: Aber dies ist nicht sehr streng.

00:19:38: und andererseits eben genau wie hier wird's immer teurer und die Wohnungen werden immer schwieriger zu kriegen.

00:19:47: Also du kriegst auch leicht deine Wohnung.

00:19:51: Ist das für dich, also ich weiß gar nicht wie oft bis jetzt umgezogen seit dem Jahr three-neunzig?

00:19:56: Gar nicht!

00:19:57: Überhaupt

00:19:57: nicht?!

00:19:58: Du bist hier hergezogen und geblieben?

00:19:59: Zu meinem Mann in die Wohnung und er hat sie dann sofort... Also mein Mann wohnte in der Wohnung, das war eine ehemalige WG Und da war er alleine übrig gebliebt sozusagen.

00:20:09: Das kam ja öfter vor damals.

00:20:11: Und dann gehört er einem sehr netten Hamburger Bankier und seine Frau war Theaterfan.

00:20:19: Und dann wollte mein Mann die Wohnung kaufen, der hatte ein Theaterstück geschrieben für Kinder und hatte dadurch ein bisschen Geld verdient.

00:20:28: So schnell geht das.

00:20:30: Ja, manchmal hat man Glück und der hat dann diese Wohnung kaufen wollen und dieser Bankier gesagt eigentlich ist Quatsch die Wohnung zu verkaufen weil in dem Moment ich weiß dass einem Jahr die Wohnung viel mehr wert sein wird aber weil die Frau das unbedingt wollte weil sie eben so ein Theater-Fan war und ist noch Gott sei Dank haben Sie es dann verkauft?

00:20:54: Wann war das?

00:20:55: Das war

00:20:58: Ja.

00:20:58: Okay, dann kannst du ja ganz beruhigt den Wohnungsmarkt beobachten.

00:21:05: Ja mit Schmerzen.

00:21:08: Wahnsinn!

00:21:10: Die Caféhäuser die dir fehlen.

00:21:13: wo ist für dich da der Ersatz?

00:21:15: Ist es denn jetzt die Kneipe?

00:21:16: du hast vorhin von einer Kneipe gesprochen oder suchst du gar kein Ersanz.

00:21:21: also Das gibt es nicht in der Art, weil siches Café ist das ja eine Institution.

00:21:27: Die wird so hergestellt hier und manche Orte haben auch ein bisschen von der Atmosphäre.

00:21:31: Gibt's ja hier ein sehr schönes... Und Linden?

00:21:35: Unter den Linden!

00:21:36: Ja, das ist wirklich sehr schön aber das ist nicht dasselbe wie ein Café aus.

00:21:41: Aber das Literaturhaus-Café kommt dem sehr nahe oder?

00:21:45: Nein, weil das natürlich auch nicht diese Ruhe hat, weil das Café aus ist ja nur deshalb toll.

00:21:51: Weil du hingekannst einen Kaffee bestellen und vierundzwanzig Stunden also bis er zu spät dort sitzen darf.

00:21:57: Und es wird dich nie einer sagen bitte geh weg.

00:22:02: oder wollen sie noch was?

00:22:05: Und davon gibt es natürlich in Wien auch immer weniger, weil die auch mehr Kantiller werden.

00:22:09: Vor allem die Erfolgreichung, weil sie ja auch einen sehr viel Tourismus in Wnen herrscht und die Caféhäuser, die in diesen Apps oder was da sich Instagram-Dingern stehen sind durchs sehr populär bei Touristen.

00:22:23: aber es gibt natürlich auch viele, die nicht touristisch sind und da ist das so!

00:22:28: Und das hat so eine komische Ruhe.

00:22:32: Du kannst da sitzen und du sitzt da einfach, dann liest du, schreibst sowas oder schaust.

00:22:39: Du hast gerade Instagram angesprochen.

00:22:41: dadurch sind ja viele Leute immer getrieben was Neues zu entdecken und immer auf der Suche nach der neuesten und exotischen Idee Gastronomie zu führen.

00:22:52: Jetzt hast du andererseits erzählt, du liebst so Rituale und so weiter.

00:22:56: Das heißt bist du offen für neue Café- und Restaurants oder bist du eher so die sagt nicht habe meine vier fünf Stammläden?

00:23:05: Und gehe da immerhin

00:23:07: ich bin auf.

00:23:08: also Ich hatte ja faktisch zwei Leben.

00:23:11: Das Leben in Altona bei der Gaussstraße, wo das Taliertheater die Probebühne hat und auch die zweite Spielstätte.

00:23:18: Und mein Leben in Ulnhaus.

00:23:20: In Altonaa bin ich extrem viel ausgegangen weil wir natürlich immer ... Also nicht abends so viel, vor allem mittags.

00:23:26: Weil wir natürlich nach der Probe immer was essen gehen mussten und da hab ich ihr das nicht gerne ausprobiert.

00:23:32: Ich find's auch immer ein Geschenk wenn ein neues gutes Lokal öffnet und dir ein gutes Essen kocht gibt ja nichts schöneres uns dann noch halbwegs bezahlbar ist und nicht zu lang dauert.

00:23:43: Ja Wie habe ich mir denn diese als festes Ensemble Mitglied?

00:23:53: Proben Tage sind klar, Auftrittstage sind klar.

00:23:56: Aber wie ist das Leben dazwischen?

00:23:59: Also wenn du Proben und Vorstellungen hast, gibt es kaum Leben dZwischen!

00:24:05: Weil du hast entweder von zehn bis drei Probe- und Abendsvorstellungen, da musst du ja um sechs im Theater sein spätestens meistens.

00:24:12: Also hast du drei Stunden Zeit, um zu essen dich auszuholen für die Forschung vorzubereiten oder du hast morgens eine Abendsprobe.

00:24:20: Das heißt eigentlich das gleiche Zeitplan.

00:24:24: Aber Schauspieler haben ja auch oft frei, weil die Prom ja nicht durchgehend.

00:24:28: Die Prom ein Stück, der hat das Stück Premiere und dann haben sie ja oft frei sagen wir mal einen Monat.

00:24:34: Und dann spielen Sie nur abends also wenn sie im Festen Engagement sind.

00:24:38: Das heißt diese Zeit kannst du dann verplanen wie du willst.

00:24:42: Das ist aber auch die Zeit wo du deine Sachen erledigen musst oder deine Arzttermine hinlegen musst

00:24:47: etc.,

00:24:49: weil... Oder deine Verabredung mit Freunden.

00:24:54: Das hat sich so ein bisschen, ist ein bisschen sozialer geworden.

00:24:58: Zum Beispiel jeder hat recht auf einen freien Tag in der Woche.

00:25:02: Das gab's für alles nicht.

00:25:03: Ist es so?

00:25:04: Ja!

00:25:05: Also wenn du Sonntagsvorstellungen hast dann hast du recht auf einem freien... ...Tag.

00:25:10: Okay.

00:25:11: Es finden wir alten Hasen manchmal ein bisschen pervers weil wir denken wie das geht doch um die Arbeit Kann doch nicht einen Tag frei haben, wenn man dann nächste Woche Premiere hat.

00:25:22: Aber eigentlich funktioniert es ja gut!

00:25:24: Es ist halt so diese typische verborte Arbeitsmoral, die man am Theater gelernt hat früher.

00:25:32: Da ging alles nur auf das Ergebnis.

00:25:37: Bevor wir weiter über Arbeit sprechen, lassen wir noch mal die anderen Leute zwei Fragen stellen?

00:25:43: Hallo, Victoria Trautmannstorff.

00:25:45: Wir kennen uns gar nicht!

00:25:46: Ich bin Christian Zierau, Leiter des Bezirksamt des Amtsbüttel und ich würde gerne von Ihnen wissen sind Sie vor den Auftritten noch nervös?

00:26:01: Nein, ich bin...

00:26:05: Langer Gedanke, kurze Antwort.

00:26:07: Ich bin eher aufgeregt und versuche mich zu konzentrieren aber nervös bin ich sehr selten.

00:26:16: Manchmal ist es ein bisschen unruhig, aber eigentlich nicht.

00:26:19: Ich bin nur vor Premieren ganz furchtbar nervös.

00:26:23: Also wenn wir das erste Mal spielen dann bin ich ganz, ganz, schrecklich nervös und dann pendelt sich das so ein und da bin ich eigentlich nicht mehr nervös.

00:26:32: also auch im Vergleich zu meinen kollegInnen bin ich viel weniger nervös fällt mir oft auf

00:26:39: die nächste frage Liebe Victoria Trautmannsdorf, mein Name ist Philipp Bestermeyer.

00:26:46: Ich bin Veranstalter.

00:26:48: unter anderem mache ich OMR ein großes digitales Event mit sehr vielen Besuchern und ich habe mich gefragt wann waren Sie zuletzt auf einer größeren Messe oder Konferenz oder Veranstaltung?

00:26:57: Mit mehreren tausend Leuten besuchen sie sowas?

00:26:59: Kennen sie so was?

00:27:00: wo gehen sie hin?

00:27:01: Ich hab mal von der Messe gearbeitet als Studentin

00:27:05: und schon drei Jahre

00:27:06: her Genau, und das vor dreieinhalb Jahren.

00:27:10: Und da ... vor drei und vierzig Jahren?

00:27:14: Nein, fünfundvierzig Jahre.

00:27:16: Da war ich, glaube ich, das letzte Mal bei einer Messe.

00:27:21: Dann hatte meine Mutter eine Untermieterin, die auf der Messe in Wien gearbeitet hat.

00:27:26: Da waren wir als Kinder fasziniert und jeden Tag dort.

00:27:30: Das waren wir ganz besonders toll!

00:27:32: Die saß in so einem Zigarettenverkaufsstand.

00:27:36: Ja,

00:27:38: sehr aufregend.

00:27:40: Eine Messe ist ja eine Möglichkeit sich weiterzubilden und zu gucken.

00:27:44: was passiert morgen?

00:27:45: Ob im eigenen Job oder im technischen Bereich?

00:27:50: Wie bildest du dich denn weiter?

00:27:54: Wir müssen uns schon bei jeder Produktion eigentlich weiterbilden weil wir oft neue Sachen können müssen.

00:28:01: Also sagen wir mal, du musst dann plötzlich tanzen oder du musst plötzlich eine Opernare singen.

00:28:08: Oder Du musst einen wissenschaftlichen Text lernen also musst du dich damit beschäftigen.

00:28:13: Dann musst du Dich mit den Themen beschäftigen.

00:28:16: Ich mache ein Film über Messis gerade.

00:28:19: Das heißt da muss ich mich mit Messis beschäftigen.

00:28:21: Was heißt das?

00:28:22: Aber das kommt doch im Sinn für Unordnung doch sehr entgegen.

00:28:25: Ja eben vielleicht will ich deshalb endlich Struktur in meinem Leben

00:28:29: Wirklich?

00:28:30: Ach, die Rollen helfen dir ein besserer Mensch zu werden.

00:28:32: Ja

00:28:32: natürlich!

00:28:34: Die Abgrenzung.

00:28:36: Okay interessant aber wie bereitet man sich denn jetzt auf einen Film vor der von einem Messie handelt?

00:28:44: Ich habe mir zum Beispiel ein paar Filme über Messies angeschaut und dann hab ich mir ein Buch drüber gekauft diese Angst loszulassen und dann ja auch meistens sagen sie ist es dieses total innere Chaos Dass du so eine Erlehmung fühlst, wo du nicht mehr ... Ich hab's ja ansatzweise.

00:29:03: Ansatzweise!

00:29:05: Wirklich nur ansatzweisen?

00:29:06: Also ich kenn dieses Gefühl von diesem Chaos, was sich nicht bewältigen kann.

00:29:12: Das ist aber sehr reduziert, das ist dann zum Beispiel nur ein Kleiderschrank.

00:29:16: oder dass ich nicht entscheiden kann in meiner Wohnung, wo ich meine Unterhosen jetzt hin tu.

00:29:22: In den Schrank und in denen.

00:29:23: Und dann habe ich es im Beiden.

00:29:26: Fällt dir denn persönlich dieser Hang zur Unordnung auf?

00:29:29: Oder ist es so, wenn Besuch kommt dass du sagst ah nee da darf das nicht liegen.

00:29:34: Das packe ich jetzt mal zur Seite?

00:29:36: Ja und da fällt mir oft erst auf wie unordentlich.

00:29:40: Ganz

00:29:41: klingelt Der Tisch sieht immer noch aus wie Sau.

00:29:43: Es ist ja mehr bei mir so Ich bin nichts schmutzig sondern ich bin eher so.

00:29:48: Dann liegt die Tablette neben dem der Zahnseide, die ich da hab liegen lassen Zwirren und der Nadel, weil ich da gerade einen Knopf annehmen wollte neben dem Putzmittel was ich nicht weggeräumt habe.

00:30:03: Also diese Art von so Unordnung aus einer Unstrukturiertheit.

00:30:12: also ich müsste diese Fiebel von dieser, ich glaube Koreanerin Das müsste ich richtig verinnerlichen, was die sagt.

00:30:20: Aber jetzt beschäftigst du dich erst mal mit dem Gegenteil?

00:30:22: Genau!

00:30:23: Jetzt freue ich mich, dass es Leute gibt, die es noch viel schlimmer sind als ich.

00:30:27: Was musstest du denn zuletzt fürs Theater lernen?

00:30:30: Da habe ich die kleine Mehrjungfrau... da spiele ich mit von Bastian Kraft inszeniert Und da musste ich singen.

00:30:39: Brown's Gebeats, Small Town Boy.

00:30:41: Oh, toll!

00:30:42: Es ist ein tolles Lied aber nicht leicht weil das Rhythmisch sich ja so verschiebt und ich bin rhythmisch... Ich kann ganz gut singe, aber ich bin keine richtige Rhythmus-Begabung.

00:30:52: Da habe ich lang gebraucht diese Verschiebungen hinzukriegen.

00:30:58: Du hast gerade gesagt dass du vor allen Dingen bei Premieren nervös bist.

00:31:03: Ich habe mich mal gefragt, also ich bin jemand der klatscht sehr gerne aber ich kann gar nicht so lange klatschen.

00:31:09: Und was hältst du denn für das richtige Maß an Vorhängen?

00:31:12: Man spricht ja davon dass der Vorhang dann auf und zu geht wenn eine Premiere war.

00:31:17: die Leute kommen nochmal raus.

00:31:18: wie viel Vorhänge sollte man so durchklatschen können damit die Schauspielerin auf der Bühne zufrieden ist.

00:31:24: Schön!

00:31:27: Also das is ja so ein Energiething Und ich glaube, solange diese Energie aus dem Publikum kommt ... ist ja dein Bedürfnis etwas zu erwidern.

00:31:37: Also zum Beispiel bei der Meerjungfrau klatschen die Leute wie verrückt!

00:31:42: Aber da spielen auch drei Dragqueens mit und die Dragqueen haben ein viel gesünderes Verhältnis zum Applaus als wir normalen Schauspieler.

00:31:50: Weil wir Normal-Schauspiel tun immer so ein bisschen bescheiden.

00:31:53: Nein, das kommt auch toll, danke aber eigentlich wäre es doch nicht nötig gewesen.

00:31:59: Und wir sind ja auch müde nach dem Stück und nach einem dritten, mir reizt es dann auch persönlich.

00:32:04: Ich bin da gar nicht so hungrig.

00:32:06: aber die Drag Queens, die feiern das!

00:32:11: Das ist natürlich wieder toll weil dann ist das wie Teil des Stückes.

00:32:15: Die genießen das, die machen dann noch kleine Scherze eine fällt immer hin mit ihren Stackelschulen extra Und dann jubeln die Leute, und da geht der Austausch zwischen Publikum- und Schauspielern oder Bühne weiter.

00:32:32: Das ist toll!

00:32:32: Dann ist das wie so Ping-Pong und selber das Tollste im Theater wenn die Energien hin und her gehen.

00:32:39: Hast du da ein Gefühl für ... seit Wochenproben man überlegt sich was?

00:32:45: Ist in einer kleinen Blase richtet sich vor allem nach der Regisseurin.

00:32:52: Hast du da schon ein Gefühl für wehrende Stücke?

00:32:57: Oder ist es tatsächlich erst beim Schluss-Applaus oder auch schlecht?

00:33:02: Also der Applaus hat nicht immer was mit der Qualität zu tun.

00:33:06: Bei der

00:33:06: Premiere ist das vor allem höflich.

00:33:08: erstmal, ne?

00:33:09: Nein ich glaube das ist einfach ob den Leuten was gefällt aber den Leuten gefällt ja auch nicht immer oder ob sie etwas würdigen wenn es tolle Bühne war eine tolle Geschichte erzählt wurde, oder ganz toll gespielt wurde.

00:33:23: Oder alles zusammen, oder es mitreißend war, oder sehr unterhaltsam war.

00:33:27: Aber es gibt auch Stücke ... Da willst du gar nicht so viel klatschen!

00:33:30: Die sind vielleicht sehr traurig.

00:33:32: und dann willst du ja auch mit dieser Trauer- oder dieses Gefühl der Anteilnahme mit nach Hause nehmen.

00:33:41: musst nicht stundenlang irgendwie die Hände zueinander schlagen.

00:33:45: Warum?

00:33:46: Ich finde, mit der Qualität hat Klatschen nicht immer was zu tun.

00:33:53: Aber wie ist das wenn du merkst...

00:33:55: Oh!

00:33:56: Das ist gar nicht so gut, was

00:33:57: wir

00:33:57: hier gerade machen und dann hast du ja noch zwanzig Vorstellungen?

00:34:02: Ja, du versuchst natürlich jedes Mal irgendwie besser zu machen.

00:34:06: Trinkt man dann vorher einen Schnaps damit man es übersteht

00:34:08: oder

00:34:09: wie motiviert man sich?

00:34:10: Gute Idee!

00:34:13: Also ist es ja selten so, da ist das Kind im Brunnen und das ist nicht zu retten.

00:34:19: Aber es gibt auch oft Sachen ... Da merkst du beim Spielen, oh, das müssen wir anders machen, dann ändert man das auch oder da müssen wir viel schneller sein.

00:34:30: Und da müssen weh auch was rausschneiden zum Beispiel, also kürzen.

00:34:36: Das wird ja dann auch oft gemacht, dass man die Sachen ein bisschen verbessert Aber auf der Bühne stehen und wissen, dass es schlecht ist.

00:34:45: Ist das ein schreckliches Gefühl?

00:34:47: Wirklich!

00:34:48: Das ist wirklich schrecklich.

00:34:52: Gab es mal eine Rolle die dir emotional so nahe gekommen ist, dass du selber damit Tage und Wochen oder schlaflose Nächte oder ähnliches hattest?

00:35:00: Ja, hab ich öfter.

00:35:04: Wo du wirklich so ... Man sagt ja wenn der Arzt seinen Kittel auszieht Dann hat er Feierabend.

00:35:09: Bei dir ist es das Kostüm, wo dich aber eine Rolle tatsächlich noch weiter beschäftigt hat, die dich vielleicht sogar verändert hat und deine Familie gesagt hat was mit dir los?

00:35:21: Das weiß ich nicht!

00:35:22: Ich bin ja eher so eine pragmatische Person.

00:35:27: Aber es gibt halt Rollen, die kosten so viel Einsatz da bist du angespannt danach oder leer, traurig oder nervös.

00:35:38: Ich habe z.B.

00:35:38: gespielt einen langen Tagesreise in die Nacht.

00:35:41: Das ist ein Stück von O'Neill über eine Familie wo Alkoholismus zu einer Riesenrolle spielt und die Mutter ist Morphynistin weil sie das alles nicht ausgehalten hat.

00:35:52: und diese Mutter habe ich gespielt Und ich hab auch in meiner Familie Alkohl war ein Problem mit meiner Familie.

00:36:01: Das hat mich zum Beispiel sehr mitgenommen.

00:36:04: Da war ich einfach fertig, weil das war fast wie eine Therapie im Grunde.

00:36:10: Deine Rolle bei Nord-Nord-Mord wird dich wahrscheinlich immer schnell verlassen?

00:36:14: Du drehst auf Söld.

00:36:15: vorzugsweise ist es ein bisschen wie einen Kurzurlaub nachdem man die ganze Zeit im vermeintlich dunklen Theater war?

00:36:22: Herrlich ist das ja!

00:36:24: Das ist wirklich herrlich!

00:36:25: Ja

00:36:26: da ist ja trotzdem vom, ich sage jetzt mal Talia und Unterhaltungsreihe ZDF ist ja vom Anspruch her schon ein Unterschied.

00:36:35: Und ich sag mal so, vor zwanzig dreißig Jahren hätten Intendanten das gar nicht so gut gefunden wenn man noch nebenbei Fernsehen macht.

00:36:42: Wie war das für dich dieser Sprung da rein?

00:36:46: Unser Beruf hat ja zu achtundneinzig Prozent mit Glück zu tun und ich hatte durch Glück kam ich in dieses Filmbusiness rein Und dann habe ich eben angefangen zu drehen.

00:36:57: Ich hab ja auch sehr viel so anspruchsvolle, mehr Art-Haus gedreht am Anfang und dann kamen eben auch meine Unterhaltungsformate und ehrlich gesagt versuche ich in meinem Leben diesen Unterschied ... Ich finde dieser Unterschied, der Fanatische zwischen E und U also den empfinde ich persönlich als komplett unkreativ weil es kann ein Unterhaltungfilm genauso hochwertig sein Oder hat genauso seine Berechtigung wie ein tragisches Stück über missbrauchte Kinder, sage ich jetzt mal.

00:37:31: Weil nebeneinander, weil der Mensch, der Zuschauer oder der Mensch das genießt, der will auch immer ein bisschen unterhaltsam und vergessen und schöne Landschaft sehen.

00:37:43: Und dann will er sich mit einem Problem auseinandersetzen.

00:37:46: Für mich steht es gleichwertig.

00:37:49: Und ich finde das auch gar nicht gut, immer diesen Unterschied zu machen.

00:37:52: Das wird ja in Deutschland sehr gerne gemacht.

00:37:54: Auch in der Musik ist das E, ist das U und ist das I, keine Ahnung?

00:37:57: Und im Theater ja auch ganz extrem.

00:37:59: Es ist zu unterhaltsam und es ist zu well-made und das ist zu dies und so.

00:38:04: Verstehe ich nicht!

00:38:05: Ich find's...ich find' dass auch altbacken ehrlich gesagt weil die Zukunft ist ja, dass man überhaupt die Leute erreicht.

00:38:13: Du spielst deine Psychologin.

00:38:15: Hat dir das auch eine neue Welt erschlossen?

00:38:18: Hast du dich mit Psychologinnen getroffen, Bücher über Psychologie gewälzt oder ähnliches?

00:38:24: Ne!

00:38:25: Weil die Psychologen ... Es spielt ja in dem Sinn keine sehr große Rolle.

00:38:29: Also was ich mag an dem Format ist ja, dass es gezeigt wird eine recht lebendige Beziehung.

00:38:37: Das entwickelt sich jetzt auch immer mehr zwischen zwei Menschen die nicht mehr zwölf sind also die über sechzig sind Und das sieht man nicht oft.

00:38:46: Weil, man sieht ja meistens im Fernsehen entweder sind es so traurige Paare, wo es um Sterbehilfe geht oder irgendetwas ... Oder sie haben irgendwie tragische Familienverhältnisse und super Spieße.

00:38:59: Aber dass die im Grunde genommen eine ähnliche Beziehung haben wie die Jüngeren, die auch in den Filmen vorkommen, das finde ich persönlich richtig toll!

00:39:09: in meinem Alter auch so, dass man gern ein bisschen flirtet oder sich ja auch freut wenn man liebt oder geliebt wird und deshalb empfinde ich mich da als positives Role Model.

00:39:22: Sehr

00:39:22: gut!

00:39:23: Du hast vorhin angesprochen das es jetzt einen freien Tag gibt im Theater.

00:39:28: Die Arbeit bei uns auch im Büro hat sich auch sehr gewandelt und geändert.

00:39:33: Was hat sich denn für dich zum Positiven, wo du sagst du eher so, das hätte ja sie sein Gemuss geändert?

00:39:40: Im Theater?

00:39:41: Theaterfilm als Schauspielerin insgesamt!

00:39:46: Keine Ahnung.

00:39:47: was hat sich positiv geändert... Ohja es hat sich im Theater etwas sehr geändert und zwar der Respekt für Frauen hat sich.

00:39:58: nicht nur dass es jetzt selbstverständlich viele regieführende Frauen gibt, was natürlich für Frauen auf der Bühne auch etwas anderes ist.

00:40:08: Also und die Männer haben einfach in viel nicht mehr die Rechte, die sie früher hatten.

00:40:15: also ich muss ehrlich sagen als ich ans Theater kamen hatten die Intendanten Das war nicht immer so, aber die hatten wirklich ein bisschen wie der Kaiser Franz Josef eine Art Erstbeschlafungsrecht.

00:40:28: Die hatten eine richtig große Macht über Frauen im Theater und vor allem über die Schauspielerinnen.

00:40:38: Wenn diese Schauspielerinnen nicht stark waren, wurden sie vernascht, sag ich mal ganz banal.

00:40:44: Und das hat sich relativ lange hingezogen, wurden dann natürlich mehr Beziehungen, Regisseur ... bin ich ja auch mit einem Regisseur verheiratet.

00:40:53: Also, er hat sich gelohnt.

00:40:56: in dem Fall aber das ist ... Der war auch anders Aber es ist... Das war einfach etwas relativ offen, toleriertes Und das geht nicht mehr!

00:41:08: Das ist vorbei und das finde ich fantastisch Weil für die jungen Frauen einfach eine ganz andere Ausgangsposition

00:41:17: Eine rigelieführende Frau Mit der du schon zusammengearbeitet hast, ist deine Tochter.

00:41:22: War da tatsächlich so was Besonderes?

00:41:24: Wie es vielleicht von außen aussieht, Muttertochter ... Die Tochter sagt der Mutter was oder war das so besonders?

00:41:31: Oder sagst

00:41:32: du,

00:41:32: kann ich jetzt kaum Unterschiede verstellen?

00:41:34: Aber auch schon besonders!

00:41:38: Weil man is natürlich als Mutter auch immer ein bisschen vorsichtig und denkt Gott hoffentlich sagt jetzt nix Falsches Hoffentlich geht sie gut in der Produktion und hoffentlich ist sie genug.

00:41:50: Aber ja, also bleibt ja nicht aus!

00:41:52: Man hat ja auch so Beschützerinstinkte ... Und dann hatten wir ein sehr lustiges Erlebnis, weil wir haben immer natürlich diskutiert.

00:42:01: Und Mutter, Tochter, das verhakt sich ja manchmal auf so eine total bescheuerte Art.

00:42:06: Das ist uns passiert einmal.

00:42:08: Da haben wir beide ... Weil wir haben nach der Diskussion noch telefoniert und da ging es weiter Und dann haben wir beide einen wichtigen Zug versäumt.

00:42:18: Oh!

00:42:18: Und ich hatte dadurch sechs Stunden Verspätung und musste in Saarbrücken drehen am nächsten Tag, also ich war fix und foxy.

00:42:26: Da haben wir uns beide geschworen... Wir machen das nie wieder.

00:42:31: Das haben wir auch nie mehr gemacht.

00:42:33: Aber an sich haben wir ein super Verstand, die ist eine gute Regisseurin, hat sie toll gemacht.

00:42:37: Höre ich auch immer wieder?

00:42:39: Wir kommen jetzt zu unserer Rubrik Wissenswertes.

00:42:42: und jetzt kommst du.

00:42:43: Das Haus der Geschichte in Eimsbüttel gibt als Hamburgs kleinstes Museum, auf nur rund zwanzig Quadratmetern präsentiert die Betreiberin wechselnde Ausstellungen zu Kunst-, Kultur- und lokalen Themen.

00:42:54: Wann bist Du das letzte Mal in einer Ausstellung gewesen?

00:42:56: Und in welcher?

00:42:59: Ich war gerade in eine Ausstellung ... In Wien!

00:43:06: So, haben wir's wieder...

00:43:07: Ja, im Wein wird er, aber ich...

00:43:11: Der Park Fiction in Hamburg-Sankt Pauli ist nicht einfach ein Park, sondern das Ergebnis eines erfolgreichen Nachbarschaftsprotests.

00:43:18: Anwohnerinnen verhinderten in den neunzehnten Hundertneinzigerjahren die geplante Bebauung des Geländes und verwandelten die Fläche stattdessen gemeinsam in einen kollektiv gestalteten Stadtpark mit Blick über den Hamburger Hafen.

00:43:29: Ich liebe das!

00:43:31: Wie verbunden fühlst du dich mit deiner Nachbarshaft?

00:43:34: Ja eigentlich schon sehr... ich fühle mich schon sehr verbunden.

00:43:43: Aber wie gesagt, die Nachbarschaft leidet extrem unter dieser Turbo-Gentrifizierung.

00:43:51: Gibt es so eine Hausgemeinschaft?

00:43:52: Also habt ihr die Schlüssel beim Nachbarn, falls man sich aussperrt oder... Zum

00:43:57: Teil ganz wunderbaren Nachbaren und wir haben sogar auch ein ganz tolle Nachbar.

00:44:03: Die Hamburger Wallanlagen waren ursprünglich eine sternförmige Verteidigungsanlage gegen Angriffe aus Dänemark.

00:44:09: Heute sind die ehemaligen Festungswelle als grüne Parklandschaft, mitten in der Stadt kaum wiederzuerkennen.

00:44:15: Aus den alten Gräben und Befestigungen entstanden im XIX Jahrhundert unter anderem die heutigen Parks, Planten und Blumen sowie die großen und kleinen Wallanlage.

00:44:24: Welche Rolle spielen Parks oder Grünflächen in deinem

00:44:27: Leben?

00:44:29: Ja, da bin ich ganz normal.

00:44:31: Das finde ich herrlich!

00:44:33: Ich liebe auch den Stadtpark.

00:44:35: Ja?

00:44:36: Ich liebe Platten und Wurmen – obwohl das ja so ein merkwürdiger Park ist, Platten

00:44:39: & Glocken.

00:44:40: Warum

00:44:40: merkwürdig?!

00:44:41: Ja weil dann war da nicht mal irgendeine Garten-Schauer oder sowas.

00:44:45: Ja genau.

00:44:45: Und da hat sich da so komische Betonstücke und dieses eine Café ja ewig geschlossen gewesen was ja eigentlich ein schönes Café wäre.

00:44:54: Als ich nach Hamburg kam, war da oben noch so ein schönes Kaffee.

00:44:58: Schöne Aussicht?

00:44:59: Ja!

00:44:59: Das war ein Traum...

00:45:00: Da finden jetzt Partys statt.

00:45:02: Also eigentlich findet er schon immer Party statt.

00:45:04: Zwischendurch gab es auch mal einen Kuchen.

00:45:08: Jetzt ist es ja so dass Leute wie ich gehen ins Theater und gucken sich Filme an aus Unterhaltungsgründen.

00:45:15: Wie kannst du denn dort entspannen?

00:45:18: also bei was für eine Art von Film hast du?

00:45:20: vielleicht ne heimliche Serienleidenschaft?

00:45:23: Guckst du den Bergdoktor oder so?

00:45:26: Oder Kommissarex.

00:45:28: Das wär herrlich, ne?

00:45:30: Bin ich gerne ... Nee!

00:45:32: Ich guck somit nicht Fernsehen und nie Serien.

00:45:36: Wie entspannst Du denn?

00:45:38: Ach, ich lese gerne.

00:45:39: Ja?

00:45:41: Bist Du eine Schnellleserin weil Du ja beruflich auch sehr viel mit Sprache zu tun hast.

00:45:45: also ein Buch ist dann in zwei Tagen verschlungen oder ziehst Du das über acht Wochen jeden Tag vier Seiten?

00:45:52: Ne, schnell.

00:45:55: Ich habe jetzt so das Problem, dass meine Brille... Dass meine Augen immer schlechter werden und ich jetzt eine stärkere Brille brauche.

00:46:03: Und ich merke, dass ich seitdem wenn man müde werde beim Lesen.

00:46:07: Ja weil du dich so anstrengen musst.

00:46:09: Genau!

00:46:10: Aber ich lese irrsinnig gern also wirklich richtig gerne.

00:46:16: Gibt es denn Dinge?

00:46:17: Also Ich sag mal so Schauspieler und Schauspiele haben normalerweise relativ viel Freizeit, also egal ob sie jetzt vor der Kamera stehen oder

00:46:27: auf der Bühne stehen.

00:46:28: Aber ist es so dass du immer irgendwie was zu tun haben musst?

00:46:32: Oder kannst du so richtig die Seele baumeln lassen?

00:46:35: Ja irgendwie habe ich mich in so ein Arbeitswut reingearbeitet, in den letzten Jahren.

00:46:41: Dadurch dass ich halt am Theater war und gedreht hab und die wollte ich eigentlich unterbinden indem ich bin ja nur noch fester Gast am Taliertheater.

00:46:52: also ich bin da nicht mehr fest weil ich wollte unbedingt mehr Freizeit.

00:46:55: aber jetzt habe ich so viel gedrehen das ich wieder keine Freizeite habe.

00:46:59: Also ich glaube man muss sich dann irgendwann entscheiden gegen diese Arbeitswut, das ist ja wie eine Sucht.

00:47:06: Man kommt da so rein und man will immer mehr... Da wird man hier gebraucht und da gebrauchen der Willein auch noch und man hört nicht... Also ich weiß dass sich eigentlich weniger arbeiten sollte aber gerade bin ich in diesem Turbo-Leben so drin.

00:47:27: dann denke ich mir Dein Leben ist vielleicht auch nicht mehr ... Ja, mit Glück hast du noch dreißig Jahre.

00:47:34: Aber mit viel Glück?

00:47:35: Dann nehm doch alles was du kriegst so bisschen und dann denk ich wieder ja aber wenn du jetzt so weitermasst bist du irgendwann ein Frag also.

00:47:44: Aber das kennst du wahrscheinlich,

00:47:45: oder?

00:47:45: Gehenteil von Arbeit ist Urlaub!

00:47:47: Gibt es zu erstreamswerte Orte die du noch nicht gesehen hast?

00:47:50: Ich sag mal erstmal kommt man ja in Deutschland sehr viel rum als Schauspielerin.

00:47:53: Wirst du wahrscheinlich in jeder Ecke schon gewesen?

00:47:55: Du hast vorhin das Saarland angesprochen.

00:47:57: Da war ich glaube zweimal erst in Saarbrücken.

00:48:01: Gibt es aber so Orte, wo du sagst da will ich noch mal hin reisen?

00:48:03: Weil das ist ja ganz häufig so dass man sagt Das ab sechzig Da fahre ich dann dahin.

00:48:10: Ja Ich lass mich da mehr so treiben.

00:48:13: Ich bin doch nicht so ein Planer.

00:48:15: Also ich würde gerne doch nach Afrika fahren weil ich war noch nie in Afrika also noch gar nicht auch nicht in Nordafrika Und das würde ich gerne machen.

00:48:28: Ist es so...

00:48:29: Also Afrika klingt ein bisschen blöd.

00:48:30: Es ist ja ein Riesenkontinent, also Afrika okay?

00:48:33: Es ist

00:48:33: dann Südafrika weil das ja eine kleine Kolonie von Hamburg wie ich immer wieder höre.

00:48:37: Hamburg

00:48:38: lebt glaube ich in Südaffrika

00:48:40: teilweise.

00:48:40: Nein!

00:48:40: Ich würde gerne fahren so Burkina Faso und Côte d'Ivoire oder Kenya Transania.

00:48:48: Das würde mich einfach so Afrika interessieren.

00:48:53: Das schwarze Afrika in dem Sinn.

00:48:55: Ich kann mir das gar nicht vorstellen, ehrlich gesagt.

00:48:58: Na dann hinder!

00:48:59: Ja warst du schon?

00:49:00: Nein, nee tatsächlich aber habe ich auch diese Faszination nicht.

00:49:05: Ich hoffe dass ich bald nach Ägypten komme weil Es gab ja diese Reihe, was ist was.

00:49:11: Und die Pyramiden war mein Lieblingsbuch und ich weiß dass jeder der in Ägypten schon war und sich die Pylamide angeguckt hat, sagt naja das ist ja totaler Tourismus scheiße.

00:49:23: man warned mich da immer vor aber trotzdem will ich es jetzt irgendwann demnächst irgendwie machen.

00:49:29: Also ich glaube ehrlich gesagt der Tourismus Scheiße entsteht wahrscheinlich nur deshalb

00:49:32: weil wir da alle hin wollen?

00:49:36: Und weil da so viele Händler, Menschen davon leben wollen.

00:49:41: Meine Mutter war in den ... Nee, nach meiner Geburt war sie in Ägypten, weil ihre Eltern da gearbeitet haben und da ist sie mit ihrer Schwester geritten zu den Therameden.

00:49:53: Da war kein Mensch!

00:49:55: Das war so unglaublich doll gewesen.

00:49:57: Ja ich werde berichten.

00:50:00: Während Corona?

00:50:01: Auch so.

00:50:02: ja das geht natürlich

00:50:04: Aber das ist schon vorbei.

00:50:05: Da war es auch leer.

00:50:08: Gibt es denn Dinge, die du... Wir haben ja vorhin darüber gesprochen was für alles Neues Lerns so für die Schauspielerei?

00:50:14: Gibt's denn Dinge die du dir noch aneignen willst?

00:50:17: Also ich schieb die ganze Zeit vor mir her dass ich gerne noch eine weitere Sprache lernen möchte.

00:50:23: Ich würde gerne noch italienisch und spanisch lernen oder zumindest eins von beiden Und dann würde ich gerne nochmal Kunstgeschichte studieren.

00:50:33: Du willst im Alter nochmal studieren?

00:50:35: Das finde ich eine total faszinierende Idee.

00:50:38: Ich habe mal einen Bankdirektor kennengelernt, der... ...ich weiß dass er ein Jaguar fuhr und er erzählte dann auch immer das er dann auf den Studiparkt wird zum Parkten mit seinem Jaguar Und die Studenten haben ihn dann immer... also da war schon über Achtzig und die Studenten haben ihm dann immer die Sachen so näher gebracht, übersetzt wie auch immer.

00:50:58: Und dazu hat er sie dann ich glaube einmal im Monat in ein Sternrestaurant eingesagt.

00:51:02: Das fand ich einfach einen guten Deal!

00:51:04: So könnte

00:51:05: ich mir das auch vorstellen.

00:51:06: Ja herrlich

00:51:08: also Kunstgeschichte.

00:51:09: Mein ehemaliger Hausarzt studiert jetzt auch Geschichte und Kunstgeschichten.

00:51:15: Okay gibt's denn Dinge, die du noch im beruflichen Erstrebenswert finden würdest.

00:51:21: Also Eili ist es ja quatschig Rollen zu wünschen weil es wird ja jetzt keiner auf die Idee kommen dir eine zu schreiben mutmaßlich wenn nicht höchstens innerhalb der Familie.

00:51:32: Ich mir selber

00:51:33: Ja oder du dir selber

00:51:35: Was ich mir wünsche beruflich schöne rollen ja wünscht man sich immer.

00:51:40: Dann wünsche ich mir ... Ja, ich hab so eine Drehbuchidee.

00:51:43: Die würde ich gerne aufschreiben.

00:51:45: Das würd ich mir wünschen, dass ich das mache.

00:51:49: und dann habe ich so ein Projekt im Kopf.

00:51:55: Ich hab einen syrischen Pflegesohn und über den stelle ich fest, dass das Bild was wir von Migranten, also Geflüchteten haben, sogar nicht mit der Realität.

00:52:10: übereinstimmt.

00:52:11: und mein Projekt wäre diese Menschen vorzustellen, um zu zeigen wie tief in Deutschland die schon alle angekommen sind.

00:52:21: Und wie erfolgreich die Zungen am Großteil sind.

00:52:25: also wir kriegen einem Medien immer nur gezeigt.

00:52:27: das steineschweisende vermummte wütende fanatische Muslime.

00:52:35: Und der zum Beispiel ist Mechatroniker, hat eine Ausbildung gemacht.

00:52:39: Hat dann in der Firma wo er war super gearbeitet und ist jetzt bei Lufthansa.

00:52:44: Sehr gut!

00:52:45: Ja und ich kenne aber zwanzig von seinen Freunden.

00:52:48: Der andere ist in einem Elektrobetrieb für Solarenergie macht sein Meister ist schon als irre Schwer für Menschen, der nicht Deutsch aufgewachsenes Meister zu machen.

00:53:00: Wie bist du denn an den Pflegesohnen gekommen überhaupt?

00:53:02: Was war die Motivation dabei?

00:53:03: Das

00:53:04: war ... Der hat sich ja mehr mich ausgesucht.

00:53:06: Wir hatten dieses Café in der Gaustrasse Embassy of Hope während der Flüchtlingskrise.

00:53:12: Es gibt es immer noch.

00:53:13: aber das war damals wirklich ganz toll.

00:53:16: und während der anfänglichen Krise in der Ukraine, also im Anfang des Krieges kam, war das auch wieder sehr aktiv.

00:53:23: Und da waren wir als Schauspieler auch am Anfang immer alle dabei natürlich und haben geholfen.

00:53:30: Da war er, hat mich angesprochen und war so ein Typ der ... wahrscheinlich war ich ihm sympathisch.

00:53:38: Dann haben wir angefangen in Kontakt zu kommen und dann hat meine eine sehr gute Freundin von mir mit der ich auch so einen Wiener Liedermacher am Taliertheater.

00:53:48: Die hat dann zu mir gesagt wenn jeder sich um einen kümmert!

00:53:52: Dann müsste das Problem doch eigentlich relativ gut zu bewältigen sein.

00:53:58: Jeder braucht ja so einen Anker irgendwo.

00:54:01: und dann habe ich mir gedacht, gute Ideen nehme ich halt den.

00:54:05: Und dann hat sich das natürlich so entwickelt mit der Zeit weil wir uns ja auch meine Kinder machten ihn gerne und war immer bei uns.

00:54:13: Aber ich will das gar nicht so als Heldentat zeigen, weil es ist keine Heldendat.

00:54:16: Es war super einfach.

00:54:17: Eigentlich total normal.

00:54:20: Das hat man ja schon immer so gemacht.

00:54:22: Ich fasse gar nicht die Diskussion, die es jetzt so gibt darüber.

00:54:25: Fischterlich!

00:54:26: Jetzt haben wir die ganze Zeit über schöne Dinge gesprochen – übers Gelingen, über erfolgreiche Rollen.

00:54:32: Wo bist du im Alltag gänzlich untalentiert?

00:54:35: Was kannst du gar nicht und was lehnst du einfach auch ab?

00:54:40: Kuchenbacken

00:54:42: Ja

00:54:43: Ordnung.

00:54:45: Autobahn, Autofahren?

00:54:47: Fährst du nur an der Landstraße oder lässt so andere fahren auf der Autobahn?

00:54:50: Ist ja zu schnell...

00:54:52: Ja ich habe Angst vor den Lastautos.

00:54:55: Ballspiele Das kann ich noch nicht oder gar nicht.

00:55:01: Wie ist das denn mit Kuchenbacken?

00:55:02: also Ich sag mal, du bist in einem sehr spießigen Stadtteil.

00:55:07: Da bringt man sich auch Kuchen mit.

00:55:09: Den kaufst Du einfach oder lehnst Du das einfach komplett ab?

00:55:11: Weil Du sagst nee es gelingt zum Sohn nicht.

00:55:13: Ich meine Vanillekipfel oder ähnliches.

00:55:16: Das

00:55:16: kann ich!

00:55:17: Ja ja, ich kann irregut Weihnachtsbäckerei.

00:55:20: Ach siehst Du?

00:55:20: Ja das kann ich aber keine Kuchen die aufgehen und... ...das kann ich nicht.

00:55:26: Und aber kochen?

00:55:28: Ja gut.

00:55:29: Also normal.

00:55:30: Das wird sie

00:55:31: ein bisschen nach Nudeln mit Ketchup an.

00:55:33: Nee, nee.

00:55:33: Ein bisschen besser.

00:55:36: Aber jetzt nicht richtig!

00:55:38: Die jungen Leute können ja alles gut kochen und ich habe ja Kinder die kochen dann für mich wenn sie da sind.

00:55:44: Ach Kochen... Ich finde Kochenfahrt.

00:55:47: Das ist ein schönes Schlusswort.

00:55:49: aber jetzt haben wir noch zwei Fragen für dich und zwar wo siehst du dich in fünf Jahren?

00:55:57: Keine Ahnung

00:55:59: Wo würdest du dich denn gerne sehen?

00:56:01: Beschreib mal so den Tag heute in fünf Mit den Füßen im Wasser der Elbe oder?

00:56:08: Ich glaube, das kann ich nicht sagen.

00:56:10: Ich bin abergläubig!

00:56:12: Dann denke ich, dass gelingt alles nicht.

00:56:14: Nein...

00:56:14: Okay dann lassen wir das mal.

00:56:16: Ich hoffe du bist nicht aberglläubisch im Hinblick auf Hamburg.

00:56:19: Wo siehst Du Hamburg in fünf Jahren?

00:56:22: Ich steil mir vor, dass man in der Alster schwimmen kann.

00:56:25: Ja da stelle ich mich auch vor.

00:56:29: Ich steile mir vor dass die endlich kapiert haben, dass ihre schönen alten Häuser nicht abreißen sollen.

00:56:35: Auch gut

00:56:37: Ich stell mir vor, dass die Innenstadt noch lebendiger ist und das die hässlichen Kaufhäuser zu schönen Wohnhäusern gemacht werden.

00:56:44: Gute

00:56:44: Idee!

00:56:46: Und vor allem auch die Parkhäuse.

00:56:48: Da ist man

00:56:50: ja dran.

00:56:50: also ich kann zumindest zwei Parkhausgeschichten wo Wohnungen und Ähnliches entstehen sollen?

00:56:56: Also alles was ich sage es nicht unrealistisch.

00:57:00: Ich stelle mir vor dass die Ost-Weststrasse Drüber ist ein Erdhügel.

00:57:06: Lustig, dass du wie eine richtige Hamburgerin Ost-Weststraße sagst.

00:57:10: Sie heißt seit Ewigkeiten schon Willi Brandtstraße?

00:57:12: Ich will jetzt auch kein Besserwisser sein aber ich bin so froh, dass sich mal jemand an der Stelle korrigieren kann weil ich immer korrigiert werde!

00:57:19: Also die Ost-West-Willi-Brandtstrase... Das war ja früher ein...

00:57:24: Es gab ja mal die Idee, die zu übermachen.

00:57:26: Ja

00:57:26: das wäre so toll.

00:57:27: Weil ich habe erst kapiert vor ein paar Jahren warum in Hamburg etwas nicht stimmt In der Stadt.

00:57:34: Die Achse?

00:57:36: Diese Achse, die sie durch diese Stadt gegraben haben.

00:57:39: Diese Ost-Weststraße jetzt dem armen Willy Brandt auch noch ... Der arme Typ muss dafür

00:57:47: herhalten.

00:57:47: Absurderweise!

00:57:50: Wenn die einfach ein noch ein Stadtviertel wäre, wären ja der Hafen und die Innenstadt komplett verbunden.

00:57:57: Und jetzt ist da ja diese Achse dieser Autobahn.

00:58:01: Und ich glaube, wenn man da was drüber machen würde, würde die Stadt noch mal eine ganz andere Energie haben.

00:58:07: Weil dann wird der Hafen direkt zur Menkebergstrasse.

00:58:10: Unbedingt sehr gut!

00:58:13: Victoria, wir haben hier echt viele schöne Sachen besprochen.

00:58:16: Du hast gut Ideen eingebracht.

00:58:17: Hamburg sagt Danke und ich sage Danke für diese wunderbare Stunde!

00:58:22: Und wer jetzt nun noch mehr Bock hat auf dich.

00:58:24: der kann Nord-Nord Mord einschalten oder in Stalier gehen.

00:58:28: also meine Empfehlung hast du auf jeden Fall.

00:58:31: Ich sage danke und Ahoy!

00:58:35: Das war gute Leute.

00:58:37: das Hamburg Gespräch mit Lars Meyer Von der gute Leudefabrik, der Szene Hamburg und dem Zeitverlag.

00:58:44: Folgt im Hamburg-Gespräch als Podcast auf allen bekannten Streamingplattformen.

00:58:49: Jeden zweiten Montag neu!

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