Michy Reincke bei "Gute Leude - Das Hamburg Gespräch"
Shownotes
Michi Reinke spricht in „Gute Leude – Das Hamburg Gespräch“ über seine besondere Beziehung zu Hamburg, seine musikalischen Anfänge und die Frage, warum er die Stadt irgendwann verlassen musste, obwohl sie für ihn bis heute Heimat bedeutet. Er erzählt von wilden Jahren in der Hamburger Clubszene, von seiner Liebe zur Alster und davon, was Heimat für ihn eigentlich ausmacht.
Im Gespräch geht es aber auch um die großen Fragen unserer Zeit: Warum macht technischer Fortschritt die Menschen nicht automatisch glücklicher? Und was verlieren wir, wenn wir ständig abgelenkt sind? Mit klaren Worten spricht er über Digitalisierung, Streaming, Medien und eine Gesellschaft, die seiner Meinung nach verlernt hat, genauer hinzuschauen.
Daneben gibt Michy Reinke persönliche Einblicke in sein Leben in Andalusien, seine Liebe zu Natur und Tieren und seine Pläne für die Zukunft. Ein Gespräch über Musik, Hamburg, Freiheit, Heimat und die Kunst, sich bewusst gegen die Bequemlichkeit zu entscheiden.
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00:00:02: Alle technologischen Fortschritte in meiner Lebenszeit haben ganz offensichtlich nicht dafür gesorgt, dass es dem Menschen besser geht.
00:00:14: Ich halte es für absolut notwendig, dass der Mensch einmal am Tag seinen Blick für zehn Minuten und eine halbe Stunde schweifen lässt – und zwar mit einem weiten Horizont!
00:00:30: Die Situation auch mit meiner kleinen Schaltplattenfirma ist einfach in einer Zeit, wo Menschen nicht darüber nachdenken und das Kritik los hinnehmen, dass sie Streaming-Plattformen für neun Ohren, neuneinundneunzig im Monat nutzen können.
00:00:47: Und wie viel dann bei den Künstlern oder bei den Machern dieser Musik bleibt, nehmen wir nicht so gut wie Garnix.
00:00:56: Diese Unbewusstheit die sich natürlich auch darin ausdrückt, dass wir niemals mehr als kleine Schaltplattenfirma etwas veröffentlichen können, weil wir niemandem etwas anbieten können.
00:01:13: Das ist schade!
00:01:46: In Hamburg hast du Germanistik, Anglistik um Psychologie studiert und bereits mit sechzehn Jahren als Straßemusiker angefangen.
00:01:53: Mit deiner Band Felix der Lüx hast Du Hits wie Taxi nach Paris veröffentlicht.
00:01:57: Nach der Auflösung von neunzehnt achten Achtzig hast Du Deine Solokarriere gestartet und neunzarteinundneinzig mit Valerie-Valerie deinen ersten großen Soleerfolge feiert!
00:02:06: Du hast das Label Rindhinthin Musik gegründet und arbeitest als Textor und Produzent.
00:02:11: Du bist verheiratet und lebst seit zwei Tausend vierzehn in Andalusien.
00:02:17: Lieber Michi, du machst seit über vierzig Jahren Musik.
00:02:19: In dieser Zeit hat sich die Branche rasant verändert und heute kann künstliche Intelligenz innerhalb weniger Sekunden ein Song produzieren für den es früher vielleicht Tage und Wochen gebraucht hätte.
00:02:29: Macht ihr diese Entwicklung eher Angst oder macht sie dich neugierig?
00:02:34: Sie interessiert mich ehrlich gesagt überhaupt nicht!
00:02:38: Es ist alle technologischen Fortschritte in meiner Lebenszeit haben ganz offensichtlich nicht dafür gesorgt, dass es dem Menschen besser geht.
00:02:50: Dass sie glücklicher sind ausgeglichener.
00:02:53: Ich habe die Beobachtung gemacht das alles wofür die Menschen eigentlich talentiert sind.
00:03:00: ich meine wir sprechen von der Menschwährung seit über eine Million Jahren und wir sprechen zum Beispiel erst seit zwölftausend jahren von der Sesshaftwerbung des menschen.
00:03:11: Seit sechs tausend Jahren werden Städte gebaut.
00:03:14: Das heißt, der Mensch ist begabt mit ganz vielen Eigenschaften und Talenten die in ihm über einen langen Zeitraum herangereift sind.
00:03:25: Das was ihn glaube ich wirklich glücklich machen könnte dafür hat er nicht mehr so richtig das Gefühl.
00:03:34: die Sensibilität und dass was er für Glück hält sind meistens nur Bequemlichkeiten Und deshalb ist der ganze technologische Fortschritt, so wie ich ihn beobachtet habe im großen Maße mitverantwortlich für Hysterie, für Nervosität.
00:03:56: Für ganz viele Dinge, mit denen der Mensch einfach nicht umgehen kann.
00:04:01: Ich will ein ganz kleines Beispiel nennen als ich Student war.
00:04:05: Gab es drei Fernsehprogramme?
00:04:07: Ich hatte so einen kleinen roten Fernseherwürfel und wenn Nachmittags um fünf oder sechs von der Unikan, dann habe ich mir Spielereier gemacht auf TOS und hab diese drei beknackten Programme angemacht.
00:04:22: Und als das Testbild kam, sechs Stunden später, saß ich immer noch vor meinem halb aufgegessenen Teller.
00:04:28: Das heißt, ich konnte nicht mal mit drei Fernsehprogrammen selbst verantwortlich umgehen... ...und es zieht ein in die Ablenkung wenn man sich dem an Heim gibt.
00:04:41: also oder wenn man es zulässt.
00:04:44: Und das, was du über das Musikgeschäft und die künstliche Intelligenz, die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenze sagst.
00:04:53: Ich glaube nicht dass mir das viel Freude machen würde.
00:04:55: Was mir Freude macht ist Musik zu machen mit meinen Freunden auf der Bühne zu stehen und ist am Klavier zu sitzen oder mit die Gitarre zur Hand zu nehmen und selbst zu erspüren welche melodischen Reibungen über welche Harmonien Ich für ... ja, bemerkenswert halte oder die in mir was auslösen.
00:05:22: Die dann mit einem Text zu versehen, der das nicht kaputt macht, was ich mir schon ausgedacht habe...
00:05:29: Ist es immer so dass die Melodie erst kommt und dann der Text?
00:05:32: Ja!
00:05:33: Natürlich kommt die Musik von viel tiefer.
00:05:36: Die Musik kommt von einer Million Jahren her Und das was im Kopf ist Von fünftausend Jahren vielleicht.
00:05:46: Ich habe nur einen Anspruch an den Text, macht die Musik nicht kaputt.
00:05:50: Das ist alles!
00:05:52: Und warum sollte ich mir diesen Spaß nehmen und mich ernsthaft mit den anderen Sachen beschäftigen?
00:05:58: Wenn andere Leute das möchten weil sie glauben es ist für Sie effizienter, effektiver oder sonst irgendwas dann sind sich vielleicht gar keine Musiker, sondern einfach nur Menschen, die halt irgendwie gern wirtschaftlich Erfolg haben möchten.
00:06:17: Kannst du denn weiter Entwicklung oder technischen Innovationen insgesamt nichts abgewinnen?
00:06:22: Da freu ich mich jetzt ganz kätzlerisch, vielleicht auch beim produzieren.
00:06:25: Also ich sag mal... da hatte ja irgendwann auch zumindest die Elektrik irgendwie eingezogen.
00:06:32: Mein letztes Album habe ich mit der Steckdose aufgenommen!
00:06:36: Ich hab zum Beispiel länger als andere kleine Studios mit vierundzwanzig Spurmaschinen noch gehabt und eine Studie der vierund zwanzig spuren Maschine Und ich nehme natürlich auch digital auf.
00:06:47: Ich habe sehr viel analoges Gerät davor geschaltet.
00:06:52: Auf meinem mobilen Telefon habe ich kein Internet, ich benutze das nur zum Telefonieren als Diktaphone und halt als Fotoapparat.
00:07:03: Und dass hat damit zu tun, dass ich mir genau überlege was für mich von Wert wäre?
00:07:10: Was für mich vom Keinenwert ist?
00:07:13: Und ich brauche keinen Internet auf dem Telefon!
00:07:18: Ich habe eine E-Mail Adresse und ich hab auch ein Browser mit dem ich ins Internet gehen kann, aber der ist zu Hause aufm Laptop.
00:07:26: Und ich halte es für sinnvoll zu überlegen welche Wechselwirkungen in der Benutzung aller Dinge liegen.
00:07:36: Das hat nicht nur was mit einer sozialen Komponente zu tun.
00:07:42: Die Wechselwirkung entsteht da, dass ich mich mit Menschen umgebe auf der Arbeitsstätte oder im Freundeskreis oder bekannten Kreis wo ich merke die Wechselwirkung ist nicht gut für mich.
00:07:52: Das ist nicht gesund Aber aus irgendwelchen sozialen Konstrukten heraus muss das so sein Oder es wird erwartet das Und wenn du kein Internet auf deinem Telefon hast dann kannst du das und das nicht machen.
00:08:09: Ich habe mir das gut überlegt alles
00:08:12: Sehr gut.
00:08:12: Ich bin gespannt, ob du dir... Na ja eigentlich hast gar keine Zeit langen zu belegen sondern musst jetzt in der Schnellfragerunde sehr schnell überlegen und antworten.
00:08:21: Es geht mich um die Lieblinge.
00:08:23: Welches ist deine Lieblingsbeckerei in Hamburg?
00:08:27: Da habe ich eigentlich keine aber bei mir um die Ecke ist ein Supermarkt Und da ist die Beckerei von Allwörden drin und das einzige Produkt was ich dort kaufe Ist das Dinkel Vollkornbrot.
00:08:40: Wer das noch nie probiert hat Dinkel Vollkornbrot von Allwörtern, so saftig und schmeckt wie
00:08:47: Brokkuchen.
00:08:47: Das wird nächste Woche ausverkauft sein!
00:08:49: Welches ist dein Lieblingsrestaurant in Hamburg?
00:08:52: Da gibt es einige aber ich bleibe auch bei mir in der Nähe.
00:08:55: und dann ist das tahinische Restaurant Pico Bello.
00:08:58: Es ist
00:08:59: keine Putzfirma sondern ein Restaurant.
00:09:01: Pico bello
00:09:01: Ecke Schenkendorfstraße Winterhoderweg.
00:09:05: Und
00:09:06: was isst du da?
00:09:07: Airpizza oder Pasta?
00:09:10: Fisch tatsächlich Also hauptsächlich.
00:09:14: Es gibt eine kleine, lustige Geschichte.
00:09:17: Darf ich die kurz erzählen?
00:09:19: In den achtziger Jahren war ich dort schon zu Gast und das Magazin, das Frauenmagazin Petra wollte eine Story machen und hatte eingeladen Hans-Höachim Friedrichs Den Vielmann, dem Brillenfielmann und noch andere Leute unter mich.
00:09:40: Und wir sollten halt was kochen Männer kochend für die Frau im Zeitschrift Petra.
00:09:45: Ich hatte damals überhaupt keine wirkliche Verbindung zum Kochen, mittlerweile koche ich sehr gerne und auch nicht schlecht.
00:09:52: Und habe sie dann gebeten ob Sie mir nicht ein Rezept geben können?
00:09:59: Dann haben sie mir halt so einen Krabben eingewickelt in Parmaschinken und Piepap-Eis war wirklich super!
00:10:06: Das hab' ich weitergegeben an die Petra Leute, die haben das auf einer Platte... Schallplatte angerichtet.
00:10:15: und dann habe ich noch den Journalisten, die haben mich denn interviewt.
00:10:19: Und da hab' ich denen gesagt, sag mal könnt ihr eventuell noch erwähnen dass das von meinem Lieblingsrestaurant Pico Bello in Hamburg ist?
00:10:27: Weil das hab' hier mir natürlich nicht selber ausgedacht sondern das is deren Rezept!
00:10:32: Naja, mmh, kam das Magazin raus und ich hatte das natürlich Den Leuten von Pico Bello auch gesagt.
00:10:40: Und entstand da halt unter anderem der Sänger von Felix Deluxe, mich hier reingegangen und so... Er kocht sich am liebsten in Voltini, Pipapo und so.
00:10:50: und haben sie das aufgeführt.
00:10:52: Das schmeckt ihm viel besser als im Pico-Bello seinem Restaurant um die Ecke!
00:10:59: Also traurig nie einem Journalisten.
00:11:02: Doch, das kann man schon alles
00:11:03: machen.
00:11:04: Nein, das darf man nicht.
00:11:06: Gut, wir machen weiter.
00:11:07: Welches ist dein Lieblings-Mitbringsel aus Hamburg?
00:11:11: Das ist tatsächlich das Dinkel Vollkorn Brot von Frankfurt.
00:11:13: Sehr gut!
00:11:14: Die haben mich nicht bezahlt dafür aber ich packe, wenn ich nach Analousien fahre, fünf Dinger in mein Handgebäck und die frieren wir ein...
00:11:25: Bist du am Zoll schon mal gefragt worden was du damit machst?
00:11:28: Was
00:11:29: ich auch super
00:11:31: interessant finde, mein Freund Jürgen Heilbutt.
00:11:34: Ich habe ihn gefragt worauf müssen wir im Alter achten?
00:11:37: Was sollten wir zu uns nehmen an Proteinen noch und so?
00:11:41: Und da hat er mir den Tipp gegeben BCAA heißt das glaube ich.
00:11:45: Das sind die grundlegenden wichtigsten Proteine, die halt man braucht.
00:11:50: speziell im Alter.
00:11:51: tut das gut!
00:11:52: Dann hab' ich eine riesige Tüte mit weißen Pulver Von Hamburg nach Malaga gebracht im Handgepäck.
00:12:02: Glaubst du nicht, dass er irgendwann mal nachgeguckt hätte?
00:12:05: Verrückt!
00:12:07: Welches ist dein Lieblingstheater in Hamburg?
00:12:10: Ich kenne sie alle und Sie sind alle wunderschön.
00:12:14: Wir haben einen Rintenten-Revue.
00:12:20: Rintentin Musik ist mein Label Und meinen Musikverlag meine kleine Firma Und da haben wir im Schauspielhaus einen großen Gala gemacht.
00:12:31: Das war ein toller Abend, Schausspielhause ist schön, Tallier ist auch sehr schön, Ernst Deutsch ist bei mir um die Ecke auch sehr und natürlich Schmitztivoli.
00:12:43: Da treten wir...
00:12:44: Das ist ja eine fast erotische Beziehung zu, da kommen wir aber später dazu.
00:12:48: Welches ist deine Lieblingsstraße in Hamburg?
00:12:51: Auch da!
00:12:53: Für dich in der Nähe bleiben.
00:12:54: und zwar gibt es bei mir, wo auf der Seite der Alster einmal die schöne Aussicht und Bellevue.
00:12:59: Und ich sage dir auch warum.
00:13:01: nicht weil da so nette reiche Leute wohnen sondern weil es von dort den besten Blick in die Stadt gibt und zwar über Kilometer.
00:13:09: Ich halte es für wichtig!
00:13:12: Ich haltae es für absolut notwendig dass der Mensch einmal am Tag seinen Blick für zehn Minuten halbe Stunde schweifen lässt und zwar mit einem Weitenhorizont.
00:13:26: Ich glaube, das was ihn zu einem Stadthamster macht ist dass er diesen Blick nicht findet sondern dass er halt in seinem ganzen Straßenlabyrinth immer nur an die nächste Häuserbahn gucken kann und es eine tiefe Sehnsucht gibt des ursprünglichen Menschen der sich halt auf einer Anhöhe stellt um möglichst weit gucken zu können einen weiten Horizont zu haben.
00:13:51: deshalb diese Straßen.
00:13:57: Bevor es gleich weitergeht, mache ich kurz Werbung für unseren Kooperationspartner die Zeit.
00:14:02: In meinem Morgen starte ich gern mit der Elbvertiefung dem kostenlosen Newsletter von Zeit Hamburg.
00:14:07: Der kommt ab jetzt im neuen Look zu euch!
00:14:09: Von Montag bis Freitag morgens um sechs Uhr direkt ins E-Mailpostfach.
00:14:14: Alle Infos findet ihr auf zeit.de.
00:14:16: slash elbvertieffunk Und noch mehr Zeit.
00:14:19: Hamburg bekommt Ihr im Hamburg-Ressort auf zeitpunkt e. slash hamburg Rheinschaun lohnt sich Das war Werbung.
00:14:27: Herzlichen Dank!
00:14:31: Wir kommen mal in die Siebziger Hamburgs, da würde ich mal voraussetzen fängt man an sich zu sozialisieren und die Stadt zu erobern.
00:14:42: also im Teenager-Alter was war denn so deine Hut damals?
00:14:48: Ich hatte eine erste Band und die ist ein Scarlet Lilac mit einem Englisch gesungen.
00:14:59: Ich war ein großer Bob Dylan-Fan und dann haben wir gespielt im Logo, im Knust.
00:15:08: Das Knust damals noch in der Brandstwitte also gegenüber der Speicherstadt und im Onkelpö.
00:15:18: Onkel Pö ist keine Gehäule, gibt es heute nicht mehr... Da
00:15:20: wo sie alle gespielt
00:15:21: haben?
00:15:22: Wir haben ... Im Knust haben wir in der gleichen Woche mit Arem gespielt.
00:15:28: Das war mit Felix de Lückst, aus dem Jahr fournachtzig.
00:15:31: Aber auch in der Brandt-Twitter.
00:15:32: also es waren nicht da noch... Ja das war meine Hut!
00:15:37: Also ich bin in Wandsbeck aufgepraxen und dort auch zur Schule gegangen und hatte da auch mein Freundeskreis.
00:15:46: aber wir sind dann halt abends auch an die Clubs gegangen und so.
00:15:51: Es war halt auch schon abwechslungsreich, waren viele Sachen.
00:15:59: Also, Reba-Bahn war eben neunzehundertseventeilig nicht vergleichbar mit der Reba Bonn heute.
00:16:05: Jetzt sagst du wie selbstverständlich... Ich hatte eine Band und dann seid ihr da aufgetreten!
00:16:10: Mit R&M und so.
00:16:13: Ich hatte auch eine Band aber wir sind nie auf einer Bühne gelandet.
00:16:16: Wir haben uns eigentlich nur zum Bier trinken getroffen Und ich habe versucht den Tag beim Schlagzeug zu halten.
00:16:22: also mehr Gwader nicht und ich glaube viele in dem Alter Reißen an Seiten oder was auch immer.
00:16:31: Oder versuchen ihr Klavierunterricht, den sie über viele Jahre hatten mal ein bisschen Populärmusik umzuwandeln.
00:16:37: Die landen nicht einfach selbstverständlich dann auf einer Bühne und schon gar nicht in diesen tollen Läden.
00:16:42: War das erstmal dass zu die Leute alle zugequatscht hat und gesagt lasst uns mal spielen?
00:16:45: Oder gab es einen Moment wo hier entdeckt wurde?
00:16:48: wie hat man sich damals quasi Zu einer Band die auch auf bühnen stattfindet entwickelt ohne internet ohne Promoter ohne einfach alles.
00:16:59: Ja, also zum einen wenn man mit vierzehn fünfzehn anfängt ein Instrument zu lernen und es kein Internet gibt und keine mobilen Telefone auf den Internet vorhanden ist hat man mehr Zeit.
00:17:14: Mehr Zeit zum
00:17:15: üben?
00:17:15: Also mehr Zeit einfach sich mit dem zu beschäftigen wofür man bränt und dann ist man innerhalb von zwei drei Jahren tatsächlich schon ganz gut.
00:17:27: Und wir sind, ich weiß mit fünfzehn schon auf dem Schulfest aufgetreten.
00:17:31: Das war mir natürlich auch, das war halt desaströs wahrscheinlich aber Franziska Holz die sich eine Woche vorher von mir getrennt hatte, die kamen eben wieder angeduggelt weil sie das irgendwie so toll fand dass wir da im Musiksaal so Musik gemacht haben, die halt... Da haben wir unheimlich viel für geübt und es war auch nicht besonders gut.
00:17:53: Aber wir haben weitergemacht und als wir neunzehn waren, waren wir eine gute Popband.
00:17:58: Also ist es halt irgendwie viel geprobt.
00:18:01: Jeder für sich wird zusammen und ich halte mich trotzdem nicht für ein Virtuosen am Instrument.
00:18:10: Spiel aber mit Virtuosen seit ich Anfang zwanzig bin zusammen.
00:18:16: Es macht einen riesigen Unterschied aufzuwachsen.
00:18:21: Ich halte es für einfacher glücklich zu werden wenn man sich nicht langweilt als wenn man ständig abgelenkt ist und sich eventuell sogar irgendwann dafür schämt oder schuldig fühlt, dass man davon abhängig ist.
00:18:36: Oder dass man süchtig danach ist, ständig nach seinem Telefon zu greifen um zu gucken was da passiert?
00:18:43: Ich habe das ja erzählt mit meinen drei Programmen Fernsehapparat.
00:18:48: ich hab großes Verständnis für die junge Generation.
00:18:56: Es braucht einfach sehr viel Kraft und es braucht einen inneren Antrieb, um das zu überwinden.
00:19:05: Aber ich glaube dass es möglich ist.
00:19:08: Aber das brauchtest du ja alles nicht?
00:19:09: Und die ganze Jugend hatte ja kein Handy.
00:19:12: was war dann trotzdem der Erfolgsfaktor?
00:19:15: Das habe ich versucht zu erklären.
00:19:17: Ich glaube es gibt natürlich immer Situation oder Wünsche oder Hoffnung Die nimmt man zu ernst.
00:19:24: Also denn Ich will berühmt werden und dann wird alles gut.
00:19:28: Wir
00:19:28: waren ja derzeit, da die Beatles ihr Unwesen hier getrieben haben noch viel näher als heute.
00:19:33: also die waren gerade aus der Stadt raus sozusagen.
00:19:36: In meiner Zeit war es so.
00:19:38: wir haben uns gegenseitig besucht.
00:19:40: wir sind als erstes wenn wir uns zum Tee trinken verabredet haben.
00:19:45: nachmittags Dann sind wir gegenseITich auf unsere Bücherregale und auf unsere Schallplattensammlung zugegangen und haben durchgeblert.
00:19:52: was gibt's Neues?
00:19:53: Das Buch, hast du das gelesen?
00:19:55: Nein.
00:19:56: Es war wirklich... Wir haben viel gelesen und wir haben viel Musik gehört aber wir haben sie nicht übers Handy gewischt sondern wir haben halt soviel Taschengeld bekommen dass wir uns ein Album oder höchstens zwei Alben kaufen konnten.
00:20:11: die werden auch mal getauscht haben und vielleicht auf Kassette überspielt.
00:20:16: Aber du hast dich wirklich wochenlang mit einem einzigen Album beschäftigt Immer mal wieder.
00:20:23: Du hast es nicht nur gehört, weil du hattest natürlich auch andere Musik... ...du hast dich mit der Sache anders auseinandergesetzt!
00:20:30: Du hast das neue Album von Supertramp geholt und dann die Single hat es so im Radio gehört Und hinten war eine Ballade drauf, die hatte ich überhaupt nicht interessiert.
00:20:40: und du hast das Album gehört und nach drei Wochen bei diese Ballade dein Lieblingslied.
00:20:47: Der geistige und seelische Nutzen Von einem Kulturangebot kannst du nur die Tür öffnen, indem du dich einfach damit beschäftigst.
00:21:00: Wenn du glaubst, du beschäftigtest, damit indem du da zwei drei Sekunden reinhörst und dann weiterwischt Dann hast du das nicht verstanden worum es geht.
00:21:10: Und diese Verweigerung den geistigen unseelischen Nutzen zu erkennen oder sich überhaupt damit auseinanderzusetzen Das ist glaube ich einer der Gründe warum viel schief läuft Warum viel einfach nicht gesund ist.
00:21:32: Und Kultur und Religion, ich kenne mich ganz gut mit Religionen, verschiedenen Religionen aus.
00:21:41: Das was in uns schlummert unsere Talente aber auch unsere Sehnsüchte und Hoffnungen basieren auf Kultur- und Religion.
00:21:51: Bei uns in der Nähe an der Lusien gibt es Höhen.
00:21:54: die sind über dreißigtausend Jahre bemalt.
00:21:58: Da wurde Musik drin gemacht da wurde drin gesungen Da wurden halt an die Schalaktiten mit Holzschlägeln geklopft.
00:22:06: Dann wurde Feuer angezündet und dann hat man die Pferde, die Visente, die man an die Wände gemalt hatte.
00:22:12: Das war Vikino!
00:22:15: Und das war keine Religion, es war kein Museum, es ist kein Konzertsaal... Es war alles zusammen.
00:22:21: Es war eine Kirche aus Identität.
00:22:27: Man kann das gut finden.
00:22:28: oder ja, das waren die Hooker-Hookers.
00:22:32: Die hatten doch von nichts eine Ahnung oder die hatten noch nicht mal ein Telefon.
00:22:37: Das ist das, woher wir kommen und das ist das woran ich glaube dass man diese Talente wenn man sie in sich wachkitzelt.
00:22:47: Ein sehr viel gesünderes Fundament schafft als wenn man sagt den Weihnachtsmann gibt es nicht mehr Jesus Christus ja das kann gar nicht sein.
00:22:57: Dass der das alles so gemacht hat oder Es isst Wenn man sich nicht mit diesen Sachen auseinandersetzt, woher man kommt und was das alles möglich gemacht hat.
00:23:10: Wer wir sind?
00:23:11: Was wir sehen?
00:23:12: Wo wir sind Dann wird man keinen Nutzen daraus ziehen können aus einer eigenen Existenz sondern dann geht das so vorbei.
00:23:21: Und dann ist es denn gibt es irgendwelche Mode Sachen die man mitmacht oder überhaupt mit macht Weil keiner irgendwie eine andere Idee hat und das behalt ich für auch politisch für gefährlich.
00:23:31: also Die Mitmacherschaft ist größer als man denkt.
00:23:37: So, jetzt bleiben wir aber mal in der Jugend dann noch?
00:23:41: Ich muss da nochmal wieder drauf zurückkommen.
00:23:44: Ich glaube Stefan Gwildes hat für eine Currywurst und Bier gespielt.
00:23:48: Was hast du bekommen, Bier- und Currywurst?
00:23:51: Im Knust haben wir gespielt für ein Kokomissuel und freitrinken.
00:23:56: Schonmal bisschen mehr!
00:23:58: Ist schon mal ein bisschen mehr war auch die Grundlage dafür halt jahrelang alkoholiger und drogensüchtig zu sein.
00:24:04: Also das ist halt.
00:24:05: Wenn man dann halt denkt, es muss ja auch lohnen, dass man freie Getränke bekommt.
00:24:14: Dann wird man auch schon mal nach dem Konzert ins Krankenhaus gebracht weil man rückwärts vom Barhocker gefallen ist.
00:24:20: Jetzt wissen wir ja das du professioneller Musiker geworden bist hast aber studiert.
00:24:25: war das zur Nervenberuhigung der Eltern oder hattest du tatsächlich die Idee das irgendwie sinnvoll nutzen zu wollen um dann irgendwo am Schreibtisch zu sitzen?
00:24:35: mich haben die Sachen tatsächlich interessiert.
00:24:37: Also zum einen hat mich Germanistik interessiert, zum anderen Englischstrik und ich hatte aber auch keinen Plan was sich damit machen wollte.
00:24:46: also es hatte aber keine... Es gab von zu Hause.
00:24:50: mein Vater ist zur See gefahren meine Eltern haben sich früh scheiden lassen.
00:24:56: ja also da gab's kein Druck und Psychologie habe ich spät angefangen weil Mein Nummer aus Klausus hätte überhaupt nicht funktioniert.
00:25:04: Ich habe mit Anfang Dreizig erst Psychologie studiert.
00:25:10: Wir wollen mal kurz einkehren in eine Rubrik, die heißt Fragen der anderen Leute.
00:25:14: Da wollen wir rein hören.
00:25:17: Hallo Michi Reinge ich bin Anche Flemming die Leiterin vom Literaturhaus hier in Hamburg und ich würde natürlich gerne von Ihnen wissen was Ihr absolutes Lieblingsbuch ist.
00:25:28: mein absolutes Lieblungsbuch Also auch da gibt es natürlich Henry Miller, Wendelkreis.
00:25:41: Skrips ist für mich einfach eine Erweckung gewesen.
00:25:45: Habe ich sehr früh gelesen.
00:25:47: Mit wieviel Jahren?
00:25:49: Einen zwanzig oder so.
00:25:50: Davor alles von Hessen, alles von Rambo und das absolut wichtigste Buch ... Für das absolut wichtigste Buch halte ich allerdings Jean-Liedloffs Continuum Theorie.
00:26:07: Im Deutschen heißt es auf der Suche nach dem verlorenen Glück.
00:26:12: Und zwar ist das ein Werk, eine Theorie.
00:26:16: die Continuum-Theorie basiert darauf.
00:26:21: Das Buch erschien glaube ich Anfang der siebziger Jahre dass Jean Liedloff war im venezuelanischen Journal bei Indianerstämmen Die halt ihre Kinder in Schlaufen solange am Körper trugen bis die Kinder Selbstständig von sich aus sagten, so jetzt wollen wir mal krabbeln.
00:26:42: Jetzt wollen wir gehen.
00:26:44: Und zwar wurden sie am Körper getragen von ihrer Geburt ab.
00:26:49: Sie wurden nicht nachts in irgendein Kettiber-Bett gelegt und dort abgelegt.
00:26:56: Und wie ein Liedlos Theorie ist das Kontinuen des Menschen als Nomade macht es notwendig dass das Kind die ganze Zeit am Körper Getragen wird Und nur die wenige Stunden Ablegung in der Nacht, in ein eigenes Bett sorgt für größte Irritationen, Ängste, fundamentale Unsicherheiten.
00:27:22: Störung des Continuums dem im Grunde genommen die ganze moderne Gesellschaft seit mehreren tausend Jahren ausgesetzt ist und das ist mein absolutes Lieblingsbuch.
00:27:38: Ich habe einen Exemplar auf den Klo liegen Ich hab eins neben Bett und immer wieder manchmal einfach nur schlage ich eine Seite auf.
00:27:48: Das klingt sehr, sehr interessant!
00:27:49: Ich habe viele Gedanken dazu aber wir haben noch ne Frage der anderen Leute.
00:27:54: Hallo Michi Reinkö.
00:27:55: Ich bin Karin Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen in Hamburg
00:27:59: Und ich würde
00:28:00: gerne von Ihnen wissen welchen Hamburger Stadtteil finden Sie persönlich am schönsten zum Wohnen?
00:28:07: Mit meiner Frau als sie noch gar nicht meine Frau war Wir hatten eine Wohnung in der Gärtichtstraße.
00:28:16: Das war sehr schön und wir hatten dann eine Wohnung im Ulenhaus in der Günterstrasse.
00:28:24: Die Wohnung war noch schöner, aber das Stadtteil ist schon sehr kompakt.
00:28:33: Da gibt es alles tolle Restaurants Ja, alles klar.
00:28:39: Und zur Arbeit bist du dann immer rüber in Westen gefahren sozusagen?
00:28:44: Weil die ganzen großen Clubs oder bedeutenden Clubs waren glaube ich dann ja auf der anderen Seite der Alster, ne?
00:28:49: Ich habe auch im Kampenheil gespielt!
00:28:51: Ich glaub' ich hab in Hamburg kannst du mir irgendwie... Wahrscheinlich
00:28:53: alles gespielt
00:28:54: hast.
00:28:54: ...welche Clubs zu rufen?
00:28:55: also wenn sie jetzt nicht in den letzten zehn Jahren aufgemacht haben, habe ich da überall gespielt.
00:29:02: Jetzt ist es ja so dass es gar kein reines Hamburg-Gespräch mit dir sein kann weil du seit zwölf Jahren ungefähr in Andalusien wohnst.
00:29:12: Dessen geht ja eine Entscheidung voraus, dass du Hamburg verlässt.
00:29:16: das haben wir so noch nie gehabt weil wir haben bisher in ungefähr drei tausend Folgen immer nur Leute gehabt die hier hergekommen sind und geblieben sind.
00:29:26: Du bist gegangen.
00:29:27: Kannst du mal so in drei vier Sätzen skizzieren was dich jetzt vom Wegzug zum Wegzug bewogen hat?
00:29:35: Es ist so.
00:29:35: Wir haben zwei Tausendvier mit einem Freund Und später ist meine Frau auch dazu gekommen, eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen.
00:29:43: Die heißt Lausch Lounge und da haben wir halt bei den Veranstaltung sehr viele junge Künstlerinnen und Künstlern und Kündstlergruppen unterstützt.
00:29:55: Ich habe das moderiert und wir haben viel.
00:30:04: Es ging uns darum einfach die Musikszene zu unterstützen Und dafür braucht man natürlich wiederum selbst auch eigene Unterstützung.
00:30:15: Bei der Journalie, bei den Journalisten beim Fernsehen, beim Rundfunk und ich will nicht sagen dass wir das nicht bekommen haben.
00:30:26: Wir haben das.
00:30:27: also muss man noch dazu sagen Hasco Yvonne und Ich haben das ehrenamtlich gemacht.
00:30:33: Wir haben alles Geld was eingenommen wurde auf die Künstlergruppen verteilt.
00:30:38: so Es war nachher so, dass man trotzdem – also wir haben das ja, ich glaube zwölf Jahre gemacht.
00:30:49: Wir hatten selbst den Eindruck als würden wir die Leute zum Jagen tragen und wir bereuen nichts davon und wir haben viele tolle Leute da.
00:31:02: Annette Louisan hatte ihren ersten Auftritt da.
00:31:06: Johannes Erding hat da gespielt ziemlich am Anfang und Boy, die Gruppe Boy Es waren gute Leute da, aber um es kurz auf deine Frage jetzt runterzubrechen das ist natürlich stark vereinfacht.
00:31:21: Aber ich hatte irgendwann das Gefühl dass die Stadt mich abzustoßen beginnt wie ein schlecht transplantierendes Organ.
00:31:32: Ich fühlte mich hier nicht mehr wohl und es begann auch diese Form von ideologischer Hysterie was man noch sagen sollte was man nicht mehr sagen sollte oder So, es fühlte sich komisch an und es fühlt sich kompliziert an.
00:31:48: Und da war dann halt der Punkt... Lass mal was anderes ausprobieren!
00:31:56: Hat das Klima eine Rolle gespielt?
00:31:59: Also ich sage mir Spanien denkt man erstmal an Sonne
00:32:03: oder
00:32:04: möglicherweise auch tatsächlich der Abstand da wo man aber also weg von der Werkbank sozusagen und der Abstand und die Einsamkeit tatsächlich eher Weil ihr lebt ja jetzt eher so auf dem Bauernhof sozusagen.
00:32:17: Besseres
00:32:17: Wetter ist schon mal kein schlechter Grund finde ich und es hat natürlich von allem etwas.
00:32:24: Ich bin bei meiner Großmutter, meine Mutter war sehr jung die war achtzehn Jahre alt als ich zur Welt kam Und er hat in Hamburg gearbeitet.
00:32:32: und ich bin bei einer Großmütter aufgewachsen in Ahrensburg Das heißt direkt am Rand zu Arnsfelde.
00:32:40: das heißt pure Natur.
00:32:43: Und so vor sechszehn Jahren, fünfzehn Jahre habe ich immer stärker das Bedürfnis gehabt auch in der Natur sein zu wollen.
00:32:51: Wenn wir nicht dahin gegangen wären dann wären wir irgendwie nach Mecklenburg-Vorpommern oder nach Schleswig-Holstein gegangen irgendwo auch auf dem Bauernhof weil das ist so... Ich glaube wenn man älter wird so ist es jedenfalls bei mir gewesen und ich finde das ein ganz natürlicher und gesunden Prozess ist.
00:33:10: die Sehnsucht nach Balance und Frieden ist wird größer.
00:33:16: Und wenn man Balance und Frieden sucht, dann sollte man am besten dahin gehen wo schon Balance und Freden einfach im Umfeld in der Umgebung vorhanden sind.
00:33:25: Und nicht auf einem Hansa-Platz ziehen oder so?
00:33:27: Zum Beispiel!
00:33:29: Auf dem Berg gegenüber von Ronda gibt es halt einfach ideale Bedingungen um in Frieden zu sein und auch nicht falsch verstehen.
00:33:40: Ich habe nichts gegen Werbung, Reklame Das ist alles okay.
00:33:45: Aber ich finde es auch schön, aufzuwachen und rauszugehen.
00:33:50: Und einfach nur in der Natur mit Tieren zu sein im Seelenfeld von sechs Pferden, drei Hunden, drei Katzen, zwei Dutzend Hühnern meiner Frau und mir.
00:34:02: Alles ist gut.
00:34:04: Das ist absolut ausreichend!
00:34:06: Wie oft kriegt ihr Besuch aus Hamburg?
00:34:08: gibt es so feststehende Besucher, die immer im Mai kommen oder wie auch immer.
00:34:12: Aber wie oft?
00:34:14: Also wir haben bis zu nicht alleine mit deinen Tieren und der Frau.
00:34:17: Ja also ich würde sagen jetzt mal über den Daumen ein Fünftel oder Sechstel der Zeit sind Menschen da ja andere Menschen auch noch.
00:34:28: Und die bringt ihr dann auch immer das Brot mit?
00:34:31: Wenn sie das anbieten, dann sage ich eine selbstverständlich
00:34:36: Was vermisst du denn jetzt im Umkehrschluss, außer das Brot und möglicherweise ein Lieblingsrestaurant?
00:34:40: Gibt es also irgendwas wie so schönes ja da ist bestimmt.
00:34:44: Was vermisst Du denn am meisten bzw.
00:34:46: worauf freust Du dich dann am meisten wenn Du wieder herkommst?
00:34:48: weil es ja durchaus so dass Du auch noch halber Hamburger bist?
00:34:51: Natürlich!
00:34:53: Also ich will das auch nicht falsch verstanden wissen Ich bin in Hamburg geboren.
00:34:55: Ich bin einer der wenigen gebürtigen Hamburger.
00:34:58: Meine Mutter kommt aus Hamburg meine Großeltern kommen aus Hamburg mütterlicherseits Mein Vater ist ein Zugereister gewesen.
00:35:07: Nein, ich habe Hamburg immer geliebt und als junger Mensch ist Hamburg einfach eine Bombe.
00:35:12: Das ist toll!
00:35:12: Und seit ich zwanzig bin jeden Tag einmal um den Stadtpark gelaufen also auch in meiner harten Zeit.
00:35:20: Ein bisschen später am Tag.
00:35:22: aber ich bin immer gelaufen und ich liebe die Alster und ich liebe auch alles um die Alste herum.
00:35:28: Aber Ich vermisse natürlich den direkten Kontakt zu Freunden, die man dann innerhalb weniger Stunden sehen kann.
00:35:37: Wenn sie uns besuchen kommen ist das aber so... Die kommen natürlich nie nur für einen Tag sondern die kommen halt für eine Woche oder für fast eine Woche und dann ist es einfach eine sehr wehrtige Zeit die man miteinander verbringen kann wenn man direkt miteinander zu tun hat.
00:35:55: Wenn man gemeinsam quasi im Urlaub ist mit denen die kommen um im Urlaub zu sein.
00:36:02: Ansonsten habe ich manchmal auch das Gefühl, dass die Woche sieben Sonntage hat.
00:36:12: Ich bin frei beruflich tätig so lange ich denken kann und hab mir das immer einteilen können.
00:36:17: Meine Arbeit ist manchmal anspruchsvoll aber ich habe nie das Gefühl ,dass sie mich halt irgendwie auslaugt.
00:36:24: Deshalb kann ich Sie eigentlich unentwegt machen!
00:36:28: Und dann sind die Tage tatsächlich wie Sonntagen.
00:36:31: Das heißt,
00:36:33: du würdest auch gar nicht ernsthaft über ein Bühnenende nachdenken.
00:36:36: Da gibt es ja verschiedene Versionen.
00:36:38: die einen sagen okay ich will da jetzt nicht Lieder die ich in der Jugend geschrieben habe Jetzt noch mal intonieren mit im Rentneralter.
00:36:45: Dann fallen einem natürlich sofort die Rolling Stones ein Die Im Zweifel wahrscheinlich wirklich irgendwann von der bühne kippen bestenfalls nach hinten damit sie nicht so tief fallen.
00:36:57: Wie hältst Du Es?
00:37:01: das sind Ja So Sachen Das sind ja alles auch so Konventionsgeschichten.
00:37:06: Die Leute machen sich darüber, ob man sich Gedanken, ob Geschlechter sozialisiert werden was zu einem gewissen Teil natürlich stimmt.
00:37:18: aber dieses mit dem Alter... Ich kenne Leute die sollten wesentlich früher in Rente gehen und ich kenne brauchen nicht in Rente zu gehen, weil die halt irgendwie nach wie vor lebendig und aktiv sind und sich auch wohlfühlen mit dem was sie tun.
00:37:42: Ich versuche lange gesund zu bleiben ich versuche mich gesund zu ernähren und ich versuch auch nach wie vorher meine Seele und mein Geist zu trainieren und habe nicht vor... ich hab nicht vor ehrlich gesagt auf der Bühne zu sterben aber ich werde es so lange machen und werde dann eine gesunde Einschätzung haben.
00:38:04: Jetzt wird es nicht mehr gut oder jetzt genügt ist nicht mehr mein eigenen Ansprüchen.
00:38:11: Aber da hab ich keinen... Das mach' ich dann und dann nur so und zu, weiß ich nicht.
00:38:17: Nein!
00:38:18: Du machst weiter?
00:38:20: Ja, es gibt ein Lied von mir das heißt jetzt is schön Und da gibts eine Zeile und die heisst Wir alle bauen nur Sandbogen vor die Flut.
00:38:30: Wie soll das gehen zu bleiben?
00:38:33: Also wir wissen alle wie's ausgeht Aber es gibt keinen Zeitpunkt,
00:38:39: der
00:38:40: erklärt ist wenn man ihn nicht selber erklärt.
00:38:46: Das finde ich eine gute Sache.
00:38:48: Wir haben vorhin schon zwei Songs aus deinem Werk gehört.
00:38:50: das eine war Der Solo Hit Valerie Valerie und dann Taxi nach Paris.
00:38:55: Und gerade bei dem Song musste Ich an Rolf Zukowski denken der mir hier in diesem Gespräch mal erklärt hat wie er auf den Text kam von der Weihnachtsbeckerei während einer Autofahrt geschrieben.
00:39:08: Deswegen ist da auch so ein Plumperquatsch als Rezept rausgekommen, weil es hinten und vorne gar nicht passt zu einem.
00:39:13: Man kann also wirklich gar nichts damit backen wie er erklärt hat.
00:39:18: Du hast nicht im Taxi gesessen.
00:39:19: du brauchtest nur das Bild aber erzähl mal... Kannst du ihn noch erinnern?
00:39:24: Gab's eine feste Situation oder...?
00:39:26: Ja natürlich!
00:39:26: Natürlich!
00:39:27: Da gibt´s... Das ist die Anekdote überhaupt Und es ist ne wahre Geschichte.
00:39:32: Ich kam in den Übungsraum Und es waren halt drei Musiker aus dem Modellversuch für Popularmusik an der Hamburger Musikkurschule.
00:39:43: Das waren wirklich Virtuosen und Franz Plaza war dazu gekommen, weil Martin Langer, Schlagzeuger wohnte bei ihm.
00:39:51: Franz Plaza später berühmt
00:39:54: als Produzent von Echt und Seele.
00:39:56: Richtig!
00:39:58: Dann hatte ich einen neuen Song und dann habe ich ihn vorgesungen.
00:40:04: In der Referenzteil habe ich gesagt, ich traf Joe Strummer in Paris.
00:40:09: Den Sänger von The Clash.
00:40:11: Und da gucken die mich an und fragen... Wer zum Teufel ist Joe Strommer?
00:40:18: Die waren halt musikalisch anders sozialisiert.
00:40:20: Sie haben halt Jazz Musik gemacht und gehört auch.
00:40:26: Wenn die Jungs mich wissen wer Joe Stommer ist dann dachte ich okay Vielleicht ist das einfach als Insider zu speziell.
00:40:38: Und das mit Paris fand ich aber gut, also die Geschichte ging darum dass The Clash wollten eigentlich eine Abschieds-Europa Tour machen und die waren ja alle topper hätten war auf Heroin.
00:40:50: McJones und Joe Strummer waren halt auch schwere Alkoholiker im Amtdrogen genommen, die sind das.
00:40:57: Joe Sturmmer war verschmunden kurz vor der Europatournee.
00:41:00: Die Englische Presse drehte durch.
00:41:02: Was ist wo, ist Joe's Drama?
00:41:05: Und plötzlich war er wieder da und wurde gefragt... Joe´s Drama!
00:41:11: In wenigen Tagen beginnt die Europatunie.
00:41:13: Wo sind sie gewesen?
00:41:15: Er sagte, ich war so ein bisschen in Paris.
00:41:18: Der ist den Parismarathon mitgelaufen.
00:41:20: Dieser Typ!
00:41:22: Er hat irgendwie ... Wahrscheinlich ab dem Abend ab der zwanzig Uhr nicht mehr Mama und Papa sagen konnte, ist den Paris-Marathon mit gelaufen.
00:41:31: Und da dachte ich, das ist eine super Geschichte.
00:41:33: Ich hab' ne Geschichte erzählt... ...ich traf Joe Strummer in Paris über die Melodie von Taxi nach Paris und sagten die Jungs, wer ist Joe Sturmmer?
00:41:43: Weiß ich nicht!
00:41:44: Ja, dann bin ich nach Hause gegangen und am selben Abend oder einen Abend später mit meiner damaligen Bekannten haben wir uns ein Taxi genommen und wollten auf die Ripperbahn.
00:41:58: und wo sollt's denn hingehen?
00:42:01: Ich hab halt die ganze Zeit dieses Paris-Ding im Kopf gehabt und gesagt, nach Paris.
00:42:05: Und da guckte er uns an und dann sagte der, das kostet ein Tausend Siebenhundert Mark Vorkasse.
00:42:13: Daher fanden sie uns nur zur Überbahn!
00:42:16: Aber dann war die Zeile gefunden und dann habe ich das daraus gemacht.
00:42:23: Herrlich Wissenswertes kommt jetzt auch denn es kommen Fakten über Hamburg und es gibt eine persönliche Frage.
00:42:31: Das ist,
00:42:54: glaube ich schon ein bisschen her.
00:42:57: Also das muss so fünfzehn Jahre her sein Als ich noch nicht Rundführung durch Ronda gemacht habe für meine Freunde, wenn die halt von außerhalb kamen dann hab' ich sie natürlich durch Hamburg geführt und auch durch den Hamburger Hafen.
00:43:11: Ich würd mal sagen, fünfzehn Jahre ist das ja!
00:43:20: In welches Land möchtest du unbedingt noch mal reisen?
00:43:33: In welchem Land?
00:43:36: Ich habe ehrlich gesagt schon verhältnismäßig viel gesehen.
00:43:41: Peru.
00:43:43: Das ist
00:43:43: ein guter Joker, finde ich.
00:43:47: Würde ich mit reisen.
00:43:48: Ja!
00:43:49: Die Vier- und Marschlande erstrecken sich über rund hundertunddreißig Quadratkilometer, und machen damit fast ein Fünftel der Hamburger Stadtfläche aus.
00:43:56: Zwischen Daichenwiesen-, Gewächshäusern- und alten Rätachhäusern zeigt sich Hamburg hier von seiner besonders ländlichen Seite.
00:44:04: Wie häufig
00:44:05: bist du
00:44:07: rund um Hamburg in der Natur unterwegs?
00:44:10: Ich war früher viel in der Natur.
00:44:12: Du bist ja am Rande aufgewachsen, aber jetzt noch mal so?
00:44:14: Dass du irgendwo raus an See oder...
00:44:18: Also mein Freund Stefan Quildes
00:44:21: wohnt im
00:44:22: Wald und wenn ich da mal hinfahre und möchte die Autobahn meiden oder die Autobahnen ist verstopft dann fahre ich halt auch über Harburg und Kreuz und Quer.
00:44:33: Und es gibt den Hamburg eben halt auch Ecken Die ich wunderschön finde, die aber ganz wenig Hamburger auch kennen.
00:44:43: Die Bo-Berger Dünen sind nach wie vor, finde ich immer noch ein Geheimtipp.
00:44:47: Unbedingt!
00:44:48: Und einmal um mit Hund spazieren zu gehen, aber auch um... was weiß ich?
00:44:52: Da gibt es einen wundervollen See und man kann wenn man sich eine Decke mitnimmt in die Dünne legen und kann denken, man ist ein Ackerschnurl.
00:45:03: Herrlich!
00:45:05: Jetzt haben wir schon gehört dass du In der Zwischenzeit kochen gelernt hast und auch Spaß daran hast.
00:45:10: Und dich nicht mehr auf italienische Restaurants beziehen musst, wenn es um Rezepte geht.
00:45:15: Gibt es denn etwas?
00:45:16: Ich stelle mir irgendwas Handwerkliches vor was du jetzt speziell in Ronda gelernt hast?
00:45:25: Wenn ein Nordeuropäer sagt er kocht jetzt Paella Die Paella ist eigentlich in Valencia entdeckt erfunden worden.
00:45:37: Die Menschen aus Valencia sagen, dass was außerhalb von Valencia die Spanier selbst für Paella haben ist nur etwas mit Reis.
00:45:50: Also würde ich niemals behaupten wollen, ich mache eine gute Paella und das was ich gelernt habe es mit Tieren zu sein.
00:46:08: Das ist eine gute Sache.
00:46:12: Wir haben sechs Pferde und wenn man sich überlegt, bis vor hundertzwanzig Jahren ist die Welt auf Pferden erobert und entdeckt worden.
00:46:23: Und plötzlich waren die Pferdi nicht mehr da!
00:46:25: Ich habe mit vierzig Jahre tatsächlich noch mal angefangen reiten zu lernen.
00:46:28: Und ich bin dafür sehr dankbar weil ... Mit Pferd zu sein kommt was in Bewegung.
00:46:36: Da ist irgendwas das ihnen mir zum Schwingen gebracht wird was da seit vielen, vielen hundert wenigen tausend Jahren vorhanden ist und auch dieses enge Verhältnis zu Katzen und Hunden.
00:46:52: Ich habe in Hamburg schon ein Hund gehabt und auch Katzen als Student aber wenn die halt in der freien Natur auch rumlaufen können und ihr Ding machen können dann ist mit den Tieren zusammen zu sein noch eine sehr bereichernde und schöne Angelegenheit.
00:47:13: Jetzt mag das eine schmerzvolle Erfahrung gewesen sein, zum Beispiel in den letzten Jahren mit der Lauschenlounge.
00:47:18: Was ich daran sehr bewundert habe ist dass du ein unglaubliches Händchenjahr hattest Leuten die vorher keine Gelegenheit hatten auf einer Bühne zu stehen Die Möglichkeit gegeben hast und dabei auch noch das Talent hattet Dass es richtig gute Leute waren.
00:47:32: Du hast ja vorhin schon paar Namen aufgezählt.
00:47:35: Also ich hab dich tatsächlich in der Zeit immer als großen Förderer des Musikernachwuchses gesehen.
00:47:42: Hast du da jetzt immer noch ein Auge irgendwie drauf oder sagst so, ne ich komme jetzt hierher spiele und bin wieder weg.
00:47:51: Also wie sehr fühlst Du Dich noch der Hamburger Kultur zugehörig?
00:47:56: Ich bin im Förderverein des Popkurses von der Hamburgermusikhochschule Und am Donnerstag ist wieder eine aufführung des diesjährigen Jahrgangs.
00:48:05: Da bin ich natürlich und guck mir das an und höre mir das auch an.
00:48:11: Die Situation auch mit meiner kleinen Schaltplattenfirma ist einfach in einer Zeit, wo Menschen nicht darüber nachdenken und das Kritik los hinnehmen.
00:48:20: Dass sie Streaming-Plattformen für neun Ohren, Neuneinundneunzig im Monat nutzen können Und wie viel dann bei den Künstlern oder bei den Machern dieser Musik bleibt, nämlich so gut wie gar nix.
00:48:37: Diese Unbewusstheit die sich natürlich auch darin ausdrückt dass wir niemals mehr als kleine Schaltplattenfirma etwas veröffentlichen können, weil wir niemandem etwas anbieten können.
00:48:53: Das ist schade!
00:48:55: Also das ist eine Entwicklung, wo ich glaube auch wenn es einen Zeitpunkt gibt, wo das Ganze in die andere Richtung kippt – in die bessere Richtung, in die Richtung, wo Menschen bewusst mit sich sind viel bewusster und viel wacher und nicht nur wach vor sie her tragen dann werden sie sehen, oh das war ein großes Missverständnis dass wir das gemacht haben weil es wird sich überall ist aufgeregt.
00:49:22: Es wird darüber berichtet ja aber da werden Menschen über Vorteil.
00:49:26: das kann ja gar nicht sein.
00:49:27: Aber alle haben ihre scheiß Streamingplattform und das ist so ein bisschen wie Ja, ich bin Vegetarier.
00:49:35: Aber ab und zu ein schönes Schinkenbrot?
00:49:36: Da kann man einfach nichts gegen sagen!
00:49:39: Das ist so... das ist nicht seibisch und nichts ganz.
00:49:41: Das ist ideologischer Quatsch Es ist Blödsinn.
00:49:48: Ich kann Menschen nicht ernst nehmen die irgendwas fordern aber sich keine Gedanken darüber machen welche Ungerechtigkeiten wirklichen Ungerechtigten sie ganz leicht abschlänken Und einfach nur weil es gegen ihre Bequemlichkeit ist.
00:50:05: Das sind Dinge, die man mit Humor tragen sollte.
00:50:12: das tue ich auch aber auf die ich trotzdem hinweisen möchte
00:50:17: Zurecht
00:50:18: im übrigen
00:50:20: Wenn du jetzt nach Hamburg immer wieder kommst Du hast ja immer noch zahlreiche Auftritte in Hamburg und um Hamburg herum und vielleicht auch noch ein bisschen weiter weg Es ist dann so dass
00:50:33: dieses
00:50:34: Heimatgefühl auch in dir aufkommt, dass du irgendwie auch so ein Kribbeln wie eine Verliebtheit irgendwie hast.
00:50:42: Also bei mir ist das immer noch so wenn ich von Reisen wieder komme über die Elbrücken fahre oder wahlweise von oben vom Flughafen komme, dass ich so denke Boah, das ist so toll hier!
00:50:52: Oder überwiegt immer noch dieser Schmerz, dass Du lachtest?
00:50:55: Ich muss jetzt aus Hamburg raus.
00:50:58: Stopp, stopp.
00:51:00: Zurück zurück!
00:51:01: Es ist kein Schmerz.
00:51:03: Es ist einfach nur eine Entscheidung für die ich auch die Verantwortung trage.
00:51:08: Ich komme aus dieser Stadt und liebe diese Stadt auch.
00:51:12: Ich glaube einfach dass wir die Stadt und ich bis zu einem gewissen Grad nicht viel miteinander anfangen können.
00:51:21: Und das es so ist wie eine Partnerschaft, die man nicht bereut aber wo man dann auch denkt Ach ist auch gut, wenn wir jetzt nochmal was Neues.
00:51:31: Wir haben beide noch mal etwas Neues angefangen.
00:51:35: und dieses Heimatgefühl um ganz ehrlich zu sein da habe ich andere Erfahrungen gemacht.
00:51:41: Ich bin in meinem Leben sehr viel gereist.
00:51:44: die meiste meiner Knete habe ich wirklich verreist Und manchmal kam ich nach vielen Wochen in meine Wohnung zurück und dachte wer wohnt hier denn?
00:51:57: dass ich wirklich mich fremd fühlte in meiner eigenen Umgebung.
00:52:03: Und dieses Heimatgefühl, das hatte ich oft noch als Teenager, sind für viel getrempt.
00:52:09: und wenn wir dann halt aus dem Süden kamen und ich erinnere mich mein Freund Matthias und ich und da hat er uns so ein Mitzwanziger in seinem offenen Sportwagen mitgenommen und wir fuhren über die Elbbrücken und war geil wieder zu Hause zu sein Ne, Heimat hat für mich einen etwas anderen Stellenwert.
00:52:30: Meine Sprache ist meine Heimat.
00:52:33: Alles das was meine Sprache mir auch beigebracht hat die Bücher die ich gelesen habe in meiner Sprache Das ist für mich Heimat!
00:52:41: Meine Freunde sind wenn ich ihnen begegne aber sie sind ja meistens da nicht am Fluchhafen oder wenn ich wieder... Also das ist Heimat und natürlich da wo ich jetzt bin, alle Lebewesen um mich herum.
00:52:57: Das ist auch
00:52:57: Heimat.".
00:52:59: Ein Freund von mir der seit ... Ich glaube mittlerweile seit zwölf- dreizehn Jahren nicht mehr in Hamburg lebt kommt hier immer noch her, um seine Bankgeschäfte zu regeln und zum Zahnarzt zu gehen.
00:53:08: Da will er nicht darauf verzichten!
00:53:10: Und er muss dafür auch fliegen weil er ein bisschen weiter weg wohnt.
00:53:13: Gleichzeitig kompamiert dann auch die Frage bei dir auf das ja viele dann irgendwann im Alter sagen ach naja mit der medizinischen Versorgung da will ich dann doch lieber in Deutschland leben.
00:53:23: Also kommst du noch zum Zahnarzt hierher und wie siehst du es für später?
00:53:27: Gibt's irgendwie noch eine Möglichkeit oder ein Grundflett?
00:53:31: gar nicht die medizinische Versorgung, dass du sagst ja nee dann bin ich wieder.
00:53:35: Dann ziehe ich nach Elzerdorf.
00:53:36: Ja
00:53:37: Ich komme hier immer wieder gern her um Ampeln zu sehen.
00:53:42: Es ist tatsächlich so.
00:53:44: Ronda Ist eine Stadt mit gut dreißigtausend Einwohnern also Schon eine Stadt.
00:53:51: Eine Kleinstadt, wie es in Deutschland ja auch viele gibt.
00:53:55: Es gibt in ganz Ronda und das ist jetzt keine Übertreibung, ist auch kein Witz Nicht einmal... Da gibts auch Parkhäuser.
00:54:04: Es gibt im Ganz-Ronda keine einzige Ampelanlage.
00:54:10: Es läuft mit Kreisverkehr Es läuft Mit rechts vor links Und es funktioniert hervorragend.
00:54:19: Deshalb Ich finde es schön, ab und zu in die Stadt zu kommen um mir ein paar Ampeln anzugucken.
00:54:27: Und kommst du hin zum Zahnarzt hierher oder?
00:54:30: Ich war dort schon beim Zahnärzt.
00:54:33: Das einfache Sachen haben gut funktioniert.
00:54:36: ich hatte eine etwas kompliziertere Sache.
00:54:38: da bin ich dann doch wieder zu meinen Zahnerzern am Hühlenkampf gegangen.
00:54:43: das hat mir doch dann war mir der sichere Ort.
00:54:48: Aber ansonsten medizinische Versorgung, also in Ronda selbst gibt es das größte und beste Klinikum in Andalusia.
00:54:58: Abseits vom Musikkultur, Digitalisierung, Internet usw.
00:55:03: Den ganzen Wahnsinn den wir hier quasi noch weiter für dich mit erleiden?
00:55:09: Wie ist denn dein Blick auf Hamburg?
00:55:10: Von Ronda aus.
00:55:11: Also gibt es keine Ahnung, hast du ein Zeitungsabruf von der Tageszeitung?
00:55:16: Ob jetzt Mopo, Armblatt?
00:55:17: oder liest du regelmäßig die Zeit oder interessiert dich was hier so passiert?
00:55:24: Oder sagst du habe ich ja hinter mir gelassen?
00:55:28: Ich war seit meiner frühen Adolescence, ich glaube so mit Mitte Ende zwanzig war ich Abonnent der Wochenzeitung Die Zeit und des Spiegel Und das war unter anderem diese beiden Zeit großartigen Zeitungen.
00:55:46: Waren unter andermem ein Grund, weil so ab dem Jahr zwölf fingen die Zeitung an blüht zu werden.
00:55:57: Also ich konnte das... Die Zeit war damals so dass du zu einem Thema auf einer Doppelseite eine linke Position und eine sehr konservative Position gefunden hattest Und man in seinem Kopf, in seinen beiden Gehirn sich quasi sein eigenes Bild davon machen konnte.
00:56:17: Es wurden halt die Argumente abgewogen und du wurdest nicht in eine Richtung geschustert.
00:56:23: Obwohl die Zeit immer auch eher links war hatte sie einfach viele konservative Momente wo ich manchmal dachte das sind die besseren Argumete.
00:56:31: einfach.
00:56:31: also da muss man einfach dann von oben drauf gucken und sagen dass ist die bessere.
00:56:36: Argumte Spiegel war immer links ganz klar.
00:56:42: Aber es ist für mich, ab irgendeinem gewissen Zeitpunkt hat eine ideologische Hysterie eingesetzt.
00:56:48: Wo es halt von... Das ist die Haltung!
00:56:53: Diese Haltung auch wenn sie nicht die besseren Argumente haben muss sie trotzdem gewinnen oder muss sie.
00:56:58: trotz der hat sie trotzdem recht und das fand ich anstrengend.
00:57:03: also dass ist nicht meine Art mit den Dingen umzugehen.
00:57:08: Wenn jemand der mir nicht gefällt Wenn jemand, den ich eigentlich für Untauglichkeit in mir ein Tipp zu geben oder einen Rat zu geben das bessere Argument hat und ich das erkennen kann dass es das besseren Argument ist dann lass sich das gelten.
00:57:25: Und da habe ich zunehmend die Befürchtung Das ist im Grunde genommen nochmal anders.
00:57:36: Ich unterstelle niemandem Dass er's nicht gut meint Ich unterstelle niemandem, dass er nicht das Beste will für seine Mitmenschen und sich selber.
00:57:47: Aber es gibt einfach im Laufe der Geschichte durch ideologische Hysterien so viele Beispiele wo aus diesen guten Ansätzen verschlimmbesserungen geworden sind die halt ganze Völker ins Verdärmen geführt haben.
00:58:10: Und da bin ich immer vorsichtig.
00:58:12: Da versuche ich einfach aufzusuchen, da versuche mit Flutlicht um mich zu schauen und nicht nur mit einem Punktstreiler.
00:58:22: also das ist mir wichtig.
00:58:23: Wir sind schon eigentlich schon gar nicht mehr auf der Zielgeraden.
00:58:26: wir sind schon quasi kurz vor der Ziellinie.
00:58:28: da möchte ich noch eine Frage erst mal stellen bevor wir die Standardfragen gleichstellen.
00:58:35: es gibt sehr viele Musikerinnen und Musiker Schöne kluge Bücher geschrieben haben, egal ob es Autobiographien waren oder Romane wie auch immer.
00:58:44: Unter anderem dann ehemaliges Bandmitglied Heinz Strunk damals noch unter seinem bürgerlichen Namen bei dir mit in der Band ist sehr erfolgreicher Outdoor geworden und sehr lesenswert wie ich auch persönlich finde.
00:58:58: Jetzt könnt ich mir vorstellen, du sitzt ja in Ronda und irgendwann streichelt sie die Pferde.
00:59:01: Und denkst so, ich schreibe jetzt auch was?
00:59:03: Kam dir das irgendwann mal im Sinn?
00:59:04: Ich meine soweit bisher von Texten nicht entfernt!
00:59:07: Die müssten halt nur über zweieinhalb Seiten tragen.
00:59:10: Lass dich überraschen... Naja, lass uns nächstes Jahr nochmal ein Gespräch führen.
00:59:18: Und dann gucken wir
00:59:19: mal ob das zwischen zwei Buchhelfen ist.
00:59:22: Ja okay also du bist dran.
00:59:25: So sieht es aus Habe ich doch.
00:59:28: Es sind im Grunde genommen zwei Projekte, es gibt jetzt im Dezember für Stivo League ein Fotobuch.
00:59:36: Mein Freund Johnny Johnson der Posaunist der Boxhorns fotografiert seit vielen Jahren die Band und ich habe daraus einen Fotobuch gemacht mit meinem Freund Tristan Leitwein und es sind ganz viele Ansagen und Texte von mir.
00:59:52: dort drin ist so ein kleines Vermächnis für die Livegeschichte Und dann gibt es noch einen Roman.
00:59:59: Dann warten wir das mal ab!
01:00:01: Wir kommen zu den beiden Standard-Fragen, die uns zum Schluss immer irgendwie umwählen.
01:00:08: Wo siehst du dich in fünf Jahren?
01:00:10: Wo sehe ich mich in fünfzig
01:00:11: Jahren?!
01:00:12: Das könnte ich dir ziemlich genau beantworten... In fünf jahren... Wo
01:00:17: siehst du dich im fünftigjahren?
01:00:18: Es ist der Old Sofa Stiethoff oder er wäre es Ronda.
01:00:22: Es ist bestimmt Ronda, der Berg und da sehe ich Ich werde glücklich sein, sehr viel populärer als ich jetzt bin.
01:00:32: Klar!
01:00:33: Sehr viel Wohlhaben.
01:00:34: dann noch weil ich mir auch immer gedacht habe wenn man einmal in seinem Leben wirklich populär und wohlhabend sein könnte möchte man das gleich am Anfang in der Mitte oder lieber im Ende haben und ich hab mich für das Ende entschieden und ich werde dann halt auf einem Berg in Ronder sein und werde das genießen.
01:00:56: Und ihr seid alle herzlich eingeladen!
01:00:58: Sehr schön, wo siehst du Hamburg in fünf Jahren?
01:01:02: Hamburg hat große Selbstheilungskräfte und die wird es benötigen aber die wird auch erfolgreich einsetzen.
01:01:14: Lieber Michi ich freue mich Egal wann dieses Gespräch ausgestrahlt wird, es gilt immer auf deine sozusagen Weihnachtskonzerte gegen Ende des Jahres im Tivoli.
01:01:24: Ich freue mich über die Stunde, die wir hier verbracht haben, über deine Erkenntnisse, Gedanken, Ideen und so weiter und sofort!
01:01:32: Und in diesem Sinne sage ich ein kraftvolles Ahoi zurück.
01:01:40: Das war gute Leute.
01:01:41: das Hamburg-Gespräch mit Lars Meyer von der gute Leudefabrik, der Szene Hamburg und dem
01:01:48: Zeitverlag.
01:01:48: Folgt im Hamburg-Gespräch als Podcast auf allen bekannten Streamingplattformen.
01:01:53: Jeden zweiten Montag neu!
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